Archiv der Kategorie: Praxis

Beiträge des Handlungsfeldes Praxis

Förderung für das „Netzwerk Philologie und Schule“

Der Germanist Dr. Stefan Seeber, Privatdozent an der Universität Freiburg, erhält für sein Projekt „Netzwerk Philologie und Schule“ ein mit 25.000€ dotiertes Senior-Fellowship des Stifterverbands und der Baden-Württemberg Stiftung im Programm „Fellowships für Innovationen in der Hochschullehre“.

In dem Projekt bereiten Studierende im Lehramt Gymnasium Seminarinhalte für den Schulunterricht an der Hochschulpartnerschule Montessori Zentrum ANGELL Gymnasium auf. Im Interview erklärten die Kooperationspartner, warum dies eine „Triple-Win-Situation“ ist.

Weitere Informationen

Pressemitteilung der Universität Freiburg zur Förderung
Informationen zum „Netzwerk Philogie und Schule“
„Hochschulpartnerschule aus Überzeugung: Das Montessori Zentrum ANGELL Gymnasium Freiburg im Interview“

Fachtagung „Inklusiver Unterricht – Unterricht inklusive?“

Am Freitag, den 6. Oktober 2017, fand von 9 bis 17 Uhr die Fachtagung „Inklusiver Unterricht – Unterricht inklusive?“ an der Pädagogischen Hochschule Freiburg statt. Die Veranstaltung richtete sich an Fachberater*innen Unterrichtsentwicklung und Praxisbegleiter*innen Inklusion der Schulämter im Regierungspräsidium Freiburg sowie an weitere interessierte Lehrkräfte.

Die Fachtagung ist der inhaltliche Auftakt eines neuen Schuljahreszyklus, während dessen sich die Fachberater*innen Unterricht der Schulämter im Regierungspräsidium Freiburg in fächerbezogenen Qualitätszirkeln mit Expert*innen der Pädagogischen Hochschule bedarfsgerecht fachdidaktisch weiterqualifizieren. Das übergeordnete Thema für das Schuljahr 2017/18 ist „Inklusion“.

Im einführenden Plenarvortrag: „Inklusion als Herausforderung für die Professionalisierung von Lehrkräften“ ging Saskia Opalinski (Pädagogische Hochschule Freiburg) nach einer Annäherung an den vielschichtigen Begriff der Inklusion den Fragen nach, wie die Professionalisierung von Lehrkräften im Kontext von Inklusion skizziert werden kann und was dies für die inklusionsorientierte Ausbildung und Fortbildung von Lehrkräften bedeutet.

Hier können Sie die Videoaufzeichnung des Vortrags sehen.

Im Anschluss daran vertieften Silke Donnermeyer vom Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Freiburg – Gymnasien und Manfred Burghardt vom Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Freiburg – Sonderpädagogik das Thema im Vortrag „Umsetzung von Inklusion und die Entstehung eines Konzepts für den Einsatz an Schulen“. Unter der These: „Inklusion kann nur in Kooperation gelingen“ zeigten die Referent*innen auf, wie Lehrkräfte von Allgemein- und Sonderpädagogik „zusammenkommen“ können. Barrieren auf dem Weg zu einer schülerorientierten Zusammenarbeit waren ebenso Thema des Vortrags wie das Aufzeigen von Gelingensaspekten.

Am Nachmittag erwartete die Teilnehmer*innen die Einführung in das mit viel Esprit vorgestellte, für diese Runde neue Format des „BarCamps“. Dejan Mihajlovic, routiniert in Sachen BarCamp, moderierte die Zusammenstellung und Einteilung zu den verschiedenen BarCamp-Sessions. Nach einer Runde, in der sich alle rund 80 Teilnehmer*innen mit jeweils 3 Worten vorgestellt hatten, skizzierten Expert*innen der PH in wenigen pointierten Worten, welches fächerbezogene, inklusionsorientierte Thema sie in einer Session mit interessierten Teilnehmer*innen bearbeiten möchten. „Dabei gilt bei BarCamps die Abstimmung mit Füßen“ betonte Moderator Mihajlovic, wem eine Session nicht zusage, der gehe einfach mittendrin in eine andere. Das Besondere an BarCamps ist, – angelehnt an die wertvollen „Randgespräche“, die bei Tagungen meist entstehen – dass auch ganz spontan Sessions aus der Runde angeboten werden können, je nachdem, welche Impulse des Tages aufgegriffen und weiterbearbeitet werden wollen. So entstand auch eine weitere Session als Gesprächsrunde, angeregt und geführt von einer Teilnehmerin, zum Thema „Inklusion / Anschlussorientierung als Querschnittsthema in der Lehrerfortbildung“.

Die Teilnehmer*innen verteilten sich je nach Interesse auf die Sessions „Mehrsprachigkeit & Inklusion: Aus spracherwerbstheoretischer Sicht“, „Inklusiver Mathematikunterricht – Möglichkeiten und Grenzen“, „Inklusives Arbeiten im Religionsunterricht: Methodische Settings – inhaltliche Herausforderungen“, „Klassenmusizieren mit allen, von Atmosphäre bis Virtuosität“, „Aufgaben mit diagnostischem Potenzial in inklusiven Settings im Fach Biologie einsetzen“, „Lernen am Gemeinsamen Gegenstand: Möglichkeiten der Planung und Umsetzung inklusiven Unterrichts“ sowie „Integration von Inklusion in allgemeinen Fortbildungen“.

In intensiven Sessions mit Wechsel in eine zweite Runde wurden in der Folge konkrete Anregungen für inklusives Unterrichten geteilt. Im gemeinsamen abschließenden Plenum trugen die Teilnehmer*innen die für sie zentralen Aspekte des Tages zusammen. Viele Fragen zum Thema Inklusion, welche die Lehrkräfte in der Praxis umtreiben, konnten an diesem Fachtag beleuchtet und diskutiert werden. Außerdem im Gepäck: praktische Impulse für das inklusive Unterrichtshandeln „am Tag danach“.

 

Beate Epting

UNIversalis berichtet über das Freiburger Praxiskolleg

„Mit zielgruppenspezifischen Veranstaltungsangeboten gestaltet das Team des Praxiskollegs einen Raum für die Community of Practice, in dem alle an der Lehreraus- und weiterbildung beteiligten Akteur/-innen sich in den gemeinsamen Dialog einbringen.“

„Das Freiburger Praxiskolleg – Stärkung der Kohärenz von Theorie und Praxis über alle drei Phasen der Lehrer/-innenbildung hinweg“

Unter diesem Titel erschein in der Winterausgabe 2017/18 der Freiburger Zeitung UNIversalis ein Bericht zum Praxiskolleg. Als „Zeitung für Universität und Hochschulen in Freiburg“ beschäftigt sich UNIversalis mit „Themen rund um den Campus, unter aktiver Mitwirkung der Studierenden zusammengestellt“. Die Zeitung erscheint halbjährlich und wird herausgegeben von der ArtMedia Verlagsgesellschaft mbH. Die Printversion liegt an den Freiburger Hochschulen aus, z.B. in Instituten, Fakultäten und Mensen der Universität, der Uniklinik und der Freiburger Hochschulen.

Den gesamten Bericht können Sie hier digital nachlesen:

Weitere Informationen:

Zeitschrift UNIversalis

Das Freiburger Praxiskolleg
Ringvorlesung „Lehr- und Lernperspektiven“ –Impulse aus der Forschung für Schule und Unterricht
Informationswebseite zum Thema „Forschung an Schulen“
Praxisphasentag 2017: „Praxisphasen betreuen, optimieren, vernetzt gestalten“

Pfarrer Gerhard Ziener: Bildungsstandards, Kompetenzen und Kompetenzorientierung: Alter Wein in neuen Schläuchen?

Ringvorlesung „Lehr- und Lernperspektiven“ des Praxiskollegs am 02.11.2017

Der zweite Vortrag der erfolgreichen Ringvorlesungsreihe des Freiburger Advanced Center of Education (FACE) stand ganz im Zeichen der Kompetenzorientierung, die insbesondere durch den neuen Bildungsplan von 2016 wieder verstärkt in den Vordergrund der Diskussion um schulisches Lehren und Handeln gerückt wurde.

Tatsächlich ergibt sich, so Herr Ziener, für Lehrkräfte einerseits eine Fülle an Anforderungen, die eine gelungene Förderung des Kompetenzerwerbs bei Schülerinnen und Schülern scheinbar zur Mammut-Aufgabe werden lassen. Auf der anderen Seite erfährt der zunehmend inflationär gebrauchte Kompetenzbegriff gesellschaftlich eher eine kritische Beurteilung, führte Herr Ziener aus.

Pfarrer Dozent Gerhard Ziener, der Theologe und zugleich in der Lehrkräfteausbildung tätig ist, begegnete den eher kritischen Stimmen mit seinem Vortrag „Bildungsstandards, Kompetenzen und Kompetenzorientierung: Alter Wein in neuen Schläuchen?“ durch einen neuen Erklärungsansatz: Mit dem Vorhaben, die Anforderungen der Kompetenzorientierung in ein neues Licht zu rücken, widerlegte Gerhard Ziener zunächst das Vorurteil, dass ein kompetenzorientierter Ansatz in Schule und Unterricht unweigerlich zu einer Vernachlässigung von Bildungsprozessen führe. Die Normierung von Bildungszielen und Kompetenzorientierung ließen sich, wie der erfahrene Pädagoge betonte, durchaus „unter einen Hut bringen“, ohne dass altbewährte Unterrichtsmethoden und Lernziele in ihrer Bedeutung für einen erfolgreichen Unterricht vermindert würden.

Die Kompetenzen, die bei Schülerinnen und Schülern in erfolgreichen Unterrichtseinheiten gefördert werden sollten, basieren laut Gerhard Ziener vielmehr auf der Bildung und Förderung eines vernetzten Wissens bei den Lernenden. Durch vernetztes Wissen erfolge eine gelungene Verschränkung von Wissen, Sachkenntnis und Verständnis bei den Lernenden, die zugleich mit der praktischen Anwendbarkeit des Wissens einhergehe. An zweckmäßigen Aufgabenstellungen ließe sich dabei leicht kontrollieren, ob das Verständnis tatsächlich vorhanden sei. Kompetenzorientiertes Unterrichten bedeute in dieser Angelegenheit, dass schulische Instruktionen immer eine für die Schülerinnen und Schüler nachvollziehbare Handlungsorientierung aufwiesen. Diese Instruktionen müssten aber an die jeweils gegebenen Dispositionen Strukturqualität (Klassengröße, Ressourcen u.v.a.m.), Prozessqualität (wie Klassenklima, Methoden) und Ergebnisqualität (Zuwachs an fachübergreifenden Kompetenzen) angepasst werden.

Die Lehrkraft, die laut Gerhard Ziener in der Mitte dieser gegebenen Dispositionen stehe, müsse in diesem Zusammenhang ein hohes Verständnis aufweisen, um mit der Vielfalt im Klassenzimmer umgehen zu können. Kompetenzorientiertes Unterrichten, so Ziener, rücke nämlich immer die Lernenden ins Zentrum des Geschehens.

In der an den Vortrag anschließenden Diskussion waren sich Gerhard Ziener und die Teilnehmer*innen einig, dass eine erfolgreiche und transparente Kommunikation mit Schülerinnen und Schülern dabei der Schlüssel zum Erfolg sei.

(Christina Metzger, Dr. Martina von Gehlen)

 

Videomitschnitt

Hier finden Sie den Mitschnitt des Vortrages von Dozent Pfarrer Gerhard Ziener:

Ringvorlesung 2017/18: „Bildungsstandards, Kompetenzen und Kompetenzorientierung: Alter Wein in neuen Schläuchen?“ – Dozent Pfarrer Gerhard Ziener

 

Weitere Informationen

Überblick über weitere Termine der Ringvorlesung

Bericht und Video zum ersten Vortrag der Ringvorlesungsreihe:
„Prof. Fritz Oser: Aus Fehlern (nicht) lernen – Auftakt der Ringvorlesung findet regen Anklang“

 

FACE Lehrkräfte-Fortbildung „Classroom-Management“

 Referent: Dipl.Psych. Christoph Eichhorn

„Tatsächlich meinen viele Leute, bei Classroom-Management gehe es um seelenlose Manager, welche die Schüler wie Puppen tanzen lassen. Das ist aber nicht die Idee. Primär geht es um gute Lehrer-Schüler-Beziehungen, das ist die Basis.“ – Christoph Eichhorn

Am Freitag den 1. und Samstag, den 2. Dezember fand an der Pädagogischen Hochschule die FACE-Fortbildung „Classroom-Management“ für Lehrkräfte und Schulleitungen der Sekundarstufen I und II statt. Der Referent Dipl. Psych. Christoph Eichhorn arbeitet als Schulpsychologe mit dem Schwerpunkt Classroom-Management und veröffentlichte zahlreiche Artikel und Bücher zum Thema.

In der Fortbildung wurde deutlich, dass vor dem Hintergrund zunehmender Zahlen von Schüler*innen mit Migrations- oder Fluchthintergrund sowie Kinder, die immer stärker herausforderndes Verhalten zeigen, Classroom-Management wirksame Tools bietet, um Disziplinprobleme zu reduzieren und ein positives Lernklima zu fördern. Es geht dabei um präventiv ausgerichtete Tools wie z.B. Klassenregeln, kluge Interventionen auf störendes Verhalten und hohe Präsenz der Lehrperson.

Die Teilnehmer*innen lernten in den beiden intensiven Fortbildungstagen die Philosophie und das Potential von Classroom-Management sowie einige der wichtigsten Classroom-Management-Tools kennen. Neben viel unterstützendem Material haben sie konkret erfahren, wie sie Ansätze davon in ihren eigenen Unterricht integrieren und wie sie den Beziehungsaufbau zu ihren Schüler*innen im Detail gestalten können.

„Die Balance zwischen Input und Austausch als auch die Filme als Anschauungsmaterial haben mir sehr gut gefallen“. – Fortbildungs-Teilnehmer*in

Beate Epting

 

FACE Lehrkräfte-Fortbildung „Lernen lernen – jenseits von Lerntypen und Pseudoneurowissenschaft“

„Es wäre klasse, wenn die FACE-Lehrkräfte-Fortbildungen beibehalten würden. Gerade der wissenschaftliche Schwerpunkt ist ein Alleinstellungsmerkmal, das man sonst nicht in dieser Weise bekommt.“ – Teilnehmer*in

Referentin: Dr. Elisabeth Wegner

Am Freitag, den 17.November, und am Freitag, den 1. Dezember, besuchten Lehrkräfte der Sekundarstufen I und II an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg die FACE-Fortbildung „Lernen lernen – jenseits von Lerntypen und Pseudoneurowissenschaft“. Die Referentin Dr. Dipl. Psych. Elisabeth Wegner arbeitet am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Freiburg zu den Forschungsschwerpunkten Überzeugungen über Lehren und Lernen sowie die Förderung von Lernstrategien.

Gerade zum Thema Lernstrategien findet man häufig die Argumentation, Schüler*innen müssten ihren jeweiligen Lerntyp herausfinden, um besser lernen zu können, oder es werden neurowissenschaftliche ‚Befunde‘ herangezogen, die sich bei näherem Hinschauen als Mythen erweisen. Fr. Wegner zeigte in der Fortbildung auf, wie Lernprozesse aus gedächtnispsychologischer Sicht funktionieren, welche der sogenannten neurowissenschaftlichen Argumente Mythen und welche sinnvoll sind und welche Methoden sich daraus für die Förderung von Lernstrategien im eigenen Unterricht ableiten lassen.

In der Zeit zwischen den beiden Blöcken wandten die Teilnehmer*innen die Methoden im eigenen Unterricht an, um beim zweiten Fortbildungstermin zu reflektieren, welche Erfahrungen gemacht wurden, was sich als erfolgreich / nicht erfolgreich herausgestellt hat und welche weiteren Methoden es gibt, um „Lernen lernen“ im Unterricht zu fördern.

Beate Epting

Praxisphasentag 2017: „Praxisphasen betreuen, optimieren, vernetzt gestalten“

„Wir müssen dafür sorgen, dass die Zukunft der Lehrerbildung tatsächlich etwas ist, was vom ersten Semester bis zum Ende der ganz langen Praxisphasen durchgehend sich gegenseitig ergänzt und befruchtet und verstärkt. Und in diesem Sinne brauchen wir die Innovationskraft der Praktiker, die heute zahlreich vertreten sind. Ich freue mich auf den heutigen Tag.“
– Prof. Dr. Wolfgang Hochbruck, Universität Freiburg, Leitung FACE-Praxiskolleg

Mit diesen Worten eröffnete Prof. Dr. Hochbruck am 22.09.2017 den Praxisphasentag 2017 und verdeutlichte zugleich das Kernanliegen des Praxiskollegs, welches sich auch im Konzept der Tagung widerspiegelt: Einerseits wurde die Theorie-Praxis-Verzahnung vor, nach und während der Praxisphasen im Lehramtsstudium fokussiert, andererseits wurde der Dialog zwischen den Vertreter*innen der Institutionen, die an der Lehrerbildung beteiligt sind, intensiviert.

Worum ging es?

Der Praxisphasentag wurde ausgerichtet vom Praxiskolleg in Kooperation mit der Abteilung Fort- und Weiterbildung des FACE. Für die Organisation und Durchführung war hierbei Ulrike Dreher verantwortlich, die gemeinsam mit Beate Epting, Dr. Martina von Gehlen und Maren Klein für einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung sorgte. Die Tagung mit fortbildendem Charakter wurde gemeinsam von Albert-Ludwigs-Universität und Pädagogischer Hochschule veranstaltet. Unter dem Titel Praxisphasen betreuen, optimieren, vernetzt gestalten subsummierten sich zwei wissenschaftliche Hauptvorträge, Austauschforen, Workshops, ein Forschungsforum und eine Abschlussdiskussion.

Wer hat teilgenommen?

Mit der Veranstaltung wurden alle Personen und Institutionen angesprochen, die Studierende und Referendar*innen in Praxisphasen betreuen und Wissenschaftler*innen, die sich mit den einzelnen Praxisphasen, deren Begleitung und Gelingensfaktoren beschäftigen. Demzufolge war das Teilnehmerfeld sehr heterogen und spiegelte die Diversität der Community of Practice wider. Lehrkräfte und Schulleitungen aller Schularten, Bereichsleiter*innen, Fachleiter*innen und Lehrbeauftragte der Staatlichen Seminare für Didaktik und Lehrerbildung (aller Schularten), Zuständige der Staatlichen Schulämter und des Regierungspräsidiums Freiburg, Dozierende der Universität und der Pädagogischen Hochschulen und Wissenschaftler*innen anderen deutscher und Schweizer Hochschulen nahmen teil, um neue Impulse für ihre Arbeit mit Studierenden und Referendar*innen und für die Kooperation zwischen den Institutionen zu bekommen.

„Lernen für die Praxis als Lernen in zwei Praxen?“

Im ersten Hauptvortrag diskutierte Prof. Dr. Tobias Leonhard (Pädagogische Hochschule der FH Nordwestschweiz) die Frage „Lernen für die Praxis als Lernen in zwei Praxen? – Versuch einer theoretischen Neuorientierung schulpraktischer Studien mit praktischen Konsequenzen“.

Mit Bezug auf eine alte Weisheit der Dakota-Indianer: „Wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, steige ab.“ brachte Herr Leonhard dem Publikum ein „totes“ und ein „quicklebendiges Pferd“ mit:

„Das sind die Bilder dafür, dass ich eine ganz zentrale Rahmung schulpraktischer Studien vehement kritisieren möchte – das ist das tote Pferd. Und Ihnen deswegen eine alternative Rahmung vorstellen möchte, mit der Idee, dass gerade das für die Zusammenarbeit zwischen einer lehrerbildenden Institution und der beruflichen Praxis von kolossalem Wert sein kann.“

Im Kontext schulpraktischer Studien ist meist die Rede von Theorie und Praxis, von einem theory-practice-divide oder auch der Verknüpfung von Theorie und Praxis. Die Figur von Theorie und Praxis ist für Leonhard jedoch „im Grunde ohne heuristischen Wert“ oder eben „ein totes Pferd“:

„Pointiert gesagt, in der Figur von Theorie und Praxis werden Hochschulen und Berufsfeld jeweils halb amputiert. Denn die Identifikation der Hochschulen mit der Theorie und der Arbeit an Schulen als Praxis blendet jeweils die Hälfte aus. Sie unterstellt der Hochschule implizit, wir würden nichts tun. Die Hochschule hätte keine Praxis. Die Figur unterstellt aber auch, und das erscheint mir persönlich noch viel schlimmer, das alltägliche Handeln an Schulen hätte keine Theorie. Beides ist meines Erachtens eindeutig kontrafaktisch.“

Als alternative Rahmung schlägt Leonhard vor von zwei Praxen zu sprechen, „der Berufspraxis von Lehrpersonen und der Wissenschaftspraxis der Hochschulen“. Studierende nehmen im Rahmen ihres Lehramtsstudiums an beiden Praxen teil und lernen jeweils von den Könner*innen dieser Praxis. Von entscheidender Bedeutung ist nach Leonhard dabei, dass Studierende an der „echten“ und nicht nur an einer „didaktisierten und simulierten Praxis“ teilhaben können. Er appelliert daher an die Zuhörer*innen:

„In dieser Rahmung lautet dann entsprechend das Postulat für die Hochschulen: Prozessieren sie Wissenschaftspraxis als diskursive Praxis und Theorien, Konzepte und Argumente und binden sie Studierende frühzeitig in die Praxis der Arbeit mit Erkenntnismethoden ein. [… ]Das analoge Postulat für die Kolleginnen und Kollegen aus dem Berufsfeld hieße: Werden sie als Praktikerinnen und Praktiker der Berufspraxis sichtbar. Zeigen sie, was sie tun und erklären sie, was sie wie tun und worauf es aus ihrer Sicht ankommt.“

Sehen Sie hier den kompletten Vortrag von Prof. Dr. Tobias Leonhard:
 

 

Vernetzung und Dialog in Workshops und Austauschforen

In Austauschforen boten sowohl das Staatliche Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (SSDL) (Gymnasium) Freiburg, vertreten durch Prof. Dr. Ulrich Maneval, als auch das SSDL (WHRS) Freiburg, vertreten durch Patrick Beuchert, Diskussionsrunden für Mentor*innen an, in denen die Aufgabe der Praxisphasenbetreuung durch die beteiligten Institutionen abgeglichen werden konnte. Die ISP-Schulen der Pädagogischen Hochschule wurden von Dr. Jutta Nikel über die Portfolioaufgaben im Praktikum informiert und Prof. Dr. Lars Holzäpfel initiierte einen Austausch zwischen den Ausbildungsberater*innen und den Dozierenden. Übergreifenden Fragen zur Kooperation widmeten sich Prof. Dr. Sebastian Jünger und Dr. Michael Ruloff (FH Nordwestschweiz) in den beiden Workshops Partnerschulen zur Professionsentwicklung im Bildungsraum Nordwestschweiz und Ausbildung gemeinsam verantworten im hybriden Raum. Die Workshops zur Begleitung der Praxisphasen fokussierten Teamteaching (Lea de Zordo, PH Bern), Portfolioarbeit (Dr. Gerd Bräuer, PH Freiburg und Georgia Gödecke, Universität Bremen), bedürfnisorientierte Begleitung (Dr. Benjamin Dreer, Universität Erfurt), Klassenführung (Dr. Patrick Blumschein, PH Freiburg) und Diagnose (Dipl. Psych. Sabine Peucker, PH Freiburg). In einem Forschungsforum konnten lokale (Nachwuchs-)Wissenschaftler*innen aktuelle Forschungsprojekte und deren Ergebnisse den Praktiker*innen an Postern präsentieren. In intensiven Einzelgesprächen konnten dabei zukünftige Kooperationen angebahnt und vergangene Kooperationen reflektiert werden.

„Gemeinsam über Unterricht sprechen: Aber wie?“

Dr. Kathrin Futter von der Pädagogischen Hochschule Schwyz konnte indes mit dem zweiten Hauptvortrag „Gemeinsam über Unterricht sprechen: Aber wie? – Nutzen Lehramtsstudierende Lerngelegenheiten im Gespräch? Welches Unterstützungsverhalten der Praxislehrpersonen hilft ihnen dabei?“ zum wissenschaftlichen Diskurs der Teilnehmenden beitragen.

Aus ihrer Sicht können vor allem die Praxislehrpersonen eine Verbindung zwischen den Systemen Hochschule und Berufspraxis herstellen, „denn sie kennen beide Systeme, sie sind ausgebildet als Praxislehrpersonen und sie können eben als sogenannte „broker“ diese beiden Systeme miteinander verbinden“ und damit das Lernen im Praktikum unterstützen.

„Das Lernen im Praktikum ist sehr vielfältig und hochkomplex. Es ist prozessorientiert, situativ, sozial, subjektiv und stellt einen wichtigen Ausgangspunkt dar für die professionellen Entwicklungsprozesse, die sich selbstverständlich über die gesamte Berufstätigkeit ziehen respektive die gesamte Berufspraxis durchziehen.“

In ihrer empirischen Untersuchung wertete Frau Futter Unterrichtsbesprechungen zwischen Praxislehrpersonen und Studierenden auf deren Anteil von Lerngelegenheiten aus. Dabei sind es vor allem die ko-konstruktiven Dialoge, bei denen sich beide Gesprächspartner aufeinander beziehen und gemeinsam neue Ideen entwickeln, die Studierende in ihrem Lernprozess am meisten unterstützen. Eine lernförderliche Gesprächssituation sei empirisch zudem dadurch gekennzeichnet, dass die Praxislehrpersonen weniger direktiv agieren und eher die Studierenden Themen einbringen. Bei längeren Gesprächen mit einer größeren Anzahl an reflexiven Passagen sind mehr Hinweisstellen auf das Lernen der Studierenden erkennbar. Diese Befunde regten dazu an, die eigene Beratungspraxis dahingehend zu prüfen und sich in diesem Themenfeld fortzubilden.

Abschlussdiskussion „Praxisphasen betreuen, optimieren, vernetzt gestalten“

„Ich glaube das, was wir hier machen, wird in zehn oder zwanzig Jahren selbstverständlich sein. Aber wir sind die Pioniere.“
– Dr. Patrick Blumschein (Zentrum für Lehrerfortbildung PH Freiburg)

Abgerundet wurde die Tagung durch eine Abschlussdiskussion von Vertreter*innen der beteiligten Institutionen mit Dr. Kathrin Futter und Prof. Dr. Sebastian Jünger. Unter der Moderation von Prof. Dr. Lars Holzäpfel (Leitungstandem Praxiskolleg) wurde über den vermeintlichen Graben zwischen Theorie und Praxis diskutiert und wie man diesen als hybriden Raum gestalten kann. Die schulische Sicht brachten die beiden Schulleiter von Hochschulpartnerschulen, Heiko Schrauber (Kreisgymnasium Bad Krozingen) und Joachim Diensberg (Albert-Schweitzer-Schule II Landwasser) mit ein, während Prof. Dr. Ulrich Maneval als Vertreter des Staatlichen Seminars für Didaktik und Lehrerbildung (Gymnasium) seine Einschätzung kundtat. Hochschulseitig diskutierten Sybille Schick (Stabstelle Lehrer*innenbildung, Universität) und Dr. Patrick Blumschein (ZeLF, PH Freiburg) mit. Die Diskutant*innen benannten Gelingendes im Rahmen der Kooperation, zeigten aber auch sehr direkt auf, welche Aufgaben in der Zukunft angepackt werden müssen: Hierbei seien die Ressourcen auch der schulischen Partner zu stärken und begleitende Lehrpersonen (Ausbildungslehrkräfte und Mentor*innen) fortzubilden zentrale Gelingensfaktoren, um für die Professionalisierung Studierender im Praxissemester zu sorgen.

Fazit

Die Veranstaltung bot den rund 200 Teilnehmenden sowohl die Möglichkeit der wissenschaftlich fundierten Weiterbildung im Themenbereich der Praxisphasenbetreuung als auch den Raum der Vernetzung, des Austauschs und der Abstimmung von Positionen zwischen den Institutionen und trug so weiter zu einem engeren Dialog der Community of Practice am Standort Freiburg bei.

– Jana Dornfeld, Ulrike Dreher und Dr. Martina von Gehlen

 

Wie hat der Praxisphasentag gefallen?

Wir haben nachgefragt. Wie hat der Praxisphasentag den Teilnehmer*innen, den Workshop-Leiter*innen, den Nachwuchsforscher*innen des Forschungsforums und den Ausstellern der Berufsverbände gefallen? Lesen Sie hier ihr Feedback.

Feedback der Teilnehmer*innen
Feedback der Workshop-Leiter*innen
Feedback der Nachwuchswissenschaftler*innen
Feedback der Aussteller*innen

Impressionen

 

Ansprechpersonen:

Ulrike Dreher, Dr. Martina von Gehlen, Beate Epting, Prof. Dr. Wolfgang Hochbruck, Prof. Dr. Lars Holzäpfel

Informationsmaterial:

 

 

Austauschforum „Praxis meets Forschung“ 3. Schulnetzwerkveranstaltung

Das Praxiskolleg hat in Kooperation mit der Maßnahme M3 „Inklusion und Heterogenität“ am 07.07.2017 von 14 bis 17 Uhr Schulvertreter*innen aus dem Regierungsbezirk Freiburg und Doktorand*innen der Pädagogischen Hochschule Freiburg (PH) und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg in die PH eingeladen, um gemeinsam über Erfolgsfaktoren von Kooperationen von Schulen mit Forschungsprojekten zu diskutieren.

Für die etwa 25 Teilnehmenden wurde an diesem Nachmittag ein persönlicher Begegnungsraum geschaffen, der es allen Beteiligten ermöglichte, in einen fruchtbaren Austausch über Forschungsprojekte und deren Rahmenbedingungen sowie die Bedürfnisse sowohl der Forschung als auch der Praxis bezüglich einer gelingenden Kooperation zu treten. Aktuelle Forschungsvorhaben, aus unterschiedlichen Bereichen der Bildungs- und Unterrichtsforschung, konnten sich präsentieren.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von den beiden Koordinatorinnen des Praxiskollegs, Ulrike Dreher und Dr. Martina von Gehlen. Frau Dreher erläuterte das Konzept des Austauschforums, in dem es in einem ersten Teil darum gehen sollte, eine Bilanz aus den bisherigen Kooperationen zu ziehen, um daran anschließend in einem zweiten Teil den Blick darauf zu fokussieren, wie die beteiligten Akteure auf Augenhöhe kooperieren können.

Unter dem Titel „Forschungskooperationen konkret“ berichteten zunächst Vertreter*innen von zwei Hochschulpartnerschulen von ihren Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit der Forschung.

Hauke Bestmann, Lehrer am Kreisgymnasium Bad Krozingen, schilderte die Erfahrungen aus den Kooperationen mit unterschiedlichen Fachbereichen der Universität und der PH Freiburg. Dabei hob er den Mehrwert heraus, der aus den Kooperationen für die Schüler*innen entstanden ist, in Form von neuen Lernformaten (Ralley/GPS-Tour), die sich z.B. aus der Kooperation mit Dr. Astrid Carrapatoso vom Seminar für Wissenschaftliche Politik der Universität Freiburg ergaben, aber auch durch den direkten Einblick in die Wissenschaft, den die Schüler*innen z.B. durch das Durchführen von Experteninterviews im Rahmen der Kooperation mit dem Sonderforschungsbereich 948: Helden-Heroisierungen-Heroismen erhielten.

Gabriele Heinel, von der Max-Weber-Schule, gab einen Einblick in die Kooperation bezogen auf das Mentoring. In diesem fächerübergreifenden Programm soll Lehramtsstudierenden ein persönlicher, hierarchiefreier Erfahrungsaustauch mit erfahrenen Lehrer*innen ermöglicht werden. Frau Heinel betonte, dass gerade im informellen Kontakt, der sich aus der unmittelbaren Zusammenarbeit mit den Mentees ergeben hat, ein großes Potenzial liegt.
Im Rahmen der Berichte aus den Hochschulpartnerschulen wurde deutlich, dass mit den Forschungskooperationen, trotz des Zeitaufwands, der mit solchen Vorhaben verbunden ist, ein großer Mehrwert für die Schulen entsteht.

Anschließend stellten Prof. Dr. Katja Scharenberg und Prof. Dr. Andreas Köpfer (beide Pädagogische Hochschule Freiburg) das Kooperationsprojekt FRISBI – Freiburger Inklusive Schulbegleitforschung “ vor, das im Rahmen des Freiburg Advanced Center of Education (FACE) entstand. FRISBI macht es sich zum Ziel, Schulen auf dem Weg zur Inklusion wissenschaftlich zu begleiten und Herausforderungen sowie Erfolgsfaktoren für ein gelingendes Inklusionskonzept gemeinsam mit den Schulen zu analysieren. Frau Scharenberg und Herr Köpfer skizzierten zunächst die zentralen Bausteine und Phasen des Pilotprojekts. Anschließend berichteten Vertreter*innen von drei Kooperationsschulen sowie Studierende, die im Rahmen des FRISBI-Projektes ihre Zulassungsarbeiten zu unterschiedlichen Facetten des Inklusionsprozesses verfassten, von Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr in der Pilotphase. Die Schulen skizzierten, wie sie vom Projekt profitierten, um sich selbst des eigenen Heterogenitätskonzepts bewusst zu werden und nochmals zu reflektieren, wie und unter welchen Umständen Inklusion gelingen kann.

In einem anschließenden Blitzlicht wurde aktuellen Forschungsprojekten Raum gegeben, um sich im Plenum zu präsentieren. Folgende Personen haben ihre Projekte mithilfe von Postern vorgestellt:

Falko Röhrs, Germanistische Linguistik, Universität Freiburg
Falko Röhrs untersucht mithilfe der Gesprächsanalyse, welche konversationellen Praktiken für eine hohe Gesprächskompetenz von Bedeutung sind, um auf Grundlage der Ergebnisse Seminar- und Fortbildungseinheiten zu entwickeln, in denen Lehramtsstudierende ihre Gesprächskompetenz erweitern und reflektieren können. Herr Röhrs bezieht sich in seiner Untersuchung auf schulische Elterngespräche, unabhängig von Schulart und Klassenstufe.

Benjamin Peters, Institut für Mathematische Bildung, Pädagogische Hochschule
Benjamin Peters möchte im Rahmen seiner Arbeit erarbeiten, inwiefern der Prozentstreifen für Schüler*innen ein unterstützendes Modell beim Lösen und Verstehen von Aufgaben ist, in denen mit vermehrtem und vermindertem Grundwert gerechnet wird. Er möchte für seine Untersuchung Schüler*innen der 8. Klasse (WRS, GMS, RS) sowie Lehrer*innen befragen.

Mandy Steinbach, Institut für Psychologie, Pädagogische Hochschule
Mandy Steinbach untersucht, ob Visualisierungen bei der Vermittlung ausgewählter Themenbereiche des Faches Gemeinschaftskunde besser sequenziell, also in Teilschritten, entwickelt oder vollständig präsentiert werden sollen. Das Ziel ist zu erfahren, von welcher Form der Visualisierung die Schüler*innen der gymnasialen Oberstufe mehr profitieren.

Dr. Stephanie Herppich, Institut für Erziehungswissenschaft, Universität Freiburg
In ihrem Forschungsprojekt möchte Dr. Stephanie Herppich gemeinsam mit Dr. Rachel Lam, ETH Zürich, untersuchen, was Lehrpersonen aus Diagnosen von Lernendenarbeiten für die Gestaltung und Durchführung von Gruppenlernphasen erfahren und wie sie dabei unterstützt werden können. Außerdem soll herausgefunden werden, wie sich das Diagnostizieren auf Unterricht und Lernen auswirkt. Die Forschung bezieht sich zunächst auf den Sachunterricht (Umweltbildung) in der Grundschule.

Dr. Elisabeth Wegner, Institut für Erziehungswissenschaft, Universität Freiburg
Dr. Elisabeth Wegner analysiert mithilfe einer bildbasierten Erhebung von Lernüberzeugungen, inwiefern sich diese zwischen den unterschiedlichen Schulformen unterscheiden. Die verschiedenen Überzeugungen über das Lernen werden z.B. mit Hilfe des Impuls „Lernen ist wie…“ erfragt.

Die spannende Blitzlichtrunde mündete direkt in die Vernetzungspause, die es den Anwesenden ermöglichte, mit den einzelnen Projekten vertieft ins Gespräch zu gehen und Kontakte zu knüpfen.

Nach der Pause standen die Bedürfnisse von Schulen und Forschungsprojekten hinsichtlich einer gelingenden Kooperation im Mittelpunkt. In Kleingruppen erarbeiteten die Vertreter*innen der Schule und Forschung sowie das Projekt FRISBI, basierend auf ihren bisherigen Erfahrungen, Faktoren, die zum Gelingen von Kooperationen beitragen, aber auch Faktoren, die hinderlich sind. Davon ausgehend formulierten die Arbeitsgruppen Wünsche an zukünftige Kooperationsprojekte.

In einer anschließenden Präsentation erhielten alle Kleingruppen die Möglichkeit die Ergebnisse der lebhaften Diskussionen vorzutragen und damit Einblicke in die verschiedenen Bedarfe und Abläufe der unterschiedlichen Systeme Schule und Forschung zu bekommen. Schlagworte, die hinsichtlich der Faktoren genannt wurden, die zu einem Gelingen der Kooperation beitragen, waren z.B. Kontinuität, persönliche Kontakte, klare Rahmenbedingungen sowie das Schaffen von Win-Win-Situationen. Idealerweise orientieren sich die Forschungsfragen auch an den Interessen der Schulen und die Ergebnisse werden nachhaltig rückgespiegelt, z.B. in Form von Präsentationen im Kollegium.

Aus den Ergebnissen der Kleingruppenarbeiten werden in den kommenden Wochen Leitlinien für eine gelingende Kooperation zwischen Schule und Forschung formuliert, um eine Arbeitsgrundlage für kommende Forschungskooperationen zu schaffen. Das Praxiskolleg bedankt sich herzlich für die rege Beteiligung und die lebhaften Erfahrungsberichte aus den Forschungskooperationen.

 

Bei Interesse an einer Kooperation mit einem der genannten Projekte, können Sie sich gerne für nähere Informationen an das Praxiskolleg wenden.

Praxisphasentag 2017: „Praxisphasen betreuen, optimieren, vernetzt gestalten“

Ulrike Dreher und Dr. Martina von Gehlen

Am 22.09.2017 richtete das Praxiskolleg in Kooperation mit der Abteilung Fort- und Weiterbildung des FACE (Freiburg Advanced Center of Education) den Praxisphasentag 2017 aus. Die Tagung mit fortbildendem Charakter wurde gemeinsam von Albert-Ludwigs-Universität und Pädagogischer Hochschule veranstaltet. Unter dem Titel Praxisphasen betreuen, optimieren, vernetzt gestalten subsummierten sich zwei wissenschaftliche Hauptvorträge, Austauschforen, Workshops, ein Forschungsforum und eine Abschlussdiskussion. Mit der Veranstaltung wurden alle Personen und Institutionen angesprochen, die Studierende und ReferendarInnen in Praxisphasen betreuen und WissenschaftlerInnen, die sich mit den einzelnen Praxisphasen, deren Begleitung und Gelingensfaktoren beschäftigen. Demzufolge war das Teilnehmerfeld sehr heterogen und spiegelte die Diversität der Community of Practice wider. Lehrkräfte und Schulleitungen aller Schularten, BereichsleiterInnen, FachleiterInnen und Lehrbeauftragte der Staatlichen Seminare für Didaktik und Lehrerbildung (aller Schularten) des Regierungsbezirks Freiburg, Zuständige der Schulämter und des Regierungspräsidiums Freiburg, Dozierende der Universität und der Pädagogischen Hochschulen und WissenschaftlerInnen anderen deutscher und Schweizer Hochschulen nahmen teil, um neue Impulse für ihre Arbeit mit Studierenden und ReferendarInnen und für die Kooperation zwischen den Institutionen zu bekommen.

Das Konzept der Tagung berücksichtige dabei die Kernanliegen der Arbeit des Praxiskollegs: Einerseits wurde die Theorie-Praxis-Verzahnung vor, nach und während der Praxisphasen im Lehramtsstudium fokussiert, andererseits wurde der Dialog zwischen den VertreterInnen der Institutionen, die an der Lehrerbildung beteiligt sind, intensiviert.

Im ersten Hauptvortrag diskutierte Prof. Dr. Tobias Leonhard (Pädagogische Hochschule der FH Nordwestschweiz) die Frage „Lernen für die Praxis als Lernen in zwei Praxen? – Versuch einer theoretischen Neuorientierung schulpraktischer Studien mit praktischen Konsequenzen“. Er stellte dem Konzept der Theorie-Praxis-Vernetzung das Konzept zweier Praxen gegenüber, die sich auf verschiedene Referenzsysteme, nämlich einerseits die Wissenschaft (Wissenschaftspraxis), andererseits die Berufspraxis beziehen.

In Austauschforen boten sowohl das Staatliche Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (SSDL) (Gymnasium) Freiburg, vertreten durch Prof. Dr. Ulrich Maneval, als auch das SSDL (WHRS) Freiburg, vertreten durch Patrick Beuchert, Diskussionsrunden für MentorInnen an, in denen die Aufgabe der Praxisphasenbetreuung durch die beteiligten Institutionen abgeglichen werden konnte. Die ISP-Schulen der Pädagogischen Hochschule wurden von Dr. Jutta Nikel über die Portfolioaufgaben im Praktikum informiert und Prof. Dr. Lars Holzäpfel initiierte einen Austausch zwischen den AusbildungsberaterInnen und den Dozierenden. Übergreifenden Fragen zur Kooperation widmeten sich Prof. Dr. Sebastian Jünger und Dr. Michael Ruloff (FH Nordwestschweiz) in den beiden Workshops Partnerschulen zur Professionsentwicklung im Bildungsraum Nordwestschweiz und Ausbildung gemeinsam verantworten im hybriden Raum. Die Workshops zur Begleitung der Praxisphasen fokussierten Teamteaching (Lea de Zordo, PH Bern), Portfolioarbeit (Dr. Gerd Bräuer, PH Freiburg und Georgia Gödecke, Universität Bremen), bedürfnisorientierte Begleitung (Dr. Benjamin Dreer, Universität Erfurt), Klassenführung (Dr. Patrick Blumschein, PH Freiburg) und Diagnostik (Dipl. Psych. Sabine Peucker, PH Freiburg). In einem Forschungsforum konnten lokale (Nachwuchs-)WissenschaftlerInnen aktuelle Forschungsprojekte und deren Ergebnisse den PraktikerInnen an Postern präsentieren. In intensiven Einzelgesprächen konnten dabei zukünftige Kooperationen angebahnt und vergangene Kooperationen reflektiert werden.

Dr. Kathrin Futter von der Pädagogischen Hochschule Schwyz konnte indes mit dem zweiten Hauptvortrag Gemeinsam über Unterricht sprechen: Aber wie? – Nutzen Lehramtsstudierende Lerngelegenheiten im Gespräch? Welches Unterstützungsverhalten der Praxislehrpersonen hilft ihnen dabei? zum wissenschaftlichen Diskurs der Teilnehmenden beitragen. In ihrer empirischen Untersuchung wertete Frau Futter Unterrichtsnachbesprechungen auf deren Anteil von Lerngelegenheiten aus. Dabei sind es vor allem die ko-konstruktiven Dialoge, die Studierenden am meisten unterstützen. Diese Befunde regten dazu an, die eigene Beratungspraxis dahingehend zu prüfen und sich in diesem Themenfeld fortzubilden.

Abgerundet wurde die Tagung durch eine Abschlussdiskussion von VertreterInnen der beteiligten Institutionen mit Dr. Kathrin Futter und Prof. Dr. Sebastian Jünger. Unter der Moderation von Prof. Dr. Lars Holzäpfel wurde über den vermeintlichen Graben zwischen Theorie und Praxis diskutiert. Die DiskutantInnen benannten Gelingendes im Rahmen der Kooperation, zeigten aber auch sehr direkt auf, welche Aufgaben in der Zukunft angepackt werden müssen: Hierbei seien die Ressourcen auch der schulischen Partner zu stärken und begleitende Lehrpersonen (Ausbildungslehrkräfte und MentorInnen) fortzubilden zentrale Gelingensfaktoren, um für die Professionalisierung Studierender im Praxissemester zu sorgen.

Die Veranstaltung bot den rund 200 Teilnehmenden sowohl die Möglichkeit der wissenschaftlich fundierten Weiterbildung im Themenbereich der Praxisphasenbetreuung als auch den Raum der Vernetzung, des Austauschs und der Abstimmung von Positionen zwischen den Institutionen und trug so weiter zu einem engeren Dialog der Community of Practice am Standort Freiburg bei.

 

Ansprechpersonen:

Ulrike Dreher, Dr. Martina von Gehlen, Beate Epting, Prof. Dr. Wolfgang Hochbruck, Prof. Dr. Lars Holzäpfel

 

Informationsmaterial:

 

 

Hochschulpartnerschule aus Überzeugung: Das Montessori Zentrum ANGELL Gymnasium Freiburg im Interview

Teil 1:
Hochschulpartnerschule aus Überzeugung: Das Montessori Zentrum ANGELL Gymnasium Freiburg kooperiert mit dem Deutschen Seminar der Universität Freiburg

Das Montessori Zentrum ANGELL Gymnasium Freiburg unterzeichnete am 15.05.2017 einen Kooperationsvertrag mit der Pädagogischen Hochschule Freiburg und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Ein guter Zeitpunkt, die Kooperationspartner selbst zu Wort kommen zu lassen: Was sind die Beweggründe für die Hochschulpartnerschaft? Was zeichnet die Kooperation aus? Und welche Erwartungen sind an die Zusammenarbeit geknüpft?

Das Interview führte Dr. Martina von Gehlen vom Praxiskolleg FACE mit folgenden Interviewpartner*innen am 13.07.2017:

  • Alexander Hochsprung, Schulleiter am Gymnasium des Montessori Zentrums ANGELL in Freiburg
  • Annette Schuck, Stellv. Schulleitung des Gymnasiums
  • Ines Gremmelspacher, Deutschfachleiterin, Leiterin der Unterstufen, Partnerin des Kooperationsprojekt Netzwerk Philologie und Schule der Universität Freiburg
  • Stefan Seeber, Universität Freiburg, Dt. Seminar, Germanistische Mediävistik betreut den universitären Teil des Netzwerks

Gehlen: Das Gymnasium des Montessori Zentrums ANGELL hat eine Hochschulpartnerschaft mit der Universität und der PH Freiburg geschlossen. – Warum?

Hochspung: Das Montessori Zentrum ANGELL ist mit seinem Gymnasium im Raum Freiburg ein wichtiger Bestandteil des Bildungssystems. Natürlich ist eine solche Kooperation auch mit einem gewissen Aufwand verbunden. Ich halte es jedoch für sehr wichtig, dass unterschiedliche Bildungseinrichtungen vor Ort an der Passung der Übergänge zwischen Schulen und Hochschulen arbeiten. Zum einen ist die Frage: „Was bringen Schüler mit in die Hochschulen?“ – sie brauchen einen guten Anschluss in die Studienphase. Zum anderen bilden die Hochschulen Lehrerinnen und Lehrer aus, die mit ihren Kenntnissen und Fähigkeiten an die Schule kommen. Und auch da ist – trotz einer fachlich sehr guten Ausbildung durch das Universitätsstudium – nicht automatisch gesichert, dass das die pädagogischen, sozialen und gruppendynamischen Fähigkeiten sind, die wir an der Schule gerne hätten. Mit unserem innovativen Schulprofil, das wir in den letzten Jahren entwickelt haben, können wir uns aktiv in die Berufsausbildung der Lehrer*innen einbringen und die Kooperation bereichern.

Schuck: Dass wir alle Schularten, von der Kita bis zum beruflichen Gymnasium, unter einem Dach vereinigen, macht es für eine Hochschule interessant mit uns zu kooperieren.

Gehlen: Was zeichnet ANGELL als Hochschulpartnerschule aus?

Hochspung: Die Montessoripädagogik hat einen großen Stellenwert bei uns. Durch die ständige Entwicklung und Reflexion des Montessori-Konzepts für die Mittel- und Oberstufe haben wir umfangreiche Kompetenz, Know-how und Erfahrung in diesem Bereich. Die Professoren und Studierenden können sich gerne bei uns mit diesem Konzept auseinandersetzen, es erproben und uns Rückmeldungen geben. Der Erfolg im Alltag gibt uns zwar Recht, aber eine fundierte und systematische Rückmeldung z. B. zur Frage „Was ist wirksam und warum ist es wirksam?“ durch wissenschaftliche Untersuchungen ist uns wichtig.
Darüber hinaus ist uns wichtig, frühzeitig mit Studierenden als potenzielle zukünftige Kolleg*innen in Kontakt zu kommen und ein Netzwerk mit allen Partnern vor Ort aufzubauen.

Gehlen: In welchen Bereichen arbeitet ANGELL bereits mit der Universität und der PH zusammen?

Hochsprung: Die Schnittstellen sind vielfältig: Beispielsweise kommen Referendarkurse regelmäßig zu uns, um bei uns zu hospitieren. An der Universität arbeiten wir auch mit einer Lehrveranstaltung zur Reformpädagogik zusammen, bei dem sich Studentinnen und Studenten über das Montessori-Konzept informieren und dann in der Hochschule darüber berichten. Im Rahmen einer Berufungskommission haben wir auch schon dabei unterstützt, zukünftigen Professor*innen die Möglichkeit zu geben, ihr Können unter Beweis zu stellen.

Wir nutzen auch das Raucherpräventionsangebot der Uniklinik: Die 6. Klassen gehen da geschlossen hin. Das ist dann fest im Programm der Klassen eingeplant und wird nicht über einzelne Lehrer angeboten. Und wir bieten regelmäßig ein Pädagogisches Forum als Vortragsabende an, bei dem wir Referenten von Hochschulen zu schulischen Themen einladen. Dieser Punkt könnte aus meiner Sicht noch ausgebaut werden.

Schuck: Weil es als Naturwissenschaftlerin zentral ist, am Puls der Forschung zu bleiben, haben wir in den letzten Jahren häufig mit dem Bernstein Center der Universität im Bereich der Neurobiologie zusammengearbeitet. Wir haben dort Fortbildungen z. B. zum Thema Nobelpreise besucht, um in der Schule aktuelle Bezüge zu schaffen. Die Inhalte in naturwissenschaftlichen Lehrbüchern sind ja in der Regel älter und es nicht so einfach, an aktuelles wissenschaftliches Material zu kommen, wenn man sich für ein spezielles Thema interessiert. Ich nutze auch den Wissenschaftsmarkt, weil wir in der Nähe sind.

Auch die Unibibliothek ist wertvoll, um wissenschaftlich zu recherchieren. Da gehen wir mit unseren Seminarkursen hin. In den Naturwissenschaften ändert sich ja sehr schnell sehr viel. Da kann man nicht sagen: „Ich habe vor 10 Jahren die Ausbildung gemacht. Und das reicht dann für ein Lehrerdasein“. Sondern eigentlich ist lebenslanges Lernen systemimmanent, weil man in gewissen Intervallen neuen Input braucht. Da wünscht man sich manchmal wieder Studentin zu sein und dazusitzen und zuzuhören und Input zu bekommen.

Wir gehen auch in verschiedene Institute der Universität: Ich war mit den Schülerinnen und Schülern schon in der Biologie und in der Uniklinik in der Krebsforschung. Manche Eltern arbeiten im medizinischen oder biologischen Bereich, daher können wir öfter in Labors gehen.

Vor zwei Jahren waren darüber hinaus Studentinnen hier, die für eine Hausarbeit im Bereich der Psychologie Schüler interviewt haben. Da ist es auch für mich sehr fruchtbar, wenn ich mich mit den Studenten unterhalte und erfahre, was die in ihrer Lehrerausbildung machen. Damit habe ich dann den Eindruck, am Puls der Zeit zu bleiben.

Gehlen: Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit?

Hochsprung: Wir sind grundsätzlich sehr daran interessiert, die Schüler nicht elfenbeinturm-mäßig zu unterrichten, sondern Kontakte nach außen zu pflegen. Wir sind froh, wenn fachliche Expertise von außen dazu kommt. Wir arbeiten möglichst mit konzeptuellen Implementierungen. Es sollten daher Angebote sein, die sich in das Curriculum integrieren lassen. Deshalb haben wir Interesse an längerfristigen Kooperationen.

Gehlen: Wie sind Ihre Erwartungen an die Hochschulpartnerschaft?

Hochsprung: Meine Hoffnung ist, dass sich aus der Kooperation Projekte entwickeln, die wir fachlich nutzen können. Und ich hoffe, dass wir die Kooperation für eine wissenschaftliche Begleitung nutzen können. Zum kommenden Schuljahr entwickeln wir unser Konzept ab der Klasse 9 weiter – wir möchten damit die Qualität steigern. Es wäre interessant, diese Umstellung wissenschaftlich zu begleiten.

Schuck: In der Partnerschaft erhält man früher Informationen, das ist etwas, was mir in der Partnerschaft nun schon aufgefallen ist. Das ist für mich sehr wertvoll, wenn ich es frühzeitiger erfahre als in der Tagespresse. Die Fortbildungen für den Herbst schon vor den Sommerferien zu erhalten, war für mich sehr wertvoll. Da kann man die Angebote gut in die eigenen Planungen einfließen lassen. Ein Exzerpt mit Angeboten der Hochschulen für die Schulen wäre für uns auch sehr hilfreich.

 

Lesen Sie hier den zweiten Teil des Interviews mit Fokus auf die Kooperation zwischen Montessori Zentrum ANGELL Gymnasium und Universität Freiburg im „Netzwerk Philologie und Schule“.