Archiv der Kategorie: Praxis

Beiträge des Handlungsfeldes Praxis

Praxisphasentag 2017: „Praxisphasen betreuen, optimieren, vernetzt gestalten“

„Wir müssen dafür sorgen, dass die Zukunft der Lehrerbildung tatsächlich etwas ist, was vom ersten Semester bis zum Ende der ganz langen Praxisphasen durchgehend sich gegenseitig ergänzt und befruchtet und verstärkt. Und in diesem Sinne brauchen wir die Innovationskraft der Praktiker, die heute zahlreich vertreten sind. Ich freue mich auf den heutigen Tag.“
– Prof. Dr. Wolfgang Hochbruck, Universität Freiburg, Leitung FACE-Praxiskolleg

Mit diesen Worten eröffnete Prof. Dr. Hochbruck am 22.09.2017 den Praxisphasentag 2017 und verdeutlichte zugleich das Kernanliegen des Praxiskollegs, welches sich auch im Konzept der Tagung widerspiegelt: Einerseits wurde die Theorie-Praxis-Verzahnung vor, nach und während der Praxisphasen im Lehramtsstudium fokussiert, andererseits wurde der Dialog zwischen den Vertreter*innen der Institutionen, die an der Lehrerbildung beteiligt sind, intensiviert.

Worum ging es?

Der Praxisphasentag wurde ausgerichtet vom Praxiskolleg in Kooperation mit der Abteilung Fort- und Weiterbildung des FACE. Für die Organisation und Durchführung war hierbei Ulrike Dreher verantwortlich, die gemeinsam mit Beate Epting, Dr. Martina von Gehlen und Maren Klein für einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung sorgte. Die Tagung mit fortbildendem Charakter wurde gemeinsam von Albert-Ludwigs-Universität und Pädagogischer Hochschule veranstaltet. Unter dem Titel Praxisphasen betreuen, optimieren, vernetzt gestalten subsummierten sich zwei wissenschaftliche Hauptvorträge, Austauschforen, Workshops, ein Forschungsforum und eine Abschlussdiskussion.

Wer hat teilgenommen?

Mit der Veranstaltung wurden alle Personen und Institutionen angesprochen, die Studierende und Referendar*innen in Praxisphasen betreuen und Wissenschaftler*innen, die sich mit den einzelnen Praxisphasen, deren Begleitung und Gelingensfaktoren beschäftigen. Demzufolge war das Teilnehmerfeld sehr heterogen und spiegelte die Diversität der Community of Practice wider. Lehrkräfte und Schulleitungen aller Schularten, Bereichsleiter*innen, Fachleiter*innen und Lehrbeauftragte der Staatlichen Seminare für Didaktik und Lehrerbildung (aller Schularten), Zuständige der Staatlichen Schulämter und des Regierungspräsidiums Freiburg, Dozierende der Universität und der Pädagogischen Hochschulen und Wissenschaftler*innen anderen deutscher und Schweizer Hochschulen nahmen teil, um neue Impulse für ihre Arbeit mit Studierenden und Referendar*innen und für die Kooperation zwischen den Institutionen zu bekommen.

„Lernen für die Praxis als Lernen in zwei Praxen?“

Im ersten Hauptvortrag diskutierte Prof. Dr. Tobias Leonhard (Pädagogische Hochschule der FH Nordwestschweiz) die Frage „Lernen für die Praxis als Lernen in zwei Praxen? – Versuch einer theoretischen Neuorientierung schulpraktischer Studien mit praktischen Konsequenzen“.

Mit Bezug auf eine alte Weisheit der Dakota-Indianer: „Wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, steige ab.“ brachte Herr Leonhard dem Publikum ein „totes“ und ein „quicklebendiges Pferd“ mit:

„Das sind die Bilder dafür, dass ich eine ganz zentrale Rahmung schulpraktischer Studien vehement kritisieren möchte – das ist das tote Pferd. Und Ihnen deswegen eine alternative Rahmung vorstellen möchte, mit der Idee, dass gerade das für die Zusammenarbeit zwischen einer lehrerbildenden Institution und der beruflichen Praxis von kolossalem Wert sein kann.“

Im Kontext schulpraktischer Studien ist meist die Rede von Theorie und Praxis, von einem theory-practice-divide oder auch der Verknüpfung von Theorie und Praxis. Die Figur von Theorie und Praxis ist für Leonhard jedoch „im Grunde ohne heuristischen Wert“ oder eben „ein totes Pferd“:

„Pointiert gesagt, in der Figur von Theorie und Praxis werden Hochschulen und Berufsfeld jeweils halb amputiert. Denn die Identifikation der Hochschulen mit der Theorie und der Arbeit an Schulen als Praxis blendet jeweils die Hälfte aus. Sie unterstellt der Hochschule implizit, wir würden nichts tun. Die Hochschule hätte keine Praxis. Die Figur unterstellt aber auch, und das erscheint mir persönlich noch viel schlimmer, das alltägliche Handeln an Schulen hätte keine Theorie. Beides ist meines Erachtens eindeutig kontrafaktisch.“

Als alternative Rahmung schlägt Leonhard vor von zwei Praxen zu sprechen, „der Berufspraxis von Lehrpersonen und der Wissenschaftspraxis der Hochschulen“. Studierende nehmen im Rahmen ihres Lehramtsstudiums an beiden Praxen teil und lernen jeweils von den Könner*innen dieser Praxis. Von entscheidender Bedeutung ist nach Leonhard dabei, dass Studierende an der „echten“ und nicht nur an einer „didaktisierten und simulierten Praxis“ teilhaben können. Er appelliert daher an die Zuhörer*innen:

„In dieser Rahmung lautet dann entsprechend das Postulat für die Hochschulen: Prozessieren sie Wissenschaftspraxis als diskursive Praxis und Theorien, Konzepte und Argumente und binden sie Studierende frühzeitig in die Praxis der Arbeit mit Erkenntnismethoden ein. [… ]Das analoge Postulat für die Kolleginnen und Kollegen aus dem Berufsfeld hieße: Werden sie als Praktikerinnen und Praktiker der Berufspraxis sichtbar. Zeigen sie, was sie tun und erklären sie, was sie wie tun und worauf es aus ihrer Sicht ankommt.“

Vernetzung und Dialog in Workshops und Austauschforen

In Austauschforen boten sowohl das Staatliche Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (SSDL) (Gymnasium) Freiburg, vertreten durch Prof. Dr. Ulrich Maneval, als auch das SSDL (WHRS) Freiburg, vertreten durch Patrick Beuchert, Diskussionsrunden für Mentor*innen an, in denen die Aufgabe der Praxisphasenbetreuung durch die beteiligten Institutionen abgeglichen werden konnte. Die ISP-Schulen der Pädagogischen Hochschule wurden von Dr. Jutta Nikel über die Portfolioaufgaben im Praktikum informiert und Prof. Dr. Lars Holzäpfel initiierte einen Austausch zwischen den Ausbildungsberater*innen und den Dozierenden. Übergreifenden Fragen zur Kooperation widmeten sich Prof. Dr. Sebastian Jünger und Dr. Michael Ruloff (FH Nordwestschweiz) in den beiden Workshops Partnerschulen zur Professionsentwicklung im Bildungsraum Nordwestschweiz und Ausbildung gemeinsam verantworten im hybriden Raum. Die Workshops zur Begleitung der Praxisphasen fokussierten Teamteaching (Lea de Zordo, PH Bern), Portfolioarbeit (Dr. Gerd Bräuer, PH Freiburg und Georgia Gödecke, Universität Bremen), bedürfnisorientierte Begleitung (Dr. Benjamin Dreer, Universität Erfurt), Klassenführung (Dr. Patrick Blumschein, PH Freiburg) und Diagnose (Dipl. Psych. Sabine Peucker, PH Freiburg). In einem Forschungsforum konnten lokale (Nachwuchs-)Wissenschaftler*innen aktuelle Forschungsprojekte und deren Ergebnisse den Praktiker*innen an Postern präsentieren. In intensiven Einzelgesprächen konnten dabei zukünftige Kooperationen angebahnt und vergangene Kooperationen reflektiert werden.

„Gemeinsam über Unterricht sprechen: Aber wie?“

Dr. Kathrin Futter von der Pädagogischen Hochschule Schwyz konnte indes mit dem zweiten Hauptvortrag „Gemeinsam über Unterricht sprechen: Aber wie? – Nutzen Lehramtsstudierende Lerngelegenheiten im Gespräch? Welches Unterstützungsverhalten der Praxislehrpersonen hilft ihnen dabei?“ zum wissenschaftlichen Diskurs der Teilnehmenden beitragen.

Aus ihrer Sicht können vor allem die Praxislehrpersonen eine Verbindung zwischen den Systemen Hochschule und Berufspraxis herstellen, „denn sie kennen beide Systeme, sie sind ausgebildet als Praxislehrpersonen und sie können eben als sogenannte „broker“ diese beiden Systeme miteinander verbinden“ und damit das Lernen im Praktikum unterstützen.

„Das Lernen im Praktikum ist sehr vielfältig und hochkomplex. Es ist prozessorientiert, situativ, sozial, subjektiv und stellt einen wichtigen Ausgangspunkt dar für die professionellen Entwicklungsprozesse, die sich selbstverständlich über die gesamte Berufstätigkeit ziehen respektive die gesamte Berufspraxis durchziehen.“

In ihrer empirischen Untersuchung wertete Frau Futter Unterrichtsbesprechungen zwischen Praxislehrpersonen und Studierenden auf deren Anteil von Lerngelegenheiten aus. Dabei sind es vor allem die ko-konstruktiven Dialoge, bei denen sich beide Gesprächspartner aufeinander beziehen und gemeinsam neue Ideen entwickeln, die Studierende in ihrem Lernprozess am meisten unterstützen. Eine lernförderliche Gesprächssituation sei empirisch zudem dadurch gekennzeichnet, dass die Praxislehrpersonen weniger direktiv agieren und eher die Studierenden Themen einbringen. Bei längeren Gesprächen mit einer größeren Anzahl an reflexiven Passagen sind mehr Hinweisstellen auf das Lernen der Studierenden erkennbar. Diese Befunde regten dazu an, die eigene Beratungspraxis dahingehend zu prüfen und sich in diesem Themenfeld fortzubilden.

Abschlussdiskussion „Praxisphasen betreuen, optimieren, vernetzt gestalten“

„Ich glaube das, was wir hier machen, wird in zehn oder zwanzig Jahren selbstverständlich sein. Aber wir sind die Pioniere.“
– Dr. Patrick Blumschein (Zentrum für Lehrerfortbildung PH Freiburg)

Abgerundet wurde die Tagung durch eine Abschlussdiskussion von Vertreter*innen der beteiligten Institutionen mit Dr. Kathrin Futter und Prof. Dr. Sebastian Jünger. Unter der Moderation von Prof. Dr. Lars Holzäpfel (Leitungstandem Praxiskolleg) wurde über den vermeintlichen Graben zwischen Theorie und Praxis diskutiert und wie man diesen als hybriden Raum gestalten kann. Die schulische Sicht brachten die beiden Schulleiter von Hochschulpartnerschulen, Heiko Schrauber (Kreisgymnasium Bad Krozingen) und Joachim Diensberg (Albert-Schweitzer-Schule II Landwasser) mit ein, während Prof. Dr. Ulrich Maneval als Vertreter des Staatlichen Seminars für Didaktik und Lehrerbildung (Gymnasium) seine Einschätzung kundtat. Hochschulseitig diskutierten Sybille Schick (Stabstelle Lehrer*innenbildung, Universität) und Dr. Patrick Blumschein (ZeLF, PH Freiburg) mit. Die Diskutant*innen benannten Gelingendes im Rahmen der Kooperation, zeigten aber auch sehr direkt auf, welche Aufgaben in der Zukunft angepackt werden müssen: Hierbei seien die Ressourcen auch der schulischen Partner zu stärken und begleitende Lehrpersonen (Ausbildungslehrkräfte und Mentor*innen) fortzubilden zentrale Gelingensfaktoren, um für die Professionalisierung Studierender im Praxissemester zu sorgen.

Fazit

Die Veranstaltung bot den rund 200 Teilnehmenden sowohl die Möglichkeit der wissenschaftlich fundierten Weiterbildung im Themenbereich der Praxisphasenbetreuung als auch den Raum der Vernetzung, des Austauschs und der Abstimmung von Positionen zwischen den Institutionen und trug so weiter zu einem engeren Dialog der Community of Practice am Standort Freiburg bei.

– Jana Dornfeld, Ulrike Dreher und Dr. Martina von Gehlen

 

Wie hat der Praxisphasentag gefallen?

Wir haben nachgefragt. Wie hat der Praxisphasentag den Teilnehmer*innen, den Workshop-Leiter*innen, den Nachwuchsforscher*innen des Forschungsforums und den Ausstellern der Berufsverbände gefallen? Lesen Sie hier ihr Feedback.

Feedback der Teilnehmer*innen
Feedback der Workshop-Leiter*innen
Feedback der Nachwuchswissenschaftler*innen
Feedback der Aussteller*innen

Impressionen

 

Ansprechpersonen:

Ulrike Dreher, Dr. Martina von Gehlen, Beate Epting, Prof. Dr. Wolfgang Hochbruck, Prof. Dr. Lars Holzäpfel

Informationsmaterial:

 

 

Austauschforum „Praxis meets Forschung“ 3. Schulnetzwerkveranstaltung

Das Praxiskolleg hat in Kooperation mit der Maßnahme M3 „Inklusion und Heterogenität“ am 07.07.2017 von 14 bis 17 Uhr Schulvertreter*innen aus dem Regierungsbezirk Freiburg und Doktorand*innen der Pädagogischen Hochschule Freiburg (PH) und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg in die PH eingeladen, um gemeinsam über Erfolgsfaktoren von Kooperationen von Schulen mit Forschungsprojekten zu diskutieren.

Für die etwa 25 Teilnehmenden wurde an diesem Nachmittag ein persönlicher Begegnungsraum geschaffen, der es allen Beteiligten ermöglichte, in einen fruchtbaren Austausch über Forschungsprojekte und deren Rahmenbedingungen sowie die Bedürfnisse sowohl der Forschung als auch der Praxis bezüglich einer gelingenden Kooperation zu treten. Aktuelle Forschungsvorhaben, aus unterschiedlichen Bereichen der Bildungs- und Unterrichtsforschung, konnten sich präsentieren.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von den beiden Koordinatorinnen des Praxiskollegs, Ulrike Dreher und Dr. Martina von Gehlen. Frau Dreher erläuterte das Konzept des Austauschforums, in dem es in einem ersten Teil darum gehen sollte, eine Bilanz aus den bisherigen Kooperationen zu ziehen, um daran anschließend in einem zweiten Teil den Blick darauf zu fokussieren, wie die beteiligten Akteure auf Augenhöhe kooperieren können.

Unter dem Titel „Forschungskooperationen konkret“ berichteten zunächst Vertreter*innen von zwei Hochschulpartnerschulen von ihren Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit der Forschung.

Hauke Bestmann, Lehrer am Kreisgymnasium Bad Krozingen, schilderte die Erfahrungen aus den Kooperationen mit unterschiedlichen Fachbereichen der Universität und der PH Freiburg. Dabei hob er den Mehrwert heraus, der aus den Kooperationen für die Schüler*innen entstanden ist, in Form von neuen Lernformaten (Ralley/GPS-Tour), die sich z.B. aus der Kooperation mit Dr. Astrid Carrapatoso vom Seminar für Wissenschaftliche Politik der Universität Freiburg ergaben, aber auch durch den direkten Einblick in die Wissenschaft, den die Schüler*innen z.B. durch das Durchführen von Experteninterviews im Rahmen der Kooperation mit dem Sonderforschungsbereich 948: Helden-Heroisierungen-Heroismen erhielten.

Gabriele Heinel, von der Max-Weber-Schule, gab einen Einblick in die Kooperation bezogen auf das Mentoring. In diesem fächerübergreifenden Programm soll Lehramtsstudierenden ein persönlicher, hierarchiefreier Erfahrungsaustauch mit erfahrenen Lehrer*innen ermöglicht werden. Frau Heinel betonte, dass gerade im informellen Kontakt, der sich aus der unmittelbaren Zusammenarbeit mit den Mentees ergeben hat, ein großes Potenzial liegt.
Im Rahmen der Berichte aus den Hochschulpartnerschulen wurde deutlich, dass mit den Forschungskooperationen, trotz des Zeitaufwands, der mit solchen Vorhaben verbunden ist, ein großer Mehrwert für die Schulen entsteht.

Anschließend stellten Prof. Dr. Katja Scharenberg und Prof. Dr. Andreas Köpfer (beide Pädagogische Hochschule Freiburg) das Kooperationsprojekt FRISBI – Freiburger Inklusive Schulbegleitforschung “ vor, das im Rahmen des Freiburg Advanced Center of Education (FACE) entstand. FRISBI macht es sich zum Ziel, Schulen auf dem Weg zur Inklusion wissenschaftlich zu begleiten und Herausforderungen sowie Erfolgsfaktoren für ein gelingendes Inklusionskonzept gemeinsam mit den Schulen zu analysieren. Frau Scharenberg und Herr Köpfer skizzierten zunächst die zentralen Bausteine und Phasen des Pilotprojekts. Anschließend berichteten Vertreter*innen von drei Kooperationsschulen sowie Studierende, die im Rahmen des FRISBI-Projektes ihre Zulassungsarbeiten zu unterschiedlichen Facetten des Inklusionsprozesses verfassten, von Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr in der Pilotphase. Die Schulen skizzierten, wie sie vom Projekt profitierten, um sich selbst des eigenen Heterogenitätskonzepts bewusst zu werden und nochmals zu reflektieren, wie und unter welchen Umständen Inklusion gelingen kann.

In einem anschließenden Blitzlicht wurde aktuellen Forschungsprojekten Raum gegeben, um sich im Plenum zu präsentieren. Folgende Personen haben ihre Projekte mithilfe von Postern vorgestellt:

Falko Röhrs, Germanistische Linguistik, Universität Freiburg
Falko Röhrs untersucht mithilfe der Gesprächsanalyse, welche konversationellen Praktiken für eine hohe Gesprächskompetenz von Bedeutung sind, um auf Grundlage der Ergebnisse Seminar- und Fortbildungseinheiten zu entwickeln, in denen Lehramtsstudierende ihre Gesprächskompetenz erweitern und reflektieren können. Herr Röhrs bezieht sich in seiner Untersuchung auf schulische Elterngespräche, unabhängig von Schulart und Klassenstufe.

Benjamin Peters, Institut für Mathematische Bildung, Pädagogische Hochschule
Benjamin Peters möchte im Rahmen seiner Arbeit erarbeiten, inwiefern der Prozentstreifen für Schüler*innen ein unterstützendes Modell beim Lösen und Verstehen von Aufgaben ist, in denen mit vermehrtem und vermindertem Grundwert gerechnet wird. Er möchte für seine Untersuchung Schüler*innen der 8. Klasse (WRS, GMS, RS) sowie Lehrer*innen befragen.

Mandy Steinbach, Institut für Psychologie, Pädagogische Hochschule
Mandy Steinbach untersucht, ob Visualisierungen bei der Vermittlung ausgewählter Themenbereiche des Faches Gemeinschaftskunde besser sequenziell, also in Teilschritten, entwickelt oder vollständig präsentiert werden sollen. Das Ziel ist zu erfahren, von welcher Form der Visualisierung die Schüler*innen der gymnasialen Oberstufe mehr profitieren.

Dr. Stephanie Herppich, Institut für Erziehungswissenschaft, Universität Freiburg
In ihrem Forschungsprojekt möchte Dr. Stephanie Herppich gemeinsam mit Dr. Rachel Lam, ETH Zürich, untersuchen, was Lehrpersonen aus Diagnosen von Lernendenarbeiten für die Gestaltung und Durchführung von Gruppenlernphasen erfahren und wie sie dabei unterstützt werden können. Außerdem soll herausgefunden werden, wie sich das Diagnostizieren auf Unterricht und Lernen auswirkt. Die Forschung bezieht sich zunächst auf den Sachunterricht (Umweltbildung) in der Grundschule.

Dr. Elisabeth Wegner, Institut für Erziehungswissenschaft, Universität Freiburg
Dr. Elisabeth Wegner analysiert mithilfe einer bildbasierten Erhebung von Lernüberzeugungen, inwiefern sich diese zwischen den unterschiedlichen Schulformen unterscheiden. Die verschiedenen Überzeugungen über das Lernen werden z.B. mit Hilfe des Impuls „Lernen ist wie…“ erfragt.

Die spannende Blitzlichtrunde mündete direkt in die Vernetzungspause, die es den Anwesenden ermöglichte, mit den einzelnen Projekten vertieft ins Gespräch zu gehen und Kontakte zu knüpfen.

Nach der Pause standen die Bedürfnisse von Schulen und Forschungsprojekten hinsichtlich einer gelingenden Kooperation im Mittelpunkt. In Kleingruppen erarbeiteten die Vertreter*innen der Schule und Forschung sowie das Projekt FRISBI, basierend auf ihren bisherigen Erfahrungen, Faktoren, die zum Gelingen von Kooperationen beitragen, aber auch Faktoren, die hinderlich sind. Davon ausgehend formulierten die Arbeitsgruppen Wünsche an zukünftige Kooperationsprojekte.

In einer anschließenden Präsentation erhielten alle Kleingruppen die Möglichkeit die Ergebnisse der lebhaften Diskussionen vorzutragen und damit Einblicke in die verschiedenen Bedarfe und Abläufe der unterschiedlichen Systeme Schule und Forschung zu bekommen. Schlagworte, die hinsichtlich der Faktoren genannt wurden, die zu einem Gelingen der Kooperation beitragen, waren z.B. Kontinuität, persönliche Kontakte, klare Rahmenbedingungen sowie das Schaffen von Win-Win-Situationen. Idealerweise orientieren sich die Forschungsfragen auch an den Interessen der Schulen und die Ergebnisse werden nachhaltig rückgespiegelt, z.B. in Form von Präsentationen im Kollegium.

Aus den Ergebnissen der Kleingruppenarbeiten werden in den kommenden Wochen Leitlinien für eine gelingende Kooperation zwischen Schule und Forschung formuliert, um eine Arbeitsgrundlage für kommende Forschungskooperationen zu schaffen. Das Praxiskolleg bedankt sich herzlich für die rege Beteiligung und die lebhaften Erfahrungsberichte aus den Forschungskooperationen.

 

Bei Interesse an einer Kooperation mit einem der genannten Projekte, können Sie sich gerne für nähere Informationen an das Praxiskolleg wenden.

Praxisphasentag 2017: „Praxisphasen betreuen, optimieren, vernetzt gestalten“

Ulrike Dreher und Dr. Martina von Gehlen

Am 22.09.2017 richtete das Praxiskolleg in Kooperation mit der Abteilung Fort- und Weiterbildung des FACE (Freiburg Advanced Center of Education) den Praxisphasentag 2017 aus. Die Tagung mit fortbildendem Charakter wurde gemeinsam von Albert-Ludwigs-Universität und Pädagogischer Hochschule veranstaltet. Unter dem Titel Praxisphasen betreuen, optimieren, vernetzt gestalten subsummierten sich zwei wissenschaftliche Hauptvorträge, Austauschforen, Workshops, ein Forschungsforum und eine Abschlussdiskussion. Mit der Veranstaltung wurden alle Personen und Institutionen angesprochen, die Studierende und ReferendarInnen in Praxisphasen betreuen und WissenschaftlerInnen, die sich mit den einzelnen Praxisphasen, deren Begleitung und Gelingensfaktoren beschäftigen. Demzufolge war das Teilnehmerfeld sehr heterogen und spiegelte die Diversität der Community of Practice wider. Lehrkräfte und Schulleitungen aller Schularten, BereichsleiterInnen, FachleiterInnen und Lehrbeauftragte der Staatlichen Seminare für Didaktik und Lehrerbildung (aller Schularten) des Regierungsbezirks Freiburg, Zuständige der Schulämter und des Regierungspräsidiums Freiburg, Dozierende der Universität und der Pädagogischen Hochschulen und WissenschaftlerInnen anderen deutscher und Schweizer Hochschulen nahmen teil, um neue Impulse für ihre Arbeit mit Studierenden und ReferendarInnen und für die Kooperation zwischen den Institutionen zu bekommen.

Das Konzept der Tagung berücksichtige dabei die Kernanliegen der Arbeit des Praxiskollegs: Einerseits wurde die Theorie-Praxis-Verzahnung vor, nach und während der Praxisphasen im Lehramtsstudium fokussiert, andererseits wurde der Dialog zwischen den VertreterInnen der Institutionen, die an der Lehrerbildung beteiligt sind, intensiviert.

Im ersten Hauptvortrag diskutierte Prof. Dr. Tobias Leonhard (Pädagogische Hochschule der FH Nordwestschweiz) die Frage „Lernen für die Praxis als Lernen in zwei Praxen? – Versuch einer theoretischen Neuorientierung schulpraktischer Studien mit praktischen Konsequenzen“. Er stellte dem Konzept der Theorie-Praxis-Vernetzung das Konzept zweier Praxen gegenüber, die sich auf verschiedene Referenzsysteme, nämlich einerseits die Wissenschaft (Wissenschaftspraxis), andererseits die Berufspraxis beziehen.

In Austauschforen boten sowohl das Staatliche Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (SSDL) (Gymnasium) Freiburg, vertreten durch Prof. Dr. Ulrich Maneval, als auch das SSDL (WHRS) Freiburg, vertreten durch Patrick Beuchert, Diskussionsrunden für MentorInnen an, in denen die Aufgabe der Praxisphasenbetreuung durch die beteiligten Institutionen abgeglichen werden konnte. Die ISP-Schulen der Pädagogischen Hochschule wurden von Dr. Jutta Nikel über die Portfolioaufgaben im Praktikum informiert und Prof. Dr. Lars Holzäpfel initiierte einen Austausch zwischen den AusbildungsberaterInnen und den Dozierenden. Übergreifenden Fragen zur Kooperation widmeten sich Prof. Dr. Sebastian Jünger und Dr. Michael Ruloff (FH Nordwestschweiz) in den beiden Workshops Partnerschulen zur Professionsentwicklung im Bildungsraum Nordwestschweiz und Ausbildung gemeinsam verantworten im hybriden Raum. Die Workshops zur Begleitung der Praxisphasen fokussierten Teamteaching (Lea de Zordo, PH Bern), Portfolioarbeit (Dr. Gerd Bräuer, PH Freiburg und Georgia Gödecke, Universität Bremen), bedürfnisorientierte Begleitung (Dr. Benjamin Dreer, Universität Erfurt), Klassenführung (Dr. Patrick Blumschein, PH Freiburg) und Diagnostik (Dipl. Psych. Sabine Peucker, PH Freiburg). In einem Forschungsforum konnten lokale (Nachwuchs-)WissenschaftlerInnen aktuelle Forschungsprojekte und deren Ergebnisse den PraktikerInnen an Postern präsentieren. In intensiven Einzelgesprächen konnten dabei zukünftige Kooperationen angebahnt und vergangene Kooperationen reflektiert werden.

Dr. Kathrin Futter von der Pädagogischen Hochschule Schwyz konnte indes mit dem zweiten Hauptvortrag Gemeinsam über Unterricht sprechen: Aber wie? – Nutzen Lehramtsstudierende Lerngelegenheiten im Gespräch? Welches Unterstützungsverhalten der Praxislehrpersonen hilft ihnen dabei? zum wissenschaftlichen Diskurs der Teilnehmenden beitragen. In ihrer empirischen Untersuchung wertete Frau Futter Unterrichtsnachbesprechungen auf deren Anteil von Lerngelegenheiten aus. Dabei sind es vor allem die ko-konstruktiven Dialoge, die Studierenden am meisten unterstützen. Diese Befunde regten dazu an, die eigene Beratungspraxis dahingehend zu prüfen und sich in diesem Themenfeld fortzubilden.

Abgerundet wurde die Tagung durch eine Abschlussdiskussion von VertreterInnen der beteiligten Institutionen mit Dr. Kathrin Futter und Prof. Dr. Sebastian Jünger. Unter der Moderation von Prof. Dr. Lars Holzäpfel wurde über den vermeintlichen Graben zwischen Theorie und Praxis diskutiert. Die DiskutantInnen benannten Gelingendes im Rahmen der Kooperation, zeigten aber auch sehr direkt auf, welche Aufgaben in der Zukunft angepackt werden müssen: Hierbei seien die Ressourcen auch der schulischen Partner zu stärken und begleitende Lehrpersonen (Ausbildungslehrkräfte und MentorInnen) fortzubilden zentrale Gelingensfaktoren, um für die Professionalisierung Studierender im Praxissemester zu sorgen.

Die Veranstaltung bot den rund 200 Teilnehmenden sowohl die Möglichkeit der wissenschaftlich fundierten Weiterbildung im Themenbereich der Praxisphasenbetreuung als auch den Raum der Vernetzung, des Austauschs und der Abstimmung von Positionen zwischen den Institutionen und trug so weiter zu einem engeren Dialog der Community of Practice am Standort Freiburg bei.

 

Ansprechpersonen:

Ulrike Dreher, Dr. Martina von Gehlen, Beate Epting, Prof. Dr. Wolfgang Hochbruck, Prof. Dr. Lars Holzäpfel

 

Informationsmaterial:

 

 

Hochschulpartnerschule aus Überzeugung: Das Montessori Zentrum ANGELL Gymnasium Freiburg im Interview

Teil 1:
Hochschulpartnerschule aus Überzeugung: Das Montessori Zentrum ANGELL Gymnasium Freiburg kooperiert mit dem Deutschen Seminar der Universität Freiburg

Das Montessori Zentrum ANGELL Gymnasium Freiburg unterzeichnete am 15.05.2017 einen Kooperationsvertrag mit der Pädagogischen Hochschule Freiburg und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Ein guter Zeitpunkt, die Kooperationspartner selbst zu Wort kommen zu lassen: Was sind die Beweggründe für die Hochschulpartnerschaft? Was zeichnet die Kooperation aus? Und welche Erwartungen sind an die Zusammenarbeit geknüpft?

Das Interview führte Dr. Martina von Gehlen vom Praxiskolleg FACE mit folgenden Interviewpartner*innen am 13.07.2017:

  • Alexander Hochsprung, Schulleiter am Gymnasium des Montessori Zentrums ANGELL in Freiburg
  • Annette Schuck, Stellv. Schulleitung des Gymnasiums
  • Ines Gremmelspacher, Deutschfachleiterin, Leiterin der Unterstufen, Partnerin des Kooperationsprojekt Netzwerk Philologie und Schule der Universität Freiburg
  • Stefan Seeber, Universität Freiburg, Dt. Seminar, Germanistische Mediävistik betreut den universitären Teil des Netzwerks

Gehlen: Das Gymnasium des Montessori Zentrums ANGELL hat eine Hochschulpartnerschaft mit der Universität und der PH Freiburg geschlossen. – Warum?

Hochspung: Das Montessori Zentrum ANGELL ist mit seinem Gymnasium im Raum Freiburg ein wichtiger Bestandteil des Bildungssystems. Natürlich ist eine solche Kooperation auch mit einem gewissen Aufwand verbunden. Ich halte es jedoch für sehr wichtig, dass unterschiedliche Bildungseinrichtungen vor Ort an der Passung der Übergänge zwischen Schulen und Hochschulen arbeiten. Zum einen ist die Frage: „Was bringen Schüler mit in die Hochschulen?“ – sie brauchen einen guten Anschluss in die Studienphase. Zum anderen bilden die Hochschulen Lehrerinnen und Lehrer aus, die mit ihren Kenntnissen und Fähigkeiten an die Schule kommen. Und auch da ist – trotz einer fachlich sehr guten Ausbildung durch das Universitätsstudium – nicht automatisch gesichert, dass das die pädagogischen, sozialen und gruppendynamischen Fähigkeiten sind, die wir an der Schule gerne hätten. Mit unserem innovativen Schulprofil, das wir in den letzten Jahren entwickelt haben, können wir uns aktiv in die Berufsausbildung der Lehrer*innen einbringen und die Kooperation bereichern.

Schuck: Dass wir alle Schularten, von der Kita bis zum beruflichen Gymnasium, unter einem Dach vereinigen, macht es für eine Hochschule interessant mit uns zu kooperieren.

Gehlen: Was zeichnet ANGELL als Hochschulpartnerschule aus?

Hochspung: Die Montessoripädagogik hat einen großen Stellenwert bei uns. Durch die ständige Entwicklung und Reflexion des Montessori-Konzepts für die Mittel- und Oberstufe haben wir umfangreiche Kompetenz, Know-how und Erfahrung in diesem Bereich. Die Professoren und Studierenden können sich gerne bei uns mit diesem Konzept auseinandersetzen, es erproben und uns Rückmeldungen geben. Der Erfolg im Alltag gibt uns zwar Recht, aber eine fundierte und systematische Rückmeldung z. B. zur Frage „Was ist wirksam und warum ist es wirksam?“ durch wissenschaftliche Untersuchungen ist uns wichtig.
Darüber hinaus ist uns wichtig, frühzeitig mit Studierenden als potenzielle zukünftige Kolleg*innen in Kontakt zu kommen und ein Netzwerk mit allen Partnern vor Ort aufzubauen.

Gehlen: In welchen Bereichen arbeitet ANGELL bereits mit der Universität und der PH zusammen?

Hochsprung: Die Schnittstellen sind vielfältig: Beispielsweise kommen Referendarkurse regelmäßig zu uns, um bei uns zu hospitieren. An der Universität arbeiten wir auch mit einer Lehrveranstaltung zur Reformpädagogik zusammen, bei dem sich Studentinnen und Studenten über das Montessori-Konzept informieren und dann in der Hochschule darüber berichten. Im Rahmen einer Berufungskommission haben wir auch schon dabei unterstützt, zukünftigen Professor*innen die Möglichkeit zu geben, ihr Können unter Beweis zu stellen.

Wir nutzen auch das Raucherpräventionsangebot der Uniklinik: Die 6. Klassen gehen da geschlossen hin. Das ist dann fest im Programm der Klassen eingeplant und wird nicht über einzelne Lehrer angeboten. Und wir bieten regelmäßig ein Pädagogisches Forum als Vortragsabende an, bei dem wir Referenten von Hochschulen zu schulischen Themen einladen. Dieser Punkt könnte aus meiner Sicht noch ausgebaut werden.

Schuck: Weil es als Naturwissenschaftlerin zentral ist, am Puls der Forschung zu bleiben, haben wir in den letzten Jahren häufig mit dem Bernstein Center der Universität im Bereich der Neurobiologie zusammengearbeitet. Wir haben dort Fortbildungen z. B. zum Thema Nobelpreise besucht, um in der Schule aktuelle Bezüge zu schaffen. Die Inhalte in naturwissenschaftlichen Lehrbüchern sind ja in der Regel älter und es nicht so einfach, an aktuelles wissenschaftliches Material zu kommen, wenn man sich für ein spezielles Thema interessiert. Ich nutze auch den Wissenschaftsmarkt, weil wir in der Nähe sind.

Auch die Unibibliothek ist wertvoll, um wissenschaftlich zu recherchieren. Da gehen wir mit unseren Seminarkursen hin. In den Naturwissenschaften ändert sich ja sehr schnell sehr viel. Da kann man nicht sagen: „Ich habe vor 10 Jahren die Ausbildung gemacht. Und das reicht dann für ein Lehrerdasein“. Sondern eigentlich ist lebenslanges Lernen systemimmanent, weil man in gewissen Intervallen neuen Input braucht. Da wünscht man sich manchmal wieder Studentin zu sein und dazusitzen und zuzuhören und Input zu bekommen.

Wir gehen auch in verschiedene Institute der Universität: Ich war mit den Schülerinnen und Schülern schon in der Biologie und in der Uniklinik in der Krebsforschung. Manche Eltern arbeiten im medizinischen oder biologischen Bereich, daher können wir öfter in Labors gehen.

Vor zwei Jahren waren darüber hinaus Studentinnen hier, die für eine Hausarbeit im Bereich der Psychologie Schüler interviewt haben. Da ist es auch für mich sehr fruchtbar, wenn ich mich mit den Studenten unterhalte und erfahre, was die in ihrer Lehrerausbildung machen. Damit habe ich dann den Eindruck, am Puls der Zeit zu bleiben.

Gehlen: Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit?

Hochsprung: Wir sind grundsätzlich sehr daran interessiert, die Schüler nicht elfenbeinturm-mäßig zu unterrichten, sondern Kontakte nach außen zu pflegen. Wir sind froh, wenn fachliche Expertise von außen dazu kommt. Wir arbeiten möglichst mit konzeptuellen Implementierungen. Es sollten daher Angebote sein, die sich in das Curriculum integrieren lassen. Deshalb haben wir Interesse an längerfristigen Kooperationen.

Gehlen: Wie sind Ihre Erwartungen an die Hochschulpartnerschaft?

Hochsprung: Meine Hoffnung ist, dass sich aus der Kooperation Projekte entwickeln, die wir fachlich nutzen können. Und ich hoffe, dass wir die Kooperation für eine wissenschaftliche Begleitung nutzen können. Zum kommenden Schuljahr entwickeln wir unser Konzept ab der Klasse 9 weiter – wir möchten damit die Qualität steigern. Es wäre interessant, diese Umstellung wissenschaftlich zu begleiten.

Schuck: In der Partnerschaft erhält man früher Informationen, das ist etwas, was mir in der Partnerschaft nun schon aufgefallen ist. Das ist für mich sehr wertvoll, wenn ich es frühzeitiger erfahre als in der Tagespresse. Die Fortbildungen für den Herbst schon vor den Sommerferien zu erhalten, war für mich sehr wertvoll. Da kann man die Angebote gut in die eigenen Planungen einfließen lassen. Ein Exzerpt mit Angeboten der Hochschulen für die Schulen wäre für uns auch sehr hilfreich.

 

Lesen Sie hier den zweiten Teil des Interviews mit Fokus auf die Kooperation zwischen Montessori Zentrum ANGELL Gymnasium und Universität Freiburg im „Netzwerk Philologie und Schule“.

 

Übergangsspezifische Professionalisierung in den Phasen der Lehrerbildung

3. Dialogveranstaltung „Community of Practice“ (CoP) in Kooperation mit dem Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (WHRS) Freiburg

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Die „Community of Practice“ der Freiburger Lehrerbildung traf sich zur dritten Dialogveranstaltung.

Am 26.06.2017 lud das Staatliche Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (WHRS) in Kooperation mit dem Praxiskolleg zur 3. Dialogveranstaltung „Community of Practice“ (CoP) in die Eisenbahnstraße in Freiburg ein.

Nach der Eröffnung durch Frau Dreher und Frau Dr. von Gehlen vom Praxiskolleg stellte Herr Dr. Graf (Seminarschuldirektor und stellvertretender Leiter) den rund 40 Teilnehmer*innen der Veranstaltung die Aufgabenfelder des Seminars vor, dessen Schwerpunkt in der Professionalisierung und Ausbildung der angehenden Lehrerinnen und Lehrer im Vorbereitungsdienst bzw. Referendariat liegen.

Frau apl. Prof. Dr. Denner (PH Karlsruhe, Institut für Schul- und Unterrichtsentwicklung in der Primar- und Sekundarstufe) stellte im anschließenden Impulsvortrag aktuelle Forschungsergebnisse zur „Übergangsspezifischen Professionalisierung von Lehrkräften“ vor, die curriculare und didaktische Aspekte umfassten. Sie bezeichnet die Lehrerbildung als übergangsspezifisches Langzeitprojekt. Dabei erläuterte sie einen multifaktoriellen Erklärungsansatz zu den Übergängen, der es den Teilnehmer*innen ermöglicht die verschiedenen Ebenen, die bei Übergängen eine Rolle spielen, zu identifizieren und zu berücksichtigen. Überdies thematisierte sie die Identifikation von Professionalisierungsprozessen und wie mit Hilfe des Reflexionszyklus Übergänge in Praxisphasen analysiert werden können. Des Weiteren wurden Faktoren und Mechanismen beschrieben, die bei Übergängen greifen.

Im Anschluss tauschten sich die Vertreter*innen der verschiedenen Institutionen in Kleingruppen über die Anforderungen der Übergangsgestaltung aus.

Austausch der Teilnehmer*innen in Kleingruppen.

In der Diskussion trat der Wunsch nach einer stärkeren Verzahnung der ersten Phase der Lehrerbildung an der PH und der zweiten Phase des Referendariats, das in den Seminaren und Schulen stattfindet, zutage. Eine systematische Zusammenarbeit der Institutionen hätte das Potenzial einer bedeutenden Qualitätssteigerung der Ausbildung durch die Abstimmung der jeweils vermittelten Inhalte. Durch eine engere Zusammenarbeit zwischen den betreuenden Dozierenden, Mentor*innen, Lehrer*innen und Seminarlehrbeauftragten könnte die Qualität im Praktikum gesteigert und eine gemeinsame kohärente Begleitung geschaffen werden. In Arbeitskreisen könnte der Austausch auch über die inhaltliche Bedeutung der zentralen Begriffe weiter gefördert werden, um eine enge Theorie- und Praxisverzahnung zu gewährleisten. Hierbei gilt es abzugleichen, von welchen Standpunkten ausgegangen wird. Sprechen wir von „Lernzielen“ oder doch von „Kompetenzorientierung“? Herr Prof. Dr. Holzäpfel ergänzte, dass von Uni-/PH-Seite aus viel Interaktion mit den Lehrpersonen stattfinden müsse, da ein kohärentes Bild nur mit einer gewissen gleichen Haltung und Orientierung gelingen könne – nur dann kann ein guter Übergang gewährleistet werden. Die Rolle der Mentor*innen wurde als Schlüsselfunktion in der Begleitung der Studierenden und Referendar*innen herausgearbeitet, dabei wurde von allen Seiten eine kontinuierliche (Weiter-)Qualifikation als wichtig hervorgehoben. Hierfür sollten die Synergien genutzt werden, die die beteiligten Institutionen im Qualifikationssektor befördern.

Dokumentation und Präsentation der Diskussionsergebnisse.

Eine zeitnahe Möglichkeit zur Professionalisierung im Bereich der Praxisphasenbetreuung besteht bereits am 22.09.2017 bei der Praxisphasentagung. Das Praxiskolleg bietet in dieser Veranstaltung neben zwei Impulsvorträgen praxisorientierte Workshops und Austauschforen zwischen den Institutionen an. (Weitere Informationen und die Anmeldung finden Sie hier.)

Die Community-of-Practice-Veranstaltung trug einmal mehr zur Verständigung zwischen den Institutionen der Lehrerbildung bei. Durch das Aufgreifen der Übergangsthematik konnten Optimierungspotentiale in der Kooperation erarbeitet werden, was langfristig zu einer weiteren Qualitätsentwicklung der Lehrerbildung in der 1. und 2. Phase beiträgt.

(Dr. Martina von Gehlen, Ulrike Dreher, Mirjam Emmering)

 

Hier finden Sie die Berichte zu den vorherigen Dialogveranstaltungen:

„Community of Practice der Lehrerbildung“ im Dialog
Zweite Dialogveranstaltung „Community of Practice in der Lehrerbildung“

Online-Kurs für Lehrende des neuen Schulfachs „WBS – Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung“ entwickelt

An den allgemeinbildenden Schulen Baden-Württembergs beginnt ab dem Schuljahr 2017/18 der Unterricht in dem neuen Schulfach „WBS – Wirtschaft / Berufs- und Studienorientierung“. Um die Lehrerinnen und Lehrer optimal auf den Unterricht vorzubereiten, hat das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport bei Prof. Dr. Franziska Birke (PH Freiburg & FACE) und Prof. Dr. Tim Krieger (Universität Freiburg & FACE) eine Fortbildungsmaßnahme in Form eines „bMOOC“ (blended massive open online course) in Auftrag gegeben, dessen erstes Themenfeld „Markt und Preisbildung“ ab sofort vollständig zur Verfügung steht.

M5 WBS_Screenshot

 

Der bMOOC kombiniert in einem Blended-Learning-Ansatz Erklärvideos mit Fortbildungen in allen Schulamtsbezirken des Landes. Pro Jahr werden in Form einer mehrwöchigen MOOC-Sequenz ökonomische Grundlagen und Inhalte bereitgestellt. Jede Sequenz besteht neben den Erklärvideos aus interaktiven Verständnisfragen, Literaturhinweisen, Unterrichtsbeispielen und weiteren Materialien. Diese eher fachwissenschaftlichen Materialien werden dann in einem nächsten Schritt in Fortbildungen von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus den verschiedenen Schulämtern aus fachdidaktischer und unterrichtspraktischer Sicht weiter vertieft, sodass die teilnehmenden Lehrerinnen und Lehrer unterschiedliche, für ihren Unterricht relevante Perspektiven auf das Fach WBS erhalten.

Die Erklärvideos werden allen Interessierten von der Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen in Baden-Württemberg kostenlos zur Verfügung gestellt. Lediglich eine unkomplizierte Anmeldung unter der folgenden Webadresse ist für den Zugriff auf die Videos erforderlich:

https://mooc.lehrerfortbildung-bw.de/kurse/wirtschaft-berufs-und-studienorientierung-wbs/

Ab dem Herbst 2017 werden weitere MOOC-Sequenzen und Fortbildungen folgen, die andere Schwerpunktthemen des Fachs WBS beleuchten. Die geplanten Themen sind: „Wirtschaftsordnung & Wirtschaftsethik“, „Ökonomie & nachhaltige Entwicklung“ sowie „Betriebswirtschaftliche Grundlagen“.

 

Hintergrund und weitere Informationen

Das Schulfach „WBS – Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung“ wurde vom Land Baden-Württemberg mit dem Bildungsplan 2016 in allen weiterführenden Schularten eingeführt. Durch das Fach sollen die ökonomische Bildung der Schüler*innen und deren Berufs- und Studienorientierungsprozess gefördert werden.

Weitere Informationen:

Eine besondere Lehr- und Lernkooperation – Walter-Eucken-Gymnasium als fünfte Hochschulpartnerschule

Seit Freitag, 5. Mai 2017, ist das Walter-Eucken-Gymnasium offiziell Hochschulpartnerschule des Freiburg Advanced Center of Education (FACE). Dies wurde mit der feierlichen Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung zwischen dem Walter-Eucken-Gymnasium, der Pädagogischen Hochschule Freiburg und der Albert-Ludwigs-Universität besiegelt.

Kooperationspartner bei der Vertragsunterzeichnung: Dr. Martina von Gehlen, Albert-Ludwigs-Universität; Prof. Dr. Lars Holzäpfel, Pädagogische Hochschule Freiburg; Claudia Feierling, Schulleiterin Walter-Eucken-Gymnasium (v.l.n.r.)

Kooperationspartner bei der Vertragsunterzeichnung: Dr. Martina von Gehlen, Albert-Ludwigs-Universität; Prof. Dr. Lars Holzäpfel, Pädagogische Hochschule Freiburg; Claudia Feierling, Schulleiterin Walter-Eucken-Gymnasium (v.l.n.r.)

 

Das WEG ist bereits im Bereich der Mathematikdidaktik sehr aktiv. So gibt es momentan ein Projekt effektiver Matheerklärungen in Form von „Lernen mit Visualisierungen“ in der Klassenstufe 11 unter Mitwirkung von Prof. Dr. Lars Holzäpfel und Prof. Dr. Anika Dreher von der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Prof. Dr. Lars Holzäpfel betont, dass alle von der engen Theorie-Praxis-Vernetzung profitieren und konstatiert: „Wir erhoffen uns, dass das, was aus der Forschung bekannt ist, zu einem nachhaltigen Lernen führt.“

Auch Claudia Feierling, Schulleiterin des WEG, sieht diese besondere Lehr- und Lernkooperation sehr positiv und hebt die fruchtbare Zusammenarbeit hervor: „Seit vielen Jahren sind wir Partner hinsichtlich von Schulpraktika, d.h. viele Studierende absolvieren ihre Praktika am WEG. Die Unterzeichnung des Vertrages besiegelt diese Partnerschaft und weist den Weg für eine weitere Zusammenarbeit in der Zukunft.“

Das Konzept der Hochschulpartnerschulen wurde im Rahmen von FACE entwickelt, um diese auf Augenhöhe in Forschungsprojekte und Lehrkooperationen einzubinden. Neben dem WEG gibt es bereits vier Hochschulpartnerschulen: die Max-Weber-Schule Freiburg, das Kreisgymnasium Bad Krozingen, die Emil-Thoma-Realschule Freiburg und die Albert-Schweitzer-Schule II Werkrealschule.

 

Für weitere Informationen:

Bericht der Badischen Zeitung

Bericht im Online-Magazin der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

 

Berichte zu den weiteren Hochschulpartnerschulen:

Lehrerbildung verbessern durch Kooperation – weitere Verträge mit Partnerschulen unterschrieben

Kreisgymnasium Bad Krozingen ist Hochschulpartnerschule

Erster Vertrag mit Hochschulpartnerschule unterzeichnet

Zweite Dialogveranstaltung „Community of Practice in der Lehrerbildung“

Das Praxiskolleg des FACE lud am 28. November 2016 in Kooperation mit dem Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (Abteilungen Gymnasien und Sonderpädagogik) Freiburg Akteurinnen und Akteure der Lehrerbildung zur zweiten Dialogveranstaltung „Community of Practice“ im Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung ein.

Prof. Georg Gnandt, Leiter der Abteilung Gymnasien im Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Freiburg

Prof. Georg Gnandt, Leiter der Abteilung Gymnasien im Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Freiburg

Manfred Burghardt, Leiter der Abteilung Sonderpädagogik im Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Freiburg

Manfred Burghardt, Leiter der Abteilung Sonderpädagogik im Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Freiburg

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Einführend stellten Prof. Gnandt, als Leiter der Abteilung Gymnasien, und Herr StD Burghardt, als Leiter der Abteilung Sonderpädagogik, die Institutionen der staatlichen Seminare, ihre Arbeitsbereiche und Aktivitäten vor. Das Seminar Freiburg ist mit über 250 Ausbildungsschulen der größte Standort in der Ausbildung junger Lehrkräfte in Baden-Württemberg. Die Herausbildung der „Lehrerpersönlichkeit“ bei Referendarinnen und Referendaren ist eine besondere Zielsetzung des Seminars. Wesentliche Aufgabe des Seminars ist es daher, diese in der Entwicklung ihrer berufsbezogenen, personalen und sozialen Kompetenzen zu unterstützen. Im Anschluss fuhr Herr StD Burghardt von der Abteilung Sonderpädagogik fort. Die Abteilung Sonderpädagogik bildet Lehrkräfte für die Erziehung und Bildung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot aus. Aufgrund der verschiedenen Herausforderungen in diesem Tätigkeitsbereich, sollen in Zukunft die verschiedenen Bedarfe bei Lehramtsanwärterinnen und -anwärtern noch besser erfasst und deren Ausbildung noch stärker individualisiert werden. Der derzeitige große Mangel an Sonderpädagoginnen und -pädagogen im Schulsystem sowie steigende Zahlen von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf stellen eine Herausforderung für das Seminar dar. In überfachlichen Modulen der Abteilungen Gymnasien und Sonderpädagogik, die für alle Lehramtsanwärterinnen und -anwärter geöffnet sind, wird es Referendarinnen und Referendaren ermöglicht, über den Tellerrand zu schauen und das Lehramt in Querdimensionen zu erfassen.

Referendarinnen berichten aus der Praxis

Referendarinnen berichten aus der Praxis

Zwei ehemalige Referendarinnen berichteten anschließend über ihre Erfahrungen im Rahmen ihrer Ausbildung. Beide stellten heraus, dass die Möglichkeit des ‚learning-by-doing’ bei zielgerichteter Führung durch Mentorinnen und Mentoren besonders wertvoll gewesen ist. Dennoch wünschten sie sich eine stärkere Vernetzung von Theorie und Praxis im Hinblick auf die Gestaltung des Unterrichtsstoffs. So könnten in den Ausbildungsmodulen eine noch intensivere Unterstützung für die Lehrerpersönlichkeitsentwicklung, die Rolle der Lehrkraft als Organisator sowie Fortbildungen für die Arbeit an Gemeinschaftsschulen noch stärker in den Vordergrund treten.

In der darauf folgenden gestuften Gruppenarbeit wurde zunächst in Zweiergruppen diskursiv die Sichtweise der jeweiligen Institutionen auf die Ausbildung der Lehrkräfte im Abgleich mit dem Seminar erörtert. Im zweiten Schritt diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer institutionsgemischt die Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Anschließend stellten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die diskutierten Themenfelder im Plenum vor. Der Wunsch nach einer glückenden Theorie-Praxis-Vernetzung, die Nutzung vorhandener Fachdidaktik-Standards für ein einheitlicheres Leitbild in der Ausbildung sowie die Festlegung und Klärung inhaltlicher Terminologien standen dabei besonders im Vordergrund.

Diskursiver Dialog der Akteurinnen und Akteure der Lehrerbildung zur Theorie-Praxis-Vernetzung

Diskursiver Dialog der Akteurinnen und Akteure der Lehrerbildung zur Theorie-Praxis-Vernetzung

Diskursiver Dialog der Akteurinnen und Akteure der Lehrerbildung zur Theorie-Praxis-Vernetzung

Diskursiver Dialog der Akteurinnen und Akteure der Lehrerbildung zur Theorie-Praxis-Vernetzung

Diskursiver Dialog der Akteurinnen und Akteure der Lehrerbildung zur Theorie-Praxis-Vernetzung

Diskursiver Dialog der Akteurinnen und Akteure der Lehrerbildung zur Theorie-Praxis-Vernetzung

 

Die nächste Dialogveranstaltung findet am 26.06.2017 statt und wird vom Praxiskolleg in Kooperation mit dem Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (WHRS) Freiburg veranstaltet.

Ausbildungsberaterinnen und -berater im Dialog mit Hochschule und betreuenden Dozierenden des Semesterpraktikums

Die Zusammenarbeit und der Austausch zwischen der Pädagogischen Hochschule und den Ausbildungsberaterinnen und -berater der Studierenden innerhalb ihres Semesterpraktikums sind essentiell für ein gelingendes Praxiserfahren der Studierenden.
Am 10.03.2017 wurde ein Gesamttreffen der Ausbildungsberaterinnen und -berater der Pädagogischen Hochschule vom Zentrum für Schulpraktische Studien der PH (kurz: ZfS) in Kooperation mit dem Praxiskolleg ausgerichtet.

Nach der Begrüßung durch den Rektor der Pädagogischen Hochschule, Prof. Dr. Ulrich Druwe, hob der Leiter des ZfS, Prof. Dr. Lars Holzäpfel, die Bedeutung des Semesterpraktikums für die Studierenden vor und bedankte sich für die hervorragende Arbeit der Ausbildungsbeteiligten an den Schulen.

Thomas Kanstinger, stellvertretender Amtsleiter des Staatlichen Schulamts Freiburg, begrüßt die Zusammenarbeit zwischen dem Schulamt und der PH im Rahmen der Ausbildung der Ausbildungsberaterinnen und -berater und unterstreicht die Wichtigkeit der kontinuierlichen Weiterqualifizierung dieser Personengruppe. Um eine systematische Weiterqualifizierung gewährleisten zu können, hat das ZfS um Dr. Jutta Nikel, Geschäftsführerin des ZfS, das Weiterqualifizierungskonzept „Praxisphasenbetreuung PLUS (PraBe+)“ entwickelt. Dieses Konzept wurde bei der Veranstaltung vorgestellt und richtet sich adressatenspezifisch an Ausbildungsberaterinnen und -berater sowie Ausbildungslehrkräfte. Es bietet vielfältige Fortbildungsformate an. Vorgesehen sind hierbei Gesamttreffen der Ausbildungsberaterinnen und -berater an der PH in jedem Semester, Fortbildungen in grundlegenden Bereichen wie ‚Organisieren und Koordinieren von Schulpraktika‘ oder ‚Beratungskompetenz sowie das Erstellen eines „schulischen Ausbildungskonzepts“ und das Lernen in offenen Formaten(z.B. kollegiale Hospitation).

Die Möglichkeit, dass Qualifizierungsleistungen von einzelnen Personen in ein Zertifikat zur „Begleitung von Professionalisierungsprozessen in der Lehramtsausbildung“ einfließen können, sieht  Herr Kanstinger als äußert positiv für den Weiterbildungsbereich. Die Kooperation kann im Zuge dessen noch intensiver zwischen dem Staatlichen Schulamt Freiburg, dem ZELF (Zentrum für Lehrerfortbildung Freiburg), dem ZfS und den ISP-Schulen stattfinden.

Im Anschluss berichtete Christine Menzer, akad. Mitarbeiterin des ZfS, über aktuelle Evaluationsergebnisse der jedes Semester stattfindenden Befragung unter den ISP-Studierenden. Hierbei wird insgesamt eine hohe Zufriedenheit der Studierenden mit dem ISP festgestellt. Die Zufriedenheit wird u.a. auf die gute Betreuung an den Schulen und auf die Möglichkeit Praxiserfahrungen  (v.a. hinsichtlich des Unterrichtens) zu sammeln, zurückgeführt. Als eher schwierig schätzen die Studierenden die Theorie-Praxis-Verknüpfung innerhalb ihres Praxissemesters an. Um in genau diesem Bereich eine Verbesserung zu erreichen, ist eine noch intensivere Zusammenarbeit zwischen den Ausbildungsbeteiligten an Schule und Hochschule notwendig. Hierfür ist u.a. vorgesehen, dass Ausbildungsberaterinnen und -berater detaillierter darüber informiert werden, was bisherige fachliche Inhalte im Studium waren und was in den Begleitseminaren zum Praxissemester mit den Studierenden fokussiert wird.

Im vergangenen Jahr wurden bezüglich einer besseren Theorie-Praxis-Verknüpfung und einer optimierten Kooperation zwischen den Schulen und der PH zwei Arbeitskreise eingerichtet. Diese stellten Ihren Arbeitsstand vor und luden jeweils zur Diskussion ein.

Nach einer kurzen inhaltlichen Einführung durch Frau Menzer, kam der Arbeitskreis „Schulisches Ausbildungskonzept“ zu Wort, der sich aus einer kleinen Gruppe freiwilliger  Ausbildungsberaterinnen und -berater unterschiedlicher Schulformen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ZfS zusammensetzt. Stellvertretend für die Gesamtgruppe äußerten sich sieben Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu ihren Erfahrungen mit der Verschriftlichung ihres schulischen Ausbildungskonzepts auf der Basis einer gemeinsam erarbeiteten Gliederung. Sie betonten die Chancen, die diese Arbeit bietet und setzten sich auch kritisch mit den Herausforderungen des Prozesses auseinander. Vorteile werden in der jetzt möglichen Transparenz und Vergleichbarkeit gesehen, wie auch im Dialog mit den anderen Mitgliedern des Arbeitskreises. Ebenso konnte Klarheit geschafft werden, welche weiteren Potenziale entwickelt werden können. Mehrfach hervorgehoben wurde zudem, dass die Dokumentation schulischer Praktiken mehr Verbindlichkeit schafft und zu einer Art Selbstverpflichtung führen kann. Dennoch sei es durchaus herausfordernd gewesen, sich zu den einzelnen Punkten Gedanken zu machen, sich die Zeit zu nehmen und alleine zu formulieren. Als besonders schwierig wurde das Finden von Möglichkeiten zum Theorie-Praxis-Bezug gesehen. Im Allgemeinen sind die Erfahrungen des Arbeitskreises mit der Verschriftlichung durch weg positiv. Eine anschließende Diskussion mit dem Plenum bot die Möglichkeit für Rückfragen und Kommentare der Kolleginnen und Kollegen.

Nach einer kurzen Kaffeepause wurde der Arbeitskreis „ISP-Begleitung Dozierende“ von Ulrike Dreher, akadem. Mitarbeiterin des ZfS und Praxiskolleg (FACE), vorgestellt. Das Grundanliegen dieses Arbeitskreises ist in erster Linie die Verschriftlichung von Kernelementen der Begleitseminare, um eine größere Transparenz für die Kooperation mit den Schulen im Semesterpraktikum herzustellen. Der Wunsch nach einem intensiveren Austausch erfolgt sowohl von Seiten der ISP-Schulen, als auch von Seiten der PH. Zunächst arbeiten fünf Pilotfächer (Geographie, Chemie, Deutsch, Geschichte, Mathematik) eine Struktur aus, wie die Inhalte der Begleitseminare für die Ausbildungsberaterinnen und -berater sowie Ausbildungslehrkräfte aufbereitet werden können. In einem zweiten Schritt werden dann alle Fächer in die Arbeit des Arbeitskreises mit eingebunden.
Die anwesenden Fachvertreterinnen und -vertreter, Barbara Hanke (Geschichte), Reinhold Haug (Mathematik) und Michael Müller (Geographie), konnten die Gespräche mit den Ausbildungsberaterinnen und -berater im Rahmen einer Austauschphase sehr gut nutzen, um abzufragen, welche Austauschformate und Inhalte die Schulen benötigen, um auch ihrerseits die Studierenden bei einer gelingenden Theorie-Praxis-Verknüpfung zu unterstützen. Ergebnisse dieser Gespräche können im Anschluss in die weitere Arbeit der Dozierenden im Arbeitskreis einfließen. Der direkte Austausch zwischen allen Beteiligten wurde als sehr sinnvoll und anregend empfunden.
Abschließend stellte das Praxiskolleg (FACE), vertreten durch Ulrike Dreher und Dr. Martina von Gehlen, seine Arbeit vor. Innerhalb der angestrebten Kohärenz zwischen Theorie und Praxis in allen drei Phasen der Lehrerbildung, wird auf die Möglichkeit verwiesen, zu einer Hochschulpartnerschule zu werden bzw. die Hochschulpartnerschaft auf mehrere Felder auszuweiten. Da die ISP-Schulen schon sehr intensiv auf dem Feld der Praxisphasenbetreuung mit der Hochschule kooperieren, können sie direkt den Status Hochschulpartnerschule erwerben. Über die Möglichkeiten, wie das Signet und die inhaltliche Beschreibung auf der Schulhomepage eingepflegt werden kann, informierten Frau Dreher und Frau von Gehlen. Die Kooperation eröffnet Lehrkräften an der Hochschulpartnerschule den Zugang zu aktuellen Forschungsergebnissen, Informationen zu Ausbildungsinhalten sowie zu Fort- und Weiterbildungsangeboten. Hierzu können weitere Informationen über die Homepage des Praxiskollegs abgerufen werden.
Weitere anstehende Veranstaltungstermine sind zudem über hier  vorzufinden. Besonders wird auf die Tagung zu der Praxisphasenbetreuung in der Lehrerbildung am 22.09.2017 an der Pädagogischen Hochschule hingewiesen. Hierzu werden gerne auch Wünsche und Anregungen entgegengenommen, damit diese Veranstaltung für alle Teilnehmenden so interessensorientiert wie nur möglich gestaltet werden kann. Diesbezüglich wird auch ein paritätisch besetzter Planungsausschuss initiiert, der sich am 03.04.2017 trifft.

Das Gesamttreffen der Ausbildungsberaterinnen und -berater eröffnet erneut weitere Perspektiven zur Intensivierung der Theorie-Praxis-Verzahnung in den Praxisphasen von Lehramtsstudierenden. Der direkte Austausch zwischen allen Beteiligten, die Lehramtsstudierende im Semesterpraktikum betreuen ist eine wertvolle Unterstützung in dieser Arbeit.

Ringvorlesung mit Prof. Dr. Pant: Hattie für die Praxis? – Sinn und Unsinn von Metastudien aus Sicht der Bildungsforschung

Prof. Dr. Hans Anand Pants Vortrag „Hattie für die Praxis? – Sinn und Unsinn von Metastudien aus Sicht der Bildungsforschung“ am 09. Februar 2017 bildete den Abschluss der Ringvorlesung „Lehr- und Lernperspektiven – Impulse aus der Forschung für Schule und Unterricht“. Nach einem Vorwort von Prof. Dr. Wolfgang Hochbruck, ergriff Prof. Dr. Hans Anand Pant von der Humboldt Universität Berlin das Wort und gewann durch seine unterhaltsame Vortragsweise sogleich die volle Aufmerksamkeit der rund 130 Zuhörerinnen und Zuhörer im Saal – trotz kleiner Exkurse in die von manchen wenig geliebte Statistik.

Im Vordergrund des Vortrags stand das Buch „Visible Learning“ des neuseeländischen Pädagogen Prof. John Hattie, indem er zahlreiche Studien in einer Metaanalyse dahingegen ausgewertet hat, was guter Unterricht ist und welche Unterrichtsmethoden den größten Lernerfolg erzielen. Das Buch machte Hattie zu einem weltweit bekannten Bildungswissenschaftler. Auch Deutschland entwickle sich gerade, laut Prof. Dr. Pant, zum „Groupie-Land Nummer 1“. Es erscheine auch zu schön, um wahr zu sein: durch Hatties „Erfolgsbarometer“ ließe sich direkt ablesen, welche Unterrichtsmaßnahme am besten wirkt. In der Bildungspolitik werde dies dankend angenommen, nachdem Schulreformen, die ohne theoretische Befunde eingeführt wurden, nicht die gewünschten Wirkungen erzielten. Hatties Buch und weitere Studien, wie beispielsweise PISA und IGLU, führten zu einer Kehrtwende in der Bildungspolitik, weg von Schulreformen, hin zu Lehrerbildung und Unterrichtsgestaltung.

Prof. Dr. Pant stellte zunächst die unterschiedlichen wissenschaftlichen Vorgehensweisen bei Metaanalysen vor, beispielsweise wie man entscheidet, welche Studien für die Metaanalyse zugelassen werden und welche nicht. Es sei wichtig zu beachten, dass erstens die methodischen Qualitätskriterien erfasst und zweitens die Bedingungen analysiert werden, die zu einer Vielfalt der Ergebnisse der Studien führen. Prof. Dr. Pant zufolge hat Hattie dies in seiner Metaanalyse jedoch nicht nach dem Stand der Kunst umgesetzt. So komme es, dass beispielsweise offene Lernformen in Hatties „Erfolgsbarometer“ nicht gut abschneiden, aber stark lehrerzentrierte Lernformen, wie die „direkte Instruktion“, als wirksam gelten. Demnach sei die Aussagekraft von Hatties Metaanalyse sehr „wacklig“ – und dennoch  basieren darauf nun weltweit politische Entscheidungen und Schulentwicklungsprogramme! So sind beispielsweise im Bundesstaat Victoria in Australien sogenannte „Hattie-Schulen“ entstanden oder online Plattformen wie „What Works Clearinghouse“. Das Schulnetzwerk „Hattie-Schulen“ ist sehr erfolgreich, es herrscht eine hohe Teamkooperation unter den Lehrkräften, allerdings erleben die Schülerinnen und Schüler kaum Mitwirkungsmöglichkeiten bei den Lerninhalten.

Die Ergebnisse von Hatties Metaanalyse sollten also nicht unkritisch hingenommen werden. Doch natürlich sind Hatties Befunde nicht grundlegend unzutreffend. Mit Hatties Grundaussagen – dass es auf die Lehrkraft ankommt, Schülerfeedback wichtig ist und eine reziproke Perspektivübernahme entscheidend ist für den Lernerfolg – stimmt Prof. Dr. Pant überein. Er sieht Hatties Aussagen als eine reflexive Anregung und vertritt den Standpunkt, dass bei Reformen in der Lehrerbildung nur ein ko-konstruktiver Ansatz sinnvoll ist, um die Wissenschaft für die Praxis dienlich zu machen.

In der abschließenden Diskussion wurde deutlich, dass Prof. Dr. Pants Kritik an Hatties Buch „Visible Learning“ für manche Zuhörerinnen und Zuhörer überraschend kam. Es wurden Fragen gestellt, beispielsweise wie es überhaupt zur Veröffentlichung kommen konnte, warum es so großen Anklang fand oder worauf man sich nun in der Prüfung im Staatsexamen beziehen könne, wenn Hattie als Quelle nun ausscheide.

Insgesamt stellte die Ringvorlesungsreihe „Lehr- und Lernperspektiven – Impulse aus der Forschung für Schule und Unterricht“ einen vollen Erfolg dar. Es gab viele interessante Vorträge und anschließenden Diskussionen über aktuelle Ergebnisse aus der Schul- und Unterrichtsforschung mit guten Ansätzen für die Praxis. Wir freuen uns, dass die Ringvorlesungen voraussichtlich wieder stattfinden werden.

 

Die Präsentation kann bei Prof. Dr. Pants angefragt werden.