Archiv der Kategorie: Veranstaltungen

Berichte zu von FACE initiierten (vergangenen) Veranstaltungen aller Handlungsfelder

Pfarrer Gerhard Ziener: Bildungsstandards, Kompetenzen und Kompetenzorientierung: Alter Wein in neuen Schläuchen?

Der zweite Vortrag der erfolgreichen Ringvorlesungsreihe des Freiburger Advanced Center of Education (FACE) stand ganz im Zeichen der Kompetenzorientierung, die insbesondere durch den neuen Bildungsplan von 2016 wieder verstärkt in den Vordergrund der Diskussion um schulisches Lehren und Handeln gerückt wurde.

Tatsächlich ergibt sich, so Herr Ziener, für Lehrkräfte einerseits eine Fülle an Anforderungen, die eine gelungene Förderung des Kompetenzerwerbs bei Schülerinnen und Schülern scheinbar zur Mammut-Aufgabe werden lassen. Auf der anderen Seite erfährt der zunehmend inflationär gebrauchte Kompetenzbegriff gesellschaftlich eher eine kritische Beurteilung, führte Herr Ziener aus.

Pfarrer Dozent Gerhard Ziener, der Theologe und zugleich in der Lehrkräfteausbildung tätig ist, begegnete den eher kritischen Stimmen mit seinem Vortrag „Bildungsstandards, Kompetenzen und Kompetenzorientierung: Alter Wein in neuen Schläuchen?“ durch einen neuen Erklärungsansatz: Mit dem Vorhaben, die Anforderungen der Kompetenzorientierung in ein neues Licht zu rücken, widerlegte Gerhard Ziener zunächst das Vorurteil, dass ein kompetenzorientierter Ansatz in Schule und Unterricht unweigerlich zu einer Vernachlässigung von Bildungsprozessen führe. Die Normierung von Bildungszielen und Kompetenzorientierung ließen sich, wie der erfahrene Pädagoge betonte, durchaus „unter einen Hut bringen“, ohne dass altbewährte Unterrichtsmethoden und Lernziele in ihrer Bedeutung für einen erfolgreichen Unterricht vermindert würden.

Die Kompetenzen, die bei Schülerinnen und Schülern in erfolgreichen Unterrichtseinheiten gefördert werden sollten, basieren laut Gerhard Ziener vielmehr auf der Bildung und Förderung eines vernetzten Wissens bei den Lernenden. Durch vernetztes Wissen erfolge eine gelungene Verschränkung von Wissen, Sachkenntnis und Verständnis bei den Lernenden, die zugleich mit der praktischen Anwendbarkeit des Wissens einhergehe. An zweckmäßigen Aufgabenstellungen ließe sich dabei leicht kontrollieren, ob das Verständnis tatsächlich vorhanden sei. Kompetenzorientiertes Unterrichten bedeute in dieser Angelegenheit, dass schulische Instruktionen immer eine für die Schülerinnen und Schüler nachvollziehbare Handlungsorientierung aufwiesen. Diese Instruktionen müssten aber an die jeweils gegebenen Dispositionen Strukturqualität (Klassengröße, Ressourcen u.v.a.m.), Prozessqualität (wie Klassenklima, Methoden) und Ergebnisqualität (Zuwachs an fachübergreifenden Kompetenzen) angepasst werden.

Die Lehrkraft, die laut Gerhard Ziener in der Mitte dieser gegebenen Dispositionen stehe, müsse in diesem Zusammenhang ein hohes Verständnis aufweisen, um mit der Vielfalt im Klassenzimmer umgehen zu können. Kompetenzorientiertes Unterrichten, so Ziener, rücke nämlich immer die Lernenden ins Zentrum des Geschehens.

In der an den Vortrag anschließenden Diskussion waren sich Gerhard Ziener und die Teilnehmer*innen einig, dass eine erfolgreiche und transparente Kommunikation mit Schülerinnen und Schülern dabei der Schlüssel zum Erfolg sei.

(Christina Metzger, Dr. Martina von Gehlen)

 

Videomitschnitt

Hier finden Sie den Mitschnitt des Vortrages von Dozent Pfarrer Gerhard Ziener:

Ringvorlesung 2017/18: „Bildungsstandards, Kompetenzen und Kompetenzorientierung: Alter Wein in neuen Schläuchen?“ – Dozent Pfarrer Gerhard Ziener

 

Weitere Informationen

Bericht zum ersten Vortrag der Ringvorlesungsreihe: „Prof. Fritz Oser: Aus Fehlern (nicht) lernen – Auftakt der Ringvorlesung findet regen Anklang“
Überblick über weitere Termine der Ringvorlesung

 

Praxisphasentag 2017: „Praxisphasen betreuen, optimieren, vernetzt gestalten“

„Wir müssen dafür sorgen, dass die Zukunft der Lehrerbildung tatsächlich etwas ist, was vom ersten Semester bis zum Ende der ganz langen Praxisphasen durchgehend sich gegenseitig ergänzt und befruchtet und verstärkt. Und in diesem Sinne brauchen wir die Innovationskraft der Praktiker, die heute zahlreich vertreten sind. Ich freue mich auf den heutigen Tag.“
– Prof. Dr. Wolfgang Hochbruck, Universität Freiburg, Leitung FACE-Praxiskolleg

Mit diesen Worten eröffnete Prof. Dr. Hochbruck am 22.09.2017 den Praxisphasentag 2017 und verdeutlichte zugleich das Kernanliegen des Praxiskollegs, welches sich auch im Konzept der Tagung widerspiegelt: Einerseits wurde die Theorie-Praxis-Verzahnung vor, nach und während der Praxisphasen im Lehramtsstudium fokussiert, andererseits wurde der Dialog zwischen den Vertreter*innen der Institutionen, die an der Lehrerbildung beteiligt sind, intensiviert.

Worum ging es?

Der Praxisphasentag wurde ausgerichtet vom Praxiskolleg in Kooperation mit der Abteilung Fort- und Weiterbildung des FACE. Für die Organisation und Durchführung war hierbei Ulrike Dreher verantwortlich, die gemeinsam mit Beate Epting, Dr. Martina von Gehlen und Maren Klein für einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung sorgte. Die Tagung mit fortbildendem Charakter wurde gemeinsam von Albert-Ludwigs-Universität und Pädagogischer Hochschule veranstaltet. Unter dem Titel Praxisphasen betreuen, optimieren, vernetzt gestalten subsummierten sich zwei wissenschaftliche Hauptvorträge, Austauschforen, Workshops, ein Forschungsforum und eine Abschlussdiskussion.

Wer hat teilgenommen?

Mit der Veranstaltung wurden alle Personen und Institutionen angesprochen, die Studierende und Referendar*innen in Praxisphasen betreuen und Wissenschaftler*innen, die sich mit den einzelnen Praxisphasen, deren Begleitung und Gelingensfaktoren beschäftigen. Demzufolge war das Teilnehmerfeld sehr heterogen und spiegelte die Diversität der Community of Practice wider. Lehrkräfte und Schulleitungen aller Schularten, Bereichsleiter*innen, Fachleiter*innen und Lehrbeauftragte der Staatlichen Seminare für Didaktik und Lehrerbildung (aller Schularten), Zuständige der Staatlichen Schulämter und des Regierungspräsidiums Freiburg, Dozierende der Universität und der Pädagogischen Hochschulen und Wissenschaftler*innen anderen deutscher und Schweizer Hochschulen nahmen teil, um neue Impulse für ihre Arbeit mit Studierenden und Referendar*innen und für die Kooperation zwischen den Institutionen zu bekommen.

„Lernen für die Praxis als Lernen in zwei Praxen?“

Im ersten Hauptvortrag diskutierte Prof. Dr. Tobias Leonhard (Pädagogische Hochschule der FH Nordwestschweiz) die Frage „Lernen für die Praxis als Lernen in zwei Praxen? – Versuch einer theoretischen Neuorientierung schulpraktischer Studien mit praktischen Konsequenzen“.

Mit Bezug auf eine alte Weisheit der Dakota-Indianer: „Wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, steige ab.“ brachte Herr Leonhard dem Publikum ein „totes“ und ein „quicklebendiges Pferd“ mit:

„Das sind die Bilder dafür, dass ich eine ganz zentrale Rahmung schulpraktischer Studien vehement kritisieren möchte – das ist das tote Pferd. Und Ihnen deswegen eine alternative Rahmung vorstellen möchte, mit der Idee, dass gerade das für die Zusammenarbeit zwischen einer lehrerbildenden Institution und der beruflichen Praxis von kolossalem Wert sein kann.“

Im Kontext schulpraktischer Studien ist meist die Rede von Theorie und Praxis, von einem theory-practice-divide oder auch der Verknüpfung von Theorie und Praxis. Die Figur von Theorie und Praxis ist für Leonhard jedoch „im Grunde ohne heuristischen Wert“ oder eben „ein totes Pferd“:

„Pointiert gesagt, in der Figur von Theorie und Praxis werden Hochschulen und Berufsfeld jeweils halb amputiert. Denn die Identifikation der Hochschulen mit der Theorie und der Arbeit an Schulen als Praxis blendet jeweils die Hälfte aus. Sie unterstellt der Hochschule implizit, wir würden nichts tun. Die Hochschule hätte keine Praxis. Die Figur unterstellt aber auch, und das erscheint mir persönlich noch viel schlimmer, das alltägliche Handeln an Schulen hätte keine Theorie. Beides ist meines Erachtens eindeutig kontrafaktisch.“

Als alternative Rahmung schlägt Leonhard vor von zwei Praxen zu sprechen, „der Berufspraxis von Lehrpersonen und der Wissenschaftspraxis der Hochschulen“. Studierende nehmen im Rahmen ihres Lehramtsstudiums an beiden Praxen teil und lernen jeweils von den Könner*innen dieser Praxis. Von entscheidender Bedeutung ist nach Leonhard dabei, dass Studierende an der „echten“ und nicht nur an einer „didaktisierten und simulierten Praxis“ teilhaben können. Er appelliert daher an die Zuhörer*innen:

„In dieser Rahmung lautet dann entsprechend das Postulat für die Hochschulen: Prozessieren sie Wissenschaftspraxis als diskursive Praxis und Theorien, Konzepte und Argumente und binden sie Studierende frühzeitig in die Praxis der Arbeit mit Erkenntnismethoden ein. [… ]Das analoge Postulat für die Kolleginnen und Kollegen aus dem Berufsfeld hieße: Werden sie als Praktikerinnen und Praktiker der Berufspraxis sichtbar. Zeigen sie, was sie tun und erklären sie, was sie wie tun und worauf es aus ihrer Sicht ankommt.“

Sehen Sie hier den kompletten Vortrag von Prof. Dr. Tobias Leonhard:
 

 

Vernetzung und Dialog in Workshops und Austauschforen

In Austauschforen boten sowohl das Staatliche Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (SSDL) (Gymnasium) Freiburg, vertreten durch Prof. Dr. Ulrich Maneval, als auch das SSDL (WHRS) Freiburg, vertreten durch Patrick Beuchert, Diskussionsrunden für Mentor*innen an, in denen die Aufgabe der Praxisphasenbetreuung durch die beteiligten Institutionen abgeglichen werden konnte. Die ISP-Schulen der Pädagogischen Hochschule wurden von Dr. Jutta Nikel über die Portfolioaufgaben im Praktikum informiert und Prof. Dr. Lars Holzäpfel initiierte einen Austausch zwischen den Ausbildungsberater*innen und den Dozierenden. Übergreifenden Fragen zur Kooperation widmeten sich Prof. Dr. Sebastian Jünger und Dr. Michael Ruloff (FH Nordwestschweiz) in den beiden Workshops Partnerschulen zur Professionsentwicklung im Bildungsraum Nordwestschweiz und Ausbildung gemeinsam verantworten im hybriden Raum. Die Workshops zur Begleitung der Praxisphasen fokussierten Teamteaching (Lea de Zordo, PH Bern), Portfolioarbeit (Dr. Gerd Bräuer, PH Freiburg und Georgia Gödecke, Universität Bremen), bedürfnisorientierte Begleitung (Dr. Benjamin Dreer, Universität Erfurt), Klassenführung (Dr. Patrick Blumschein, PH Freiburg) und Diagnose (Dipl. Psych. Sabine Peucker, PH Freiburg). In einem Forschungsforum konnten lokale (Nachwuchs-)Wissenschaftler*innen aktuelle Forschungsprojekte und deren Ergebnisse den Praktiker*innen an Postern präsentieren. In intensiven Einzelgesprächen konnten dabei zukünftige Kooperationen angebahnt und vergangene Kooperationen reflektiert werden.

„Gemeinsam über Unterricht sprechen: Aber wie?“

Dr. Kathrin Futter von der Pädagogischen Hochschule Schwyz konnte indes mit dem zweiten Hauptvortrag „Gemeinsam über Unterricht sprechen: Aber wie? – Nutzen Lehramtsstudierende Lerngelegenheiten im Gespräch? Welches Unterstützungsverhalten der Praxislehrpersonen hilft ihnen dabei?“ zum wissenschaftlichen Diskurs der Teilnehmenden beitragen.

Aus ihrer Sicht können vor allem die Praxislehrpersonen eine Verbindung zwischen den Systemen Hochschule und Berufspraxis herstellen, „denn sie kennen beide Systeme, sie sind ausgebildet als Praxislehrpersonen und sie können eben als sogenannte „broker“ diese beiden Systeme miteinander verbinden“ und damit das Lernen im Praktikum unterstützen.

„Das Lernen im Praktikum ist sehr vielfältig und hochkomplex. Es ist prozessorientiert, situativ, sozial, subjektiv und stellt einen wichtigen Ausgangspunkt dar für die professionellen Entwicklungsprozesse, die sich selbstverständlich über die gesamte Berufstätigkeit ziehen respektive die gesamte Berufspraxis durchziehen.“

In ihrer empirischen Untersuchung wertete Frau Futter Unterrichtsbesprechungen zwischen Praxislehrpersonen und Studierenden auf deren Anteil von Lerngelegenheiten aus. Dabei sind es vor allem die ko-konstruktiven Dialoge, bei denen sich beide Gesprächspartner aufeinander beziehen und gemeinsam neue Ideen entwickeln, die Studierende in ihrem Lernprozess am meisten unterstützen. Eine lernförderliche Gesprächssituation sei empirisch zudem dadurch gekennzeichnet, dass die Praxislehrpersonen weniger direktiv agieren und eher die Studierenden Themen einbringen. Bei längeren Gesprächen mit einer größeren Anzahl an reflexiven Passagen sind mehr Hinweisstellen auf das Lernen der Studierenden erkennbar. Diese Befunde regten dazu an, die eigene Beratungspraxis dahingehend zu prüfen und sich in diesem Themenfeld fortzubilden.

Abschlussdiskussion „Praxisphasen betreuen, optimieren, vernetzt gestalten“

„Ich glaube das, was wir hier machen, wird in zehn oder zwanzig Jahren selbstverständlich sein. Aber wir sind die Pioniere.“
– Dr. Patrick Blumschein (Zentrum für Lehrerfortbildung PH Freiburg)

Abgerundet wurde die Tagung durch eine Abschlussdiskussion von Vertreter*innen der beteiligten Institutionen mit Dr. Kathrin Futter und Prof. Dr. Sebastian Jünger. Unter der Moderation von Prof. Dr. Lars Holzäpfel (Leitungstandem Praxiskolleg) wurde über den vermeintlichen Graben zwischen Theorie und Praxis diskutiert und wie man diesen als hybriden Raum gestalten kann. Die schulische Sicht brachten die beiden Schulleiter von Hochschulpartnerschulen, Heiko Schrauber (Kreisgymnasium Bad Krozingen) und Joachim Diensberg (Albert-Schweitzer-Schule II Landwasser) mit ein, während Prof. Dr. Ulrich Maneval als Vertreter des Staatlichen Seminars für Didaktik und Lehrerbildung (Gymnasium) seine Einschätzung kundtat. Hochschulseitig diskutierten Sybille Schick (Stabstelle Lehrer*innenbildung, Universität) und Dr. Patrick Blumschein (ZeLF, PH Freiburg) mit. Die Diskutant*innen benannten Gelingendes im Rahmen der Kooperation, zeigten aber auch sehr direkt auf, welche Aufgaben in der Zukunft angepackt werden müssen: Hierbei seien die Ressourcen auch der schulischen Partner zu stärken und begleitende Lehrpersonen (Ausbildungslehrkräfte und Mentor*innen) fortzubilden zentrale Gelingensfaktoren, um für die Professionalisierung Studierender im Praxissemester zu sorgen.

Fazit

Die Veranstaltung bot den rund 200 Teilnehmenden sowohl die Möglichkeit der wissenschaftlich fundierten Weiterbildung im Themenbereich der Praxisphasenbetreuung als auch den Raum der Vernetzung, des Austauschs und der Abstimmung von Positionen zwischen den Institutionen und trug so weiter zu einem engeren Dialog der Community of Practice am Standort Freiburg bei.

– Jana Dornfeld, Ulrike Dreher und Dr. Martina von Gehlen

 

Wie hat der Praxisphasentag gefallen?

Wir haben nachgefragt. Wie hat der Praxisphasentag den Teilnehmer*innen, den Workshop-Leiter*innen, den Nachwuchsforscher*innen des Forschungsforums und den Ausstellern der Berufsverbände gefallen? Lesen Sie hier ihr Feedback.

Feedback der Teilnehmer*innen
Feedback der Workshop-Leiter*innen
Feedback der Nachwuchswissenschaftler*innen
Feedback der Aussteller*innen

Impressionen

 

Ansprechpersonen:

Ulrike Dreher, Dr. Martina von Gehlen, Beate Epting, Prof. Dr. Wolfgang Hochbruck, Prof. Dr. Lars Holzäpfel

Informationsmaterial:

 

 

Praxisphasentag 2017: „Praxisphasen betreuen, optimieren, vernetzt gestalten“

Ulrike Dreher und Dr. Martina von Gehlen

Am 22.09.2017 richtete das Praxiskolleg in Kooperation mit der Abteilung Fort- und Weiterbildung des FACE (Freiburg Advanced Center of Education) den Praxisphasentag 2017 aus. Die Tagung mit fortbildendem Charakter wurde gemeinsam von Albert-Ludwigs-Universität und Pädagogischer Hochschule veranstaltet. Unter dem Titel Praxisphasen betreuen, optimieren, vernetzt gestalten subsummierten sich zwei wissenschaftliche Hauptvorträge, Austauschforen, Workshops, ein Forschungsforum und eine Abschlussdiskussion. Mit der Veranstaltung wurden alle Personen und Institutionen angesprochen, die Studierende und ReferendarInnen in Praxisphasen betreuen und WissenschaftlerInnen, die sich mit den einzelnen Praxisphasen, deren Begleitung und Gelingensfaktoren beschäftigen. Demzufolge war das Teilnehmerfeld sehr heterogen und spiegelte die Diversität der Community of Practice wider. Lehrkräfte und Schulleitungen aller Schularten, BereichsleiterInnen, FachleiterInnen und Lehrbeauftragte der Staatlichen Seminare für Didaktik und Lehrerbildung (aller Schularten) des Regierungsbezirks Freiburg, Zuständige der Schulämter und des Regierungspräsidiums Freiburg, Dozierende der Universität und der Pädagogischen Hochschulen und WissenschaftlerInnen anderen deutscher und Schweizer Hochschulen nahmen teil, um neue Impulse für ihre Arbeit mit Studierenden und ReferendarInnen und für die Kooperation zwischen den Institutionen zu bekommen.

Das Konzept der Tagung berücksichtige dabei die Kernanliegen der Arbeit des Praxiskollegs: Einerseits wurde die Theorie-Praxis-Verzahnung vor, nach und während der Praxisphasen im Lehramtsstudium fokussiert, andererseits wurde der Dialog zwischen den VertreterInnen der Institutionen, die an der Lehrerbildung beteiligt sind, intensiviert.

Im ersten Hauptvortrag diskutierte Prof. Dr. Tobias Leonhard (Pädagogische Hochschule der FH Nordwestschweiz) die Frage „Lernen für die Praxis als Lernen in zwei Praxen? – Versuch einer theoretischen Neuorientierung schulpraktischer Studien mit praktischen Konsequenzen“. Er stellte dem Konzept der Theorie-Praxis-Vernetzung das Konzept zweier Praxen gegenüber, die sich auf verschiedene Referenzsysteme, nämlich einerseits die Wissenschaft (Wissenschaftspraxis), andererseits die Berufspraxis beziehen.

In Austauschforen boten sowohl das Staatliche Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (SSDL) (Gymnasium) Freiburg, vertreten durch Prof. Dr. Ulrich Maneval, als auch das SSDL (WHRS) Freiburg, vertreten durch Patrick Beuchert, Diskussionsrunden für MentorInnen an, in denen die Aufgabe der Praxisphasenbetreuung durch die beteiligten Institutionen abgeglichen werden konnte. Die ISP-Schulen der Pädagogischen Hochschule wurden von Dr. Jutta Nikel über die Portfolioaufgaben im Praktikum informiert und Prof. Dr. Lars Holzäpfel initiierte einen Austausch zwischen den AusbildungsberaterInnen und den Dozierenden. Übergreifenden Fragen zur Kooperation widmeten sich Prof. Dr. Sebastian Jünger und Dr. Michael Ruloff (FH Nordwestschweiz) in den beiden Workshops Partnerschulen zur Professionsentwicklung im Bildungsraum Nordwestschweiz und Ausbildung gemeinsam verantworten im hybriden Raum. Die Workshops zur Begleitung der Praxisphasen fokussierten Teamteaching (Lea de Zordo, PH Bern), Portfolioarbeit (Dr. Gerd Bräuer, PH Freiburg und Georgia Gödecke, Universität Bremen), bedürfnisorientierte Begleitung (Dr. Benjamin Dreer, Universität Erfurt), Klassenführung (Dr. Patrick Blumschein, PH Freiburg) und Diagnostik (Dipl. Psych. Sabine Peucker, PH Freiburg). In einem Forschungsforum konnten lokale (Nachwuchs-)WissenschaftlerInnen aktuelle Forschungsprojekte und deren Ergebnisse den PraktikerInnen an Postern präsentieren. In intensiven Einzelgesprächen konnten dabei zukünftige Kooperationen angebahnt und vergangene Kooperationen reflektiert werden.

Dr. Kathrin Futter von der Pädagogischen Hochschule Schwyz konnte indes mit dem zweiten Hauptvortrag Gemeinsam über Unterricht sprechen: Aber wie? – Nutzen Lehramtsstudierende Lerngelegenheiten im Gespräch? Welches Unterstützungsverhalten der Praxislehrpersonen hilft ihnen dabei? zum wissenschaftlichen Diskurs der Teilnehmenden beitragen. In ihrer empirischen Untersuchung wertete Frau Futter Unterrichtsnachbesprechungen auf deren Anteil von Lerngelegenheiten aus. Dabei sind es vor allem die ko-konstruktiven Dialoge, die Studierenden am meisten unterstützen. Diese Befunde regten dazu an, die eigene Beratungspraxis dahingehend zu prüfen und sich in diesem Themenfeld fortzubilden.

Abgerundet wurde die Tagung durch eine Abschlussdiskussion von VertreterInnen der beteiligten Institutionen mit Dr. Kathrin Futter und Prof. Dr. Sebastian Jünger. Unter der Moderation von Prof. Dr. Lars Holzäpfel wurde über den vermeintlichen Graben zwischen Theorie und Praxis diskutiert. Die DiskutantInnen benannten Gelingendes im Rahmen der Kooperation, zeigten aber auch sehr direkt auf, welche Aufgaben in der Zukunft angepackt werden müssen: Hierbei seien die Ressourcen auch der schulischen Partner zu stärken und begleitende Lehrpersonen (Ausbildungslehrkräfte und MentorInnen) fortzubilden zentrale Gelingensfaktoren, um für die Professionalisierung Studierender im Praxissemester zu sorgen.

Die Veranstaltung bot den rund 200 Teilnehmenden sowohl die Möglichkeit der wissenschaftlich fundierten Weiterbildung im Themenbereich der Praxisphasenbetreuung als auch den Raum der Vernetzung, des Austauschs und der Abstimmung von Positionen zwischen den Institutionen und trug so weiter zu einem engeren Dialog der Community of Practice am Standort Freiburg bei.

 

Ansprechpersonen:

Ulrike Dreher, Dr. Martina von Gehlen, Beate Epting, Prof. Dr. Wolfgang Hochbruck, Prof. Dr. Lars Holzäpfel

 

Informationsmaterial:

 

 

Ringvorlesung im Wintersemester 2017/18

„Lehr- und Lernperspektiven“ –
Impulse aus der Forschung für Schule und Unterricht

Inhalte

Die Ringvorlesung „Lehr- und Lernperspektiven – Impulse aus der Forschung für Schule und Unterricht“ fokussiert darauf, wie die Untersuchungen und Ergebnisse der Schul- und Unterrichtsforschung von Lehrkräften direkt im Unterricht genutzt werden können. Ausgewiesene Expertinnen und Experten der Unterrichts- und Bildungsforschung wurden von uns für Sie eingeladen, um im Austausch Chancen und Grenzen relevanter Themen für Schule und Unterricht zu diskutieren.
Das Praxiskolleg freut sich auf einen anregenden Austausch zwischen Forschung und Praxis!

Zielgruppe

Die Ringvorlesung richtet sich an alle an Schule und Bildung Interessierten, insbesondere an Lehrkräfte und Schulleitungen aller Schularten , Studierende und Dozierende der Hochschulen in den Lehramtsstudiengängen der Hochschulen, Vertreter*innen der Staatlichen Seminare für Didaktik und Lehrerbildung, Vertreterinnen und Vertreter der Staatlichen Schulämter und des Regierungspräsidiums. Alle an Themen für Schule und Unterricht mit Forschungsbezug sind zur Teilnahme an der Ringvorlesung eingeladen.

Alle Termine der Ringvorlesung im Überblick:

DatumLg-Nr. Titel Referent*innenBericht zur Veranstaltung
19.10.201788187353Aus Fehlern (nicht) lernen – Über die Funktion des Falschen und die Fehlerkultur in der SchuleProf. Dr. Dr. h.c. mult. Fritz Oser (em.)
Universität Fribourg (CH),
Dep. Erziehungswissenschaft
Prof. Fritz Oser: Aus Fehlern (nicht) lernen – Auftakt der Ringvorlesung findet regen Anklang
02.11.201788187356Bildungsstandards, Kompetenzen und Kompetenzorientierung – Alter Wein in neuen Schläuchen?Dozent Pfarrer Gerhard Ziener
Pädagogisch Theologisches Zentrum, Stuttgart
Pfarrer Gerhard Ziener: Bildungsstandards, Kompetenzen und Kompetenzorientierung: Alter Wein in neuen Schläuchen?
30.11.201788187364Macht die Klasse einen Unterschied? – Effekte sozialer, kultureller und leistungsbezogener HeterogenitätJun. Prof. Dr. Katja Scharenberg
Pädagogische Hochschule Freiburg,
Institut für Soziologie
noch ausstehend
11.01.201888187366Metaphern des Lernens in unterschiedlichen Schulformen und AltersstufenDr. Elisabeth Wegner
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg,
Institut für Erziehungswissenschaft
noch ausstehend
29.01.201888187414Lehrkräftekooperation – Anspruch und WirklichkeitProf. Dr. Hans Anand Pant
Humboldt-Universität zu Berlin,
Institut für Erziehungswissenschaften
noch ausstehend
08.02.201888187418Sprachsensibler Fachunterricht aus mathematik- und sprachdidaktischer SichtJun. Prof. Dr. Lena Wessel
Pädagogische Hochschule Freiburg,
Institut für Mathematische Bildung
noch ausstehend
22.02.201888187422Die Lehrkraft macht den Unterschied! – Unterrichtsqualität und und professionelle Kompetenz von LehrkräftenJun.Prof. Dr. Thamar Voss
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg,
Institut für Erziehungswissenschaft
noch ausstehend
08.03.201888187423Professionelle Unterrichtswahrnehmung im beruflichen Lehramt mittels authentischer UnterrichtsvideosProf. Dr. phil. Ulrike Weyland
WWU Münster,
Institut für Erziehungswissenschaft (IfE)Wilhelm Koschel, M.A.
WWU Münster, Doktorand innerhalb der QLB
noch ausstehend

Raum und Ort

Die Ringvorlesung findet statt im KG I, Hörsaal 1015 ( bzw. 1010 am 29.01.18) der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Sie findet zweiwöchentlich, donnerstags von 18.00 s.t. bis 20.00 Uhr statt (außer am 29.01.18).

Anmeldung

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Für Lehrkräfte ist eine Anmeldung über LFB-Online möglich. Die Lehrgangsnummern finden Sie in der oben stehenden Übersicht (Lg-Nr.).

Kontakt

Für Rückfragen stehen die Koordinatorinnen des Praxiskollegs zur Verfügung:

Dr. Martina von Gehlen
Ulrike Dreher

Das Praxiskolleg fördert die Vernetzung aller Akteure der Lehrerbildung durch Netzwerkveranstaltungen und durch den Aufbau von Partnerschaften zwischen Schulen und Hochschulen als Hochschulpartnerschulen. Falls Sie dabei mitwirken möchten, können Sie sich an die Koordinatorinnen wenden.

Gesamtverantwortliche „Praxiskolleg“:
Prof. Dr. Lars Holzäpfel (Pädagogische Hochschule Freiburg)
Prof. Dr. Wolfgang Hochbruck (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)

 

4. FACE-Gesamtprojekttreffen am 02.06.2017

Am 02. Juni 2017 – auf den Tag genau sechs Monate nach dem dritten Gesamtprojekttreffen – trafen sich die FACE-Mitarbeiter*innen erneut zum gemeinsamen Austausch über Arbeitsergebnisse und Perspektiven. In der Aula der Pädagogischen Hochschule kamen insgesamt ca. 70 Mitarbeiter*innen der Albert-Ludwigs-Universität, der Pädagogischen Hochschule und der Musikhochschule zusammen.

Nachdem das letzte Projekttreffen auf die gemeinsame Entwicklung eines Leitbildes der Lehrer*innenbildung in Freiburg zielte, sollten dieses Mal die einzelnen FACE-Maßnahmen und deren Aktivitäten wieder stärker in den Vordergrund rücken.

Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Georg Brunner, Prorektor für Lehre und Studium der Pädagogischen Hochschule Freiburg, wurden die neuen Projektmitarbeiter*innen vorgestellt. Im Anschluss präsentierten Kollegen der Pädagogischen Hochschule und der Musikhochschule das Projekt „Kooperative Musiklehrer/innenbildung Freiburg“ (KoMuF). Zum Abschluss des ersten Programmteils stellte Jun.-Prof. Dr. Thamar Voss das auf der Basis des letzten Gesamtprojekttreffens entwickelte vorläufige Leitbild der Lehrer*innenbildung in Freiburg vor.

Im Fokus des zweiten Programmteils stand anschließend der aktive Austausch der FACE-Mitarbeiter*innen in zwei intensiven Arbeitsphasen. In der ersten Phase konnten sich die Teilnehmenden über die in den letzten sechs Monaten erzielen Arbeitsergebnisse der einzelnen Maßnahmen informieren. Dazu hatte jede Maßnahme im Vorfeld ein Poster erstellt bei dem Vertreter*innen der Maßnahmen Rede und Antwort standen.

Die zweite Arbeitsphase stand im Zeichen der Maßnahme 1 „Lehrkohärenz“.  Zunächst erläuterte Dr. Katharina Hellmann, worauf sich der Kohärenzbegriff in den Projekten der Maßnahme bezieht und welche Materialen bisher gemeinsam erstellt wurden. Anschließend wurden einzelne Lehrentwicklungsprojekte in Kurzvorträgen präsentiert und in maßnahmenübergreifend zusammengestellten „Critical friends“-Arbeitsgruppen diskutiert. Zeitgleich fanden separate Arbeitsgruppen zum Thema „Praxis meets Forschung“ und zum KoMuF-Projekt statt. Nach dem Schlusswort von Prof. Dr. Ulrich Druwe setzten viele Teilnehmer*innen ihre konstruktiven Diskussionen beim gemeinsamen Mittagessen in der Mensa fort.

Das Gesamtprojekttreffen lieferte viele neue Ideen für Anschlussmöglichkeiten und Verknüpfungspunkte zwischen den einzelnen Teilprojekten. Dabei hat sich besonders die intensive Arbeitsphase zu den Lehrentwicklungsprojekten als zielführend erwiesen. Hier wurden gemeinsam konkrete Schritte erarbeitet, damit die Lehrprojekte künftig im regulären Lehrangebot, besonders im Master of Education, durchgeführt werden können.

2. Studierendenkongress Bildungswissenschaft

Am 16.02.2017 fand in der Aula der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg der 2. Studierendenkongress der Bildungswissenschaft statt. Der Kongress bietet Studierenden des Institutes für Erziehungswissenschaft eine Plattform, ihre studentischen Arbeiten zu präsentieren. Neben studentischen Projekten und Abschlussarbeiten stellten die Mitarbeiter*innen des Institutes für Erziehungswissenschaft ihre aktuellen Forschungsarbeiten vor.

Seit dem Jahr 2016 verfolgt das Institut für Erziehungswissenschaft mit dem Studierendenkongress die Intention, die Vielfalt studentischer Arbeiten für ein breiteres Publikum sichtbar zu machen. Mit über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie 27 Postern konnte der diesjährige Kongress nahtlos am Erfolg des 1. Studierendenkongresses anknüpfen.
Die Studierenden stellen ihre Arbeiten im Rahmen mehrerer Postersessions vor. Die besten Poster wurden in den Kategorien „Masterabschlussarbeiten & Interdisziplinäre Bildungsprojekte“ und „Bachelorabschlussarbeiten & Projektarbeiten“ mit Preisen im Gesamtwert von 500€ prämiert. Die Jury bestand aus insgesamt vier Mitgliedern: Dr. Katharina Hellmann von FACE, Dr. Patrick Blumschein als ehemaliger Mitarbeiter des Instituts, Petra Mussler von der Abteilung Lehrentwicklung und einem studentischen Mitglied, Roland Ebert-Glang.
Aus den Rückmeldungen vom letzten Jahr wurde der Kongress in diesem Jahr noch erweitert: Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts präsentierten ihre Forschungsarbeiten, und der geschäftsführende Direktor, Prof. Dr. Wittwer hielt eine Keynote. So erhielten die Studierenden einen Einblick in aktuelle Forschungsprojekte und konnten sich im Zuge dessen über etwaige Abschlussarbeiten und Promotionsmöglichkeiten informieren. Ein besonderes Highlight bildete der SCIENCE-SLAM, bei dem die Studierenden ihre Forschungsarbeiten in ausgefallener Weise humorvoll auf die Bühne brachten.
Für das leibliche Wohlergehen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sorgte die Fachschaft Erziehungswissenschaft mit einem gelungenen Catering.
Das Feedback der Teilnehmenden war durchweg positiv und so freuen wir uns auf ein Fortbestehen des Kongresses im Jahr 2018.

Das Orientierungspraktikum im neuen Lehramtsstudium Gymnasium – Konzeption, Umsetzung und Begleitheft

Informationsveranstaltung für Lehrerinnen und Lehrer am 03.02.2017

Um die Tätigkeiten und Aufgaben einer Lehrkraft in ihrer Vielfalt wahrzunehmen und einen ersten Wechsel von der bisherigen Schüler- zur Lehrerperspektive zu vollziehen, absolvieren Lehramtsstudierende der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg nach dem ersten Studiensemester im Polyvalenten Bachelorstudium ein dreiwöchiges Orientierungspraktikum in einem Gymnasium in Baden-Württemberg. Zur Information der betreuenden Lehrkräfte der allgemeinbildenden und beruflichen Gymnasien im Raum Freiburg, lud das Praxiskolleg in Kooperation zusammen mit dem Institut für Erziehungswissenschaften und dem Zentrum für Schlüsselqualifikationen an die Universität ein.

Sybille Schick, Co-Leiterin der neuen Stabsstelle Lehrerbildung der Universität Freiburg, stellte einführend die auf der Bologna-Reform basierende neue Bachelor- und Masterstruktur vor, mit der die Mobilität von Studierenden und Absolventen gefördert werden soll.

Anschließend stellte Prof. Dr. Jörg Wittwer, Leiter der Abteilung für Empirische Lehr- und Lernforschung des Instituts für Erziehungswissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, die Konzeption des neuen Orientierungspraktikums (OSP) im Lehramtsstudium vor. In Vor- und Nachbereitungsworkshops sowie einer einführenden Vorlesung erhalten die Studierenden eine forschungsbasierte Grundlage, um möglichst eigenständig im Praktikum vorgegebenen Aufgabenstellungen nachzugehen, die z.B. Kriterien geleitete Beobachtungen oder Interviews umfassen. Ausbildungslehrkräfte können die Aufgabenstellungen mit einem Passwort, das sie auf Anfrage erhalten, auf der Webseite der Universität erhalten.

Ergänzend präsentierte Herr Michael Thimm, Fachbereichsleitung Orientierungspraktikum (OSP), die Evaluationsergebnisse des ersten Orientierungspraktikums, das im WS 15/16 stattfand. http://www.face-freiburg.de/kurzbericht-evaluation-osp/

Die Ausbildungslehrkräfte gaben Feedback zu ihren persönlichen Erfahrungen mit Studierenden im Orientierungspraktikum und diskutierten mit den verantwortlichen Ansprechpartnern ihre bisherigen Erfahrungen und Bedarfe. Insgesamt wurde deutlich, dass sich das neue OSP als Erfolgsmodell einer ersten Theorie-Praxis-Vernetzung zwischen Studium und Schulen etabliert, wobei die Lehrkräfte großen Wert darauf legen, ausreichend über die Aufgaben informiert zu sein, um eine Orientierung zu haben, welche Einblicke und Kriterien für die Studierenden wichtig sind. Abschließend stellte Dr. Martina von Gehlen die Konzeption des Praxiskollegs vor, das die Aufgabe hat, die Theorie-Praxis-Vernetzung im Lehramtsstudium zu fördern. Dies erfolgt u.a. in der institutionalisierten Form der Kooperation als Hochschulpartnerschulen und im Rahmen von Vernetzungsveranstaltungen.

Erklären als didaktisches Handeln – Was zeichnet lernförderliche Erklärungen aus?

Prof. Dr. Matthias Nückles

Prof. Dr. Matthias Nückles

Mit diesem Thema eröffnete im neuen Jahr Prof. Dr. Matthias Nückles am 12. Januar einen weiteren Abend der Ringvorlesungsreihe „Lehr- und Lernperspektiven“. Prof. Dr. Nückles ist Lehrstuhlinhaber des Instituts für Erziehungswissenschaft der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Lehr-und Lernforschung.

In seinem Vortrag stellte Prof. Dr. Nückles zunächst den Begriff „Erklärungen“ und deren lehr-und lernperspektivische Dimension vor. Die allgemeinen Hypothesen, dass Erklärungen zu den wichtigsten Mitteln gehören, die das Lernen bei Schülerinnen und Schülern fördern und dass „gute Lehrer vor allem gut erklären können“ wurden von Prof. Dr. Nückles auf Basis diverser Studien zunächst widerlegt. Dennoch ist die Bedeutung lernförderlicher Erklärungen für ein gewinnbringendes Unterrichtsklima nicht von der Hand weisen. Welche Kriterien lernförderliches Erklären erfüllen müssen, wie man es erlernt und üben kann darüber referierte Prof. Dr. Nückles im folgenden Verlauf anhand von Beispielen aus der Praxis.

Erklärungen haben ihm zufolge drei wichtige Funktionen. Erstens, das systematische Entfalten von Lernstoff durch die Lehr- bzw. „Erklär“-person. Zweitens, der Verständnissaufbau neuer Sachverhalte durch die von der Erklärung beförderte Wissenskonstruktion und drittens das Schließen von Wissenslücken, die für einen erfolgreichen Wissenstransfer hinderlich sind.

Erklärungen können äußerst unterschiedlich gestaltet und im Unterrichtsverlauf flexibel eingesetzt werden. Beispielsweise können zu Beginn einer Unterrichtsstunde vorangestellte Strukturierungshilfen für Erklärungen, wie z.B. Advance Organizer oder Epitome, einen Einstieg bilden. Im Hauptteil des Unterrichts können sie als ontologische, kausale, funktionale, prozedurale oder Begriffsklärungen vorkommen. Am Ende des Unterrichts ermöglichen Erklärungen als „Summarizer“ oder „Synthesizer“ die Verfestigung des Lernstoffs.

Dabei haben alle Arten von lernförderlichen Erklärungen die gleichen Merkmale: Sie knüpfen an das Vorwissen der Lernenden an. Die besondere Problematik hierfür ist, dass sich Vorwissen meist nicht leicht einschätzen lässt. Experten in ihrem jeweiligen Fachgebiet tendieren in der Regel dazu, das Vorwissen der Lernenden zu überschätzen und können Lernschwierigkeiten nicht angemessen wahrnehmen – der sogenannte „Expert Blind Spot“. Wenn die Vorwissensadaptation gelingt, dann ist ein positiver Effekt direkt wahrnehmbar. Die Ergebnisse zweier unterschiedlicher Studien bewiesen dies anschaulich.

Ein weiteres Merkmal lernförderlicher Erklärungen stellen kohäsive Formulierungen dar. Durch einen hohen Grad von Vernetzung innerhalb von Erklärungen ergibt sich ein roter Faden, der das Verständnis derselben erleichtert. Dabei sind sowohl eine lokale als auch eine globale Kohäsion zu beachten. Für eine hohe Kohäsion wird ein gut vernetztes und umfangreich vorhandenes Fachwissen benötigt, kohäsive Formulierungen sind aber durchaus erlernbar.

Prinzipienorientierung zeichnet das letzte Merkmal lernförderlicher Erklärungen aus. Prof. Dr. Nückles stellte hierfür eine Studie vor, in der die Erklärungen von Mathelehrerinnen und -lehrer mit denen von Matheprofessorinnen und -professoren verglichen wurden. Das Ergebnis der Studie zeigte, dass die Erklärungen auf Seiten der Lehrkräfte stark prozedural orientiert waren und der Wissenstransfer der Schülerinnen und Schüler aus diesem Grunde nicht erfolgreich war. Aus diesen Ergebnissen wurde abgeleitet, dass Prinzipienorientierung für Wissenstransferaufgaben ein hoher Wert beigemessen werden kann. In einer weiteren Studie wurde daher untersucht, inwieweit die kontextuale Verhaftung von Mathelehrerinnen und -lehrern im schulischen Umfeld eine Rolle für diese Ergebnisse spielt. Die Mathelehrerinnen und -lehrer sollten wiederum Erklärung im Unterricht geben, wurden aber nun im Vorfeld durch ein Comic gebrieft, das anschaulich die verschiedenen Arten von Erklärungen im Mathematikunterricht darstellte. Die Ergebnisse zeigten, dass das Bewusstsein für die Rolle von Erklärungen einen positiven Einfluss auf das Verständnis der Arbeitsprozesse bei Schülerinnen und Schülern bewirkte.

Die lebhafte Diskussion, die anschließend zwischen den Zuhörerinnen und Zuhörern und Herrn Prof. Dr. Nückles stattfand, beschäftigte sich mit den Unterscheidungsmerkmalen zwischen sprachlichen und schriftlichen Erklärungen, Möglichkeiten zur Vorwissensdiagnostik und die Gewichtung der unterschiedlichen Merkmale von lernförderlichen Erklärungen in ihren jeweiligen fachdidaktischen Kontext.

Prof. Dr. Matthias Nückles

Ringvorlesung mit Prof. Dr. Matthias Nückles

Ist Individualisierung der Königsweg zum Lernen? Mythen, Erkenntnisse, Impulse

Die Ringvorlesungsreihe Lehr- und Lernperspektiven im Wintersemester 2016/17 neigt sich dem Ende zu. Den bereits vorletzten Vortrag hielt am 26.01.2017 Prof. Dr. Frank Lipowsky der Universität Kassel unter dem Titel „Ist Individualisierung der Königsweg zum Lernen?“ Der Hörsaal war gut gefüllt – rund 100 Zuhörerinnen und Zuhörer folgten dem Vortrag.

Mit der erklärten Absicht, einige Mythen zu entzaubern, aber auch Erkenntnisse zu liefern und weitere Impulse für die Praxis zu setzen, gestaltete Prof. Dr. Lipowsky die anderthalb Stunden seines Vortrags interessant und nah an der Lebenswirklichkeit von Lehrkräften. Die Forderung nach einer zunehmenden Individualisierung von Lernprozessen erfährt angesichts heterogener Klassen immer stärkere Relevanz. Doch unter welchen Voraussetzungen ist individualisiertes Lernen sinnvoll, und wann kann es demgegenüber gar hinderlich sein? Wer profitiert von dieser Art des Lernens und wer nicht?

Um den Erfordernissen zunehmend heterogener Klassen zu folgen, wird in Teilen der deutschen Schullandschaft individualisiertes Lernen als adäquate Antwort auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Fähigkeiten von Schülerinnen und Schülern verstanden. Seinen sichtbaren Ausdruck findet dieses Verständnis eines individualisierenden Unterrichts u.a. in sogenannten ‚Lernateliers‘, ‚Lernlandschaften‘ oder ‚Lernboxen‘, in denen Schülerinnen und Schüler getrennt voneinander an verschiedenen Aufgaben arbeiten. Individualisierung wird in diesem Kontext häufig als Einzelarbeit realisiert, wobei die Steuerung der Arbeit von Plänen und Materialien übernommen wird. Wie erfolgreich ist diese Art des Lernens?

Prof. Dr. Frank Lipowsky

Prof. Dr. Frank Lipowsky

Bei der Konsultation der Ergebnisse der Hattie-Studie wird deutlich, dass individualisierendes Unterrichten nur eine geringe positive Auswirkung auf das Lernen der Schülerinnen und Schüler hat. Ein möglicher Grund hierfür liegt nach Ansicht von Prof. Dr. Lipowsky darin, dass solche geöffneten und individualisierten Unterrichtsformen erhebliche Anforderungen an die Schülerinnen und Schüler stellen und insbesondere die schwächeren Lernenden dadurch überfordert sind. Eine Studie von Connor, Morrison & Petrella (2004) zeigt eindrucksvoll, dass die Leseleistungen schwächerer Schülerinnen und Schüler geringer ausfallen, wenn sie in einem eher schülerorientierten Unterricht lernen, im Vergleich zu einem von der Lehrperson gelenkten Unterricht. Demgegenüber zeigt sich für starke Leserinnen und Leser, dass sie auch in einem schülerorientierten Unterricht ihre Leseleistungen deutlich verbessern können.

Formen individualisierenden Unterrichts weisen nach Prof. Dr. Lipowsky vor allem dann Potential auf, wenn bestimmte Anforderungen und Bedingungen beachtet werden, beispielsweise eine sorgfältige und antizipierende Unterrichtsplanung, die auf die Abstimmung und sinnvolle Verknüpfung von Individualisierungs- und Plenumsphasen achtet. Zudem sei es wichtig, kognitiv anregende Aufgaben auszuwählen oder zu entwickeln und die Lernvoraussetzungen der Lernenden sowie ihre Verständnisschwierigkeiten zu diagnostizieren, um angepasste Unterstützung leisten zu können.

Individualisierung ist nach Prof. Dr. Lipowsky kein Königsweg zum Lernen, sondern ein Ansatz unter mehreren. Qualität erlangt ein solcher Unterricht nicht dadurch, dass die Schülerinnen und Schüler in Einzelarbeit Pläne „abarbeiten“ oder dadurch, dass ihnen viele Wahlfreiheiten zugestanden werden, sondern dadurch, dass sie – durch Mitschülerinnen und -schüler, durch die Lehrperson und/oder durch Materialien und Aufgaben – zum Nachdenken angeregt werden und in ihrem Lernprozess konstruktiv sowie inhaltsbezogen unterstützt werden. Es kommt daher weniger auf die Oberflächenstruktur, sondern auf die Tiefenstruktur des Unterrichts an.

In der anschließenden Diskussion wurden die Thesen und Befunde des Vortrags durch Anmerkungen und Anregungen ergänzt. So müsse ‚individualisiertes Lernen‘ nicht unbedingt Lernen in Einzelarbeit bedeuten. In der Praxis existieren unterschiedliche Modelle der Verknüpfung von Unterrichtsformen. Die Anwesenden waren sich einig darüber, dass ein guter und wirksamer individualisierender Unterricht eine hohe fachliche Expertise der Lehrperson voraussetzt.

Die Präsentation kann bei Prof. Dr. Lipowsky angefragt werden.

Ringvorlesung: Feedback als Instrument der Schulentwicklung und zur Steigerung der Unterrichtsqualität

Den letzten Vortrag der Ringvorlesung „Lehr- und Lernperspektiven“ vor der Weihnachtspause gestalteten Frau Dr. Heidi Sinn und Herrn StD Andreas Kibin vom Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (Berufliche Schulen) in Freiburg. Die Zuhörerinnen und Zuhörer auf den recht gut gefüllten Rängen des Hörsaals konnten sich damit über einen Beitrag unmittelbar von der Nahtstelle Theorie–Praxis freuen, deren stärkere Vernetzung ein wichtiges Anliegen sowohl der Referentinnen und Referenten als auch des FACE ist. Dass dies als gelungen gelten darf, zeigten nicht zuletzt die an diesem Abend besonders zahlreichen Fragen und Wortmeldungen aus dem Publikum, die zu einer angeregten Abschlussdiskussion führten.

Bereits in den einleitenden Bemerkungen kennzeichneten die Vortragenden Feedback als eine emanzipatorische Errungenschaft der heutigen Zeit. Der Vortrag gliederte sich in folgende drei Teile: Schulentwicklung – Feedback zwischen Lehrenden und Lernenden – Kollegiales Feedback.

Dass sie damit eine institutionell spätestens seit den „PISA-Studien“ gefestigte Position vertreten, konnte Herr Kibin durch einen Verweis auf die systematische Qualitätsentwicklung im Modell OES (Operativ Eigenständige Schule) an Beruflichen Schulen in Baden-Württemberg belegen. Dieses sieht als festen Bestandteil einen Zyklus aus Selbstevaluation der eigenständig formulierten Zielsetzungen, Individualfeedback (sowohl Schüler-Lehrer- als auch kollegiales Feedback) und professioneller Fremdevaluation vor. Dieser Kreislauf folge allgemeiner gesprochen dem sog. PDCA-Zyklus (Plan, Do, Check, Act), jedoch mit einer starken Betonung der Handlungskomponente. Ziel jeden Feedbacks sei schließlich das Erhellen „blinder Flecken“ (vgl. Johari-Fenster nach Joseph Luft und Harry Ingham) und ganz allgemein das Eröffnen von Entwicklungsmöglichkeiten bezüglich bestimmter Aspekte, die dem Handelnden sehr wohl auch bekannt sein können.

Daran anknüpfend zeigte Frau Dr. Sinn unter Rückgriff auf die Studie „Visible Learning“ John Hatties (dt. „Lernen sichtbar machen“, übers. von Wolfgang Beywl und Klaus Zierer) auf, dass Feedback sowohl als Lehrer-Schüler- aber gerade auch als Schüler-Lehrer-Feedback ein maßgeblicher Faktor der Unterrichtsqualität und damit auch des individuellen Lernerfolgs ist. Wie zwei Zahnräder müssten beide Seiten ineinandergreifen.

Dr. Sinn kritisierte, zu häufig bliebe Feedback auf Ebene der Aufgabe (Wie gut bzw. vollständig habe ich die Aufgabe bewältigt?) verhaftet, anstatt sich stärker auch auf die Ebenen der Verstehensprozesse (Welche Strategien verwende ich? Woran erkenne ich meine Fehler?) und der Selbstregulation (Wie kann ich mein Lernen steuern?) zu richten. Klar zu trennen von Feedback sei jedoch das Lob, das sich auf die vierte Ebene der Person bzw. des Selbst richte und keine lernrelevante Information enthalte (z.B. „Gut gemacht!“).

Feedback-Methoden wie „Stärken-Schwächen-Tipps“. „Einschätzungsbogen“, „Lernrad“ oder „Lerntagebuch“, welche die ausgeführten Punkte berücksichtigen, finden sich etwa in „Feedback-Kultur in der Schule. Das Praxisbuch“ von Jost Schneider (Hg.) und Christoph Maitzen (2015). Herr Kibin stellte weitere Methoden vor, die unter Berücksichtigung der jeweiligen Stärken und Schwächen immer gezielt und passend für eine Unterrichtssituation ausgewählt werden müssen: „Zielscheibe“, „Ratingkonferenz“, „Feedbackbogen“, „Fünf-Finger-Methode“ u.a.

Als umfassenden Ansatz, der die Bereiche des Individualfeedbacks und der Schulentwicklung vor dem Hintergrund der Hattie-Studien verknüpft, wurde zuletzt das Projekt LUUISE (Lehrpersonen Unterrichten und Untersuchen Integriert, Sichtbar und Effektiv) von Frau Dr. Sinn vorgestellt, das sich durch die Gleichzeitigkeit von Unterricht und Feedback auszeichnet. Die ausgemachte unterrichtliche „Knacknuss“ wird hierbei durch geeignete Methoden sichtbar gemacht, die Lehrperson bei der Erarbeitung der „smart(en)-Ziele“ (spezifisch, messbar, akzeptabel, realistisch, terminiert) und deren Umsetzung durch ein externes Coaching unterstützt.

Im Bereich des kollegialen Feedbacks gingen die Referent_innen kurz auf das Konstanzer Modell, die Evidenzbasierten Methoden der Unterrichtsdiagnostik und -entwicklung (EMU) und die im Pilotbetrieb befindliche Virtuelle Hospitation ein. Sie schlossen mit allgemeinen Hinweisen für ein gelingendes Feedback, das auf einige Voraussetzungen sowohl auf Seiten der Feedbackgeberin als auch des Feedbackgebers angewiesen ist, sowie einigen Tipps für die Praxis.

Die abschließende offene Diskussion drehte sich u.a. um Fragen der Verbindlichkeit einer Feedback-Kultur, um die Darstellbarkeit persönlicher Beziehungen in evidenzbasierten oder gar standardisierten Methoden sowie um die Bewertung von sog. Peer-Feedback.