Im Tandem-Teaching arbeiten ein Geschichtswissenschaftler und ein Geschichtsdidaktiker gemeinsam mit Studierenden an einem schulrelevanten historischen Forschungsthema.

Lehrprojekt: Tandem-Teaching: Fachwissenschaft trifft Fachdidaktik. Lehrprojekt der Abteilung Geschichte der Pädagogischen Hochschule und des Historischen Seminars der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Zielsetzung: Durch das Lehrkonzept wird eine enge Integration von Fachwissenschaft, Fachdidaktik und Schulpraxis angestrebt, bei dem alle an der Ausbildung zukünftiger Geschichtslehrer beteiligten Institutionen in einem kohärenten Gesamtkonzept zusammengeführt werden.

Veranstaltungsart: Die zweisemestrigen Tandemseminare werden von je einem Dozierenden der Pädagogischen Hochschule und der Universität durchgeführt.

Inhalte: Im ersten Semester wird ein fachwissenschaftliches Seminar zu einem schulrelevanten Thema gehalten. Bei der Auswahl der Themen und Lektüre spielen bereits fachdidaktische Gesichtspunkte eine wichtige Rolle und werden im Verlaufe des Semesters immer wieder aufgegriffen. Darauf aufbauend werden im zweiten Semester aktuelle Forschungsdebatten zu eben diesem Thema gezielt unter fachdidaktischen Aspekten bearbeitet und über die Konzeption von Unterrichtsplänen intensiv reflektiert. Am Ende des Semesters werden einzelne Stunden an ausgewählten Schulen im Unterricht umgesetzt.

Studierende: Das Tandem-Seminar ist für Studierende beider Hochschulen geöffnet.

Verortung im Lehramtsstudium: Was jetzt im Rahmen der alten Studien- und Prüfungsordnungen von 2011 noch weitgehend fakultativ ist, soll im gemeinsamen „Master of Education“ ab Herbst 2018 obligatorisch sein, d.h. die Studierenden des gymnasialen Lehramts Geschichte haben künftig die Möglichkeit, zwischen zwei Modulen zu wählen, wobei eines standardmäßig das zweisemestrige Tandem-Modul sein wird.

Zentrale Elemente zur Zielerreichung: Neben den Tandemseminaren als zentrales Element zur Etablierung der Kohärenz zwischen Fachdidaktik, Fachwissenschaft und Schulpraxis in der Lehrerausbildung werden sowohl komplexe Lernaufgaben als auch Reflexionen der Studierenden als Coaching-Maßnahme und integrative Studienleistung in Betracht gezogen, um einerseits den individuellen Lernfortschritt dokumentieren und anderseits die Wahrnehmung der Kohärenz zwischen den beiden Disziplinen stärken zu können.

Beschreibung der Veranstaltung
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Beschreibung der Veranstaltung

Konzeptionelle Basis

Das von uns entwickelte Konzept geht davon aus, ein Kontinuum von fachwissenschaftlicher, fachdidaktischer und bildungswissenschaftlicher Ausbildung im Lehramt zu gewährleisten. Der wechselseitige Zusammenhang von Fachwissenschaft und Fachdidaktik wird über das Tandem nicht nur personell, sondern auch institutionell und inhaltlich transparent hergestellt. Die Aspekte Theorie und Praxis werden im Lehramtsstudium durchgängig und nachhaltig verschränkt.

Lernziele

Angestrebt wird beim Tandem-Teaching eine kohärente Lehre. Fachwissenschaft und Fachdidaktik sollen nicht getrennt gelehrt und als gegensätzlich wahrgenommen werden, sondern integrierte und zusammenhängende Bestandteile der Lehrerausbildung bilden. Die Studierenden sollen daher vor allem den Zusammenhang der Fachdidaktik als Teildisziplin der Fachwissenschaft erkennen, indem konkrete Zusammenhänge zwischen geschichtswissenschaftlicher und geschichtsdidaktischer Forschung hergestellt und in Unterrichtskonzeptionen in Abstimmung mit dem Bildungsplan 2016 umgesetzt werden.

Zielgruppe

Idealerweise sollte der Kurs zur einen Hälfte aus Studierenden der Pädagogischen Hochschule und zur anderen aus Studierenden der Universität bestehen. Die Gruppe besteht aus in der für Hauptseminare der Universität üblichen Größe von 20-25 Personen. Da die Studierenden der Universität mit dem zweiten Teil des Tandems ihren Fachdidaktik-II-Schein absolvieren können, sollten sie vor Beginn des Tandems schon eine Fachdidaktik-I-Veranstaltung besucht haben.

Da die Uni-Studierenden bereits in der Bachelorphase eine Fachdidaktik-Vorlesung an der Pädagogischen Hochschule besuchen, die PH-Studierende in ihrem ersten Semester wiederum fachwissenschaftliche Vorlesungen an der Universität, wird eine inhaltliche und curriculare Kohärenz in der Lehrerausbildung bereits vor dem Besuch des Tandems im „Master of Education“ gewährleistet.

Durchführung

Das von den Dozierenden ausgewählte Forschungsthema wird zunächst in einen direkten Zusammenhang mit dem aktuellen Bildungsplan gebracht, um sowohl die Relevanz als auch das didaktische Potenzial des Themas für die Studierenden deutlich zu machen. Anschließend werden verschiedene Forschungsfelder und -ansätze des jeweiligen Themas wissenschaftlich bearbeitet. Dies bietet kontinuierlich Anlass sowohl für eine Diskussion der fachwissenschaftlichen Ergebnisse im fachdidaktischen Kontext als auch für eine kritische Reflexion von verschiedenen Umsetzungen im Medium Schulbuch. Durch das stete Herstellen von Bezügen werden Fachwissenschaft und Fachdidaktik nicht additiv nacheinander behandelt.

Im zweiten Tandemteil werden eben diese fachwissenschaftlichen Ergebnisse verstärkt in den fachdidaktischen Diskurs gebracht. Neuere Forschungsansätze des gewählten Themas werden durch die Konzeption von Unterrichtsplänen im Sinne historischen Denkens und Lernens neu reflektiert. Um auch die Schulpraxis in das Lehrkonzept einzubeziehen, werden an Schulen, mit denen eine Kooperation etabliert wurde, am Ende des zweiten Semesters einzelne Stunden von den Studierenden gehalten.

Der erste Teil des Tandems wird hauptsächlich durch einen Dozierenden der Universität durchgeführt, der zweite durch eine Lehrperson der Pädagogischen Hochschule, wobei die Verantwortung für die Planung und Vorbereitung bei beiden liegt und auch ergänzend zum fachwissenschaftlichen oder fachdidaktischen Schwerpunkt durch den jeweiligen Dozierenden Sitzungen, Teile von Sitzungen, Materialien, Hintergrundinformationen, usw. bereit gestellt werden. Beide Dozierenden sind also in jedem Semester, unabhängig von ihrem eigenen Schwerpunkt, an der Seminargestaltung und -durchführung beteiligt und bringen in beiden Tandemteilen ihr Wissen und ihre Erfahrung mit ein.

Überprüfung des Lernerfolgs

Es werden Evaluationen, die auf das Tandemkonzept zugeschnitten wurden, an drei Phasen jeweils eines Tandemteils durchgeführt, nämlich zu Beginn, in der Mitte und am Ende, um die Wahrnehmung der Studierenden hinsichtlich des Konzepts, der Durchführung und der Wirksamkeit des Tandems aufzunehmen und das Konzept gegebenenfalls daran anzupassen.

Grundsätzlich wird eine Abstimmung von Lernzielen, Lehr-Lernformen und Prüfungsformen angestrebt. Um eine gezielte Steuerung der Wahrnehmung von Kohärenz seitens der Studierenden zu gewährleisten, werden derzeit ebenso semesterbegleitende reflexionsanregende und selbstregulierende Lernformate als integrative Studienleistung erprobt, die Fachwissenschaft und Fachdidaktik miteinander verbinden. Zudem besteht die Möglichkeit, am Ende des jeweiligen Seminars mit einer Hausarbeit, bestehend aus fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Anteilen, einen benoteten Schein zu erhalten.

Rolle und Aufgaben des Lehrenden

Die Lehrenden führen vor allem durch ihre gemeinsame Planung und Durchführung des Tandemseminars Fachdidaktik und Fachwissenschaft professionsorientiert zusammen und verdeutlichen den Studierenden durch ihre kollegiale Zusammenarbeit die Kohärenz beider Disziplinen. Dazu kommen die kontinuierliche Anleitung, Begleitung und Beurteilung der seminartypischen Aufgaben und Anforderungen für die Studierenden, wie zum Beispiel Hausarbeiten, Unterrichtsentwicklung, Reflexionen usw.

Rolle und Aufgaben des/der Studierenden

Die Studierenden sollen sich auf das neue Lehrkonzept einlassen und mit ihrer Mitarbeit ebenfalls zu einer kohärenten Lehrerausbildung beitragen. Besonders durch die Reflexionen über das Konzept können Studierende dazu beitragen, das Tandem stetig zu verbessern und ihren eigenen Lernerfolg, Lernzuwachs und ihre Wahrnehmung zur Lehrerausbildung, Lehrerprofession und zur Kohärenz zwischen Fachdidaktik und Fachwissenschaft kritisch zu hinterfragen und zu reflektieren.

Besonderheiten

Da eine kohärente und professionsorientierte Lehrerausbildung eine Zusammenführung von Fachdidaktik und Fachwissenschaft beinhaltet, die Pädagogische Hochschule auf dem einen, die Universität auf dem anderen Gebiet kompetente und qualifizierte Lehrende stellen kann, bietet sich eine kollegiale Zusammenarbeit der Institutionen auf Veranstaltungsebene an.

 

Bewertung

Chancen

Dadurch, dass Studierende der Pädagogischen Hochschule und der Universität gemeinsam über zwei Semester hindurch sich mit einem Thema befassen, wird der Austausch zwischen den beiden Hochschulen nicht nur auf Ebene der Dozierenden anregt. Beide Studierendengruppen können von den Erfahrungen und dem Wissen der jeweils anderen Hochschule profitieren und dabei ihre Sicht auf die Lehrerausbildung und die Verknüpfung von Fachwissenschaft und Fachdidaktik erweitern.

Rückmeldung / Evaluation

Insgesamt ist der Bedarf an kohärenten Lehrveranstaltungen als gut zu bewerten: 47,5% der Befragten schätzen die Relevanz des Konzeptes für eine zukünftige professionsorientierte Lehramtsausbildung als „sehr gut“ und 37,5% als „gut“ ein. 76% der Befragten gaben an, dass Sie das Konzept empfehlen und gern mehr Lehrveranstaltungen besuchen würden, die speziell auf die Profession und auf das Berufsbild Lehrer und Lehrerin zugeschnitten sind: „Die Arbeit mit Studenten der Pädagogischen Hochschule Freiburg war interessant und sehr ertragreich. Insbesondere bei der Vorbereitung unseres Referates fand ein reger Austausch statt. Mein Referatspartner, der an der PH studiert, kannte sich besonders in der Didaktik aus, während ich mich überwiegend mit der Wissenschaft beschäftigt hatte. Uns beiden hat das Referat einen tieferen Einblick in den jeweils anderen Bereich gebracht.“

(Evaluation 2016, Studierendenmeinung)

Resümee

Das Tandemprojekt „Fachwissenschaft trifft Fachdidaktik!“ ist eine gute Möglichkeit, die Lehrerbildung in Freiburg kohärent und professionsorientiert zu gestalten. Die gemeinsame Kooperation bietet sowohl für Dozierende als auch für Studierende beider Hochschulen vielfältige Möglichkeiten einer interdisziplinären Verknüpfung und institutionellen Austauschs.

 

Weiterführende / vertiefende Informationen

Quellen / Literatur

Buck, Thomas Martin; Kreutz, Jessica, Fachwissenschaft trifft Fachdidaktik. Das Freiburger Modell in der Lehrerbildung im Fach Geschichte, in: Integrative Lern- und Lehrformate in der Lehrerbildung, Greifswalder Beiträge zur Hochschullehre 8, 2017 (im Druck).

Kreutz, Jessica; von Reden, Sitta, Geschichtswissenschaft und Geschichtsdidaktik im Dialog. Das Thema Migration und Kolonisation in der griechischen Antike in Wissenschaft und Schule, in: VHD Journal 6, 2017 (im Druck).

Link

Poster-Präsentation, Tag des Lernens und Lehrens, Universität Freiburg am 18.11.2016, online verfügbar unter http://www.lehrentwicklung.uni-freiburg.de/projekte/tdll2016/poster (Stand 3.3.17).

Ansprechpartner/innen

Professor Thomas Martin Buck: https://www.ph-freiburg.de/de/sozialwissenschaften/institut/mitglieder/geschichte/prof-dr-thomas-martin-buck.html

Dr. Jessica Kreutz: http://www.face-freiburg.de/staff-members/jessica-kreutz/

Rebekka de Vries: http://www.mittelalter1.uni-freiburg.de/personal/de-vries.html