Klein, aber fein: Klausurtagung der Wirtschaftswissenschaftler zur Planung einer kompetenzorientierten Lehre für den Master of Education

20.02.2017

Die Planung innovativer kompetenzorientierter Lehre ist ein zentrales Anliegen der Maßnahme M 1 „Lehrkohärenz“, das in den einzelnen Fachbereichen umgesetzt werden soll. Dies ist insbesondere in den Wirtschaftswissenschaften eine Herausforderung, da in diesem Fachbereich ein gänzlich neuer Studiengang für das gymnasiale Lehramt entwickelt wird.

Kurz zum Hintergrund: Bis zum WS 2015/16 war das Fach Wirtschaft in den Lehramtsstudiengang Politikwissenschaft/ Wirtschaftswissenschaft integriert. Im Zusammenspiel mit der Einführung des neuen Bildungsplans 2016, in dem Wirtschaft als eigenständiges Fach „Wirtschaft“ bzw. „Wirtschaft / Berufs- und Studienorientierung (WBS)“ an allgemeinbildenden Schulen ausgewiesen wird, wurde ein eigenständiger Lehramtsstudiengang Wirtschaftswissenschaften auf Basis des polyvalenten Zwei-Hauptfächer Bachelorstudienganges Wirtschaftswissenschaften (mit Option Lehramt Gymnasien) eingeführt, der zusammen mit dem Master of Education die Zulassung zum Vorbereitungsdienst für das höhere Lehramt ermöglicht.

Beispielhaft wurden im Rahmen der Klausurtagung der Wirtschaftswissenschaftler der Universität und der Pädagogischen Hochschule zwei Veranstaltungen, die beide im 1. Fachsemester des Master of Education stattfinden werden, in den Fokus genommen: die fachwissenschaftliche Vorlesung „Geschichte der Ökonomik: Zentrale Theorien und Entwicklungslinien“ (Dozent: Tim Krieger) und die fachdidaktische Vorlesung „Lehren und Lernen in zentralen ökonomischen Bereichen“ (Dozentin: Franziska Birke). Während die fachwissenschaftliche Vorlesung einen dringend benötigten und immer wieder in der aktuellen Diskussion um das Fach Wirtschaft eingeforderten Überblick über die Entwicklung wirtschaftswissenschaftlicher Theorien gibt sowie die Theoriebildungsprozesse anhand empirischer Daten reflektiert, sind Themen der fachdidaktischen Vorlesung die grundsätzliche Frage der didaktischen Reduktion, z.B. allgemeinverständliche Formulierung fachlicher Inhalte, die Diagnose von Schülervorstellungen, Lernprozessen und Lernergebnissen (vorher, während, nach), die Entwicklung guter Aufgaben sowie die Differenzierung.

Strukturiert wurde die Tagung entlang des Advance Organizer, der von der Abteilung Hochschuldidaktik zur kompetenzorientierten Studiengang- und Curriculumentwicklung entworfen wurde. Nach einer kurzen fachlichen Einführung von Christiane Klein (Abteilung Hochschuldidaktik), die auch die Planungssitzung moderierte, erläuterte Vivian Conrad (M1, Lehrkohärenz) ein Umsetzungsbeispiel anhand einer nach dem 4C/ID-Modell geplanten Veranstaltung aus dem polyvalenten Zwei-Hauptfächer Bachelorstudiengang Wirtschaftswissenschaft. Danach ordneten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den zwei Vorlesungen auf Basis der RahmenVO-KM Kompetenzen zu, was zu einer lebhaften Diskussion über verschiedene Niveaus innerhalb der Kompetenzentwicklung führte, denn ein allgemeines Modell für eine Kompetenzentwicklung besteht noch nicht. Im Anschluss wurden Lernziele und Inhalte der Veranstaltungen festgelegt. Im Sinne des Constructive Alignment wurden immer wieder Lernziele, Lehr-/Lern-Aktivitäten und die Prüfungsformen miteinander abgeglichen. Besonders in Bezug auf die organisatorischen Rahmenbedingungen – bei beiden Veranstaltungen handelt es sich um Veranstaltungen, die nicht allein für Studierende des gymnasialen Lehramts ausgebracht werden – waren kreative Ideen gefragt.

Im Ergebnis konnten erste Vereinbarungen bezüglich der organisatorischen und inhaltlichen Verbindung zweier zentraler Wissensdomänen (Fachwissenschaft und Fachdidaktik) getroffen werden: Die beiden Vorlesungen werden zeitlich so aufeinander abgestimmt, sodass ein gegenseitiger inhaltlicher Bezug möglich wird. Der inhaltliche Bezug ist auf verschiedenen Ebenen denkbar, z.B. durch eine Präsentation von Inhalten in der jeweils anderen Veranstaltung für die Studierenden, die nicht beide Veranstaltungen besuchen. Dies könnte durch Vorträge oder aber auch durch kleine Texte, die von Studierenden in Form von Tweets verfasst werden, geleistet werden. Die zweite Überlegung besteht in der Entwicklung von Lernaufgaben, die auf die explizite Positionierung bzgl. einer wirtschaftswissenschaftlichen Debatte abzielen. Erfahrungsgemäß haben Studierende Schwierigkeiten damit, einen eigenen Standpunkt zu formulieren, nachdem sie sich zuvor in zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten in Abwägung geübt haben. Diese Lernaufgaben können dann sowohl aus fachwissenschaftlicher als auch aus fachdidaktischer Sicht bearbeitet werden.

Eine weitere Klausurtagung zur Weiterentwicklung der bisherigen Ideen und zur konkreten Konzeption von Lernaufgaben ist bereits in Planung.

Im Rahmen der BMBF-geförderten „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ wurden in Freiburg Mittel zur Lehrentwicklung eingeworben. Eine dazugehörige Fördermaßnahme ist die Ausrichtung vollfinanzierter Klausurtagungen (z.B. auch unter Einbezug externer Expertise). Interessierte Fachbereiche können sich an projektmanagement@face-freiburg.de wenden.