Mentoring an der PH Freiburg: ein Erfahrungsbericht

An der Pädagogischen Hochschule Freiburg wird Mentoring als Instrument der Personalentwicklung und Studierendenförderung gezielt eingesetzt: Zum einen durch das Programm MenTa – Mentoring im Tandem, z.B. für promovierende Lehrerinnen. Zum anderen im Rahmen eines MINT-Mentoring-Angebotes für Studienanfänger*innen im Fachbereich Technik.

MINT-Mentoring im Fachbereich Technik

Das MINT-Mentoring-Angebot zielt darauf ab, Studienanfänger*innen in ihrer Motivation für das Studium zu bestärken und in ihrem Studienerfolg zu fördern. Dafür werden sie während der Studieneingangsphase von erfahrenen Studierenden aus höheren Fachsemestern begleitet, die als konstante Ansprechpersonen für Fragen zur Verfügung stehen.

Das Programm entstand im Rahmen eines MINT-Förderprojekts der Stabsstelle Gleichstellung, akademische Personalentwicklung und Familienförderung in Kooperation mit der Abteilung Technik. Die Stabsstelle Gleichstellung setzt sich bereits seit Jahren für Geschlechterparität in den Studienfächern ein. Neben Projekten zur Akquise von Studenten für das Grundschullehramt – dort ist in umgekehrtem Verhältnis eine ähnlich ungleiche Verteilung von Frauen und Männern zu verzeichnen – werden Projekte zur Erhöhung des Frauenanteils in sogenannten MINT-Fächern durchgeführt. Das MINT-Mentoring-Programm knüpft an den nach wie vor niedrigen Frauenanteilen im Fach Technik, insbesondere in den berufsbildenden Masterstudiengängen an (Stand April 2019: BA-Studiengänge 36 %; MA-Berufsbildende Lehramtsstudiengänge 11.5 %); deshalb werden Studentinnen für eine Teilnahme explizit angesprochen.

In der praktischen Durchführung werden die Studierenden der höheren Semester, die sich als Mentor*innen zur Teilnahme gemeldet haben, in einer Schulung zum Mentoringkonzept informiert und auf ihre Rolle vorbereitet. Zum Auftakt lernen sich die Mentoring-Tandems in einer Einführungsveranstaltung zu Semesterbeginn kennen, dabei stehen Themen wie der persönliche Bezug der Teilnehmer*innen zum Fach, Studienmotivation und Genderaspekte im MINT-Bereich im Vordergrund. Innerhalb der Tandems werden eins-zu-eins-Gespräche während des Semesters autonom organisiert. Eine online zur Verfügung stehende Materialiensammlung unterstützt die Mentor*innen in ihrer Rolle für Gesprächs- und Beratungssituationen. Erfahrungsgemäß stehen im Fokus der Gespräche z.B. Entwicklungen im Studienverlauf, Unsicherheiten und Zweifel sowie persönliche Studienziele der Mentees. Die Gespräche zwischen Mentee und Mentor*in bieten die Möglichkeit, sich von Studierenden zu Studierenden auszutauschen und dabei vom jeweiligen Erfahrungshorizont zu profitieren.

Seit dem Wintersemester 2016/17 wurden insgesamt 20 Studienanfänger*innen in ihrer Studieneingangsphase in Mentoring-Tandems aktiv unterstützt. In ihrem Feedback erwähnen die Mentees die hilfreiche Orientierung bei der Menge an Infos zu Studienbeginn wie auch die Klärung organisatorischer Fragen als gewinnbringend. Zudem betonen einzelne, dass „man sich sicherer und besser unterstützt fühlt“ und Mut zugesprochen bekommt. Die meisten Mentees erklären sich bereit, zu einem späteren Zeitpunkt auch als Mentor*in im Programm zur Verfügung zu stehen, um damit ihren eigenen Profit aus dem Programm weiterzugeben.

Die positiven Erfahrungen im Fachbereich Technik sprechen für eine Ausweitung des Mentoring-Angebotes auf andere MINT-Fachbereiche. Insbesondere im Fachbereich Berufspädagogik bietet das Angebot die Chance, die angehenden Berufsschullehrkräfte mit diesem erfolgreichen Format gezielt in ihrer Studieneingangsphase zu fördern und für den Schuldienst zu motivieren.

Das MenTa-Programm zur Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen

Im Programm MenTa – Mentoring im Tandem  werden hochmotivierte Nachwuchswissenschaftlerinnen der Hochschule durch ein one-to-one-Mentoring mit hochschulexternen Wissenschaftler*innen und Führungspersonen sowie im Rahmen von moderierten Peergruppen-Treffen und durch individuelles Karrierecoaching gefördert. Zentrale Themen dabei sind Netzwerkkompetenz, Publikationsaktivitäten, Karrieregestaltung, fachwissenschaftlicher Austausch und informeller Wissenstransfer.

Zielgruppe sind (Post-)Doktorandinnen, Habilitandinnen und Juniorprofessorinnen an der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Das Programm wurde im Rahmen der Frauenförderung im Professorinnenprogramm des Bundes- und der Länder (2009-2019) aufgelegt und verstetigt.

Seit Programmbeginn im Jahr 2012 haben mehr als 50 Post-/Doktorandinnen der PH und ebenso viele Mentor*innen am Frauenförderprogramm teilgenommen (Liste mit Mentor*innen, die sich bisher im Programm engagiert haben). Dabei ist die Vielfalt der Fachbereiche, der Universitäten und (Bildungs-)Institutionen, aus denen Mentees wie Mentor*innen kommen, genau so beeindruckend wie die Berufsfelder und Professuren, die einige der Nachwuchswissenschaftlerinnen an Universitäten, in Unternehmen und Bildungsinstitutionen inzwischen erreicht haben.

Zum Mentor*innen-Pool zählen Professor*innen aus Universitäten, HAW und Pädagogischen Hochschulen in Deutschland, der Schweiz und Österreich, wie auch Führungspersonen in Wirtschaftsunternehmen und Bildungsinstitutionen. Dabei waren Mentees wie Mentor*innen u. a. aus den Fächern Mathematik, Romanistik, Erziehungswissenschaft, Psychologie, Kunst, Germanistik, Physik, Gesundheits- und Wirtschaftspädagogik vertreten.

Ziel der Maßnahme ist die Förderung junger Wissenschaftlerinnen während der Qualifizierungsphase, insbesondere die formale Begleitung in Entscheidungsprozessen zur Karriereorientierung, bei der Positionierung in der Scientific Community, bei der Vereinbarkeit von Wissenschaft und Familie oder in Konfliktsituationen. Hintergrund ist der nach wie vor hohe Ausstieg hochqualifizierter Wissenschaftlerinnen aus dem Hochschulbereich wie auch der geringe Frauenanteil auf professoraler Ebene und in Führungspositionen.

Wie beschreiben nun die Mentees und Mentor*innen ihre Motivation, ihre konkreten Erfahrungen und Gewinne aus der Teilnahme am MenTa-Programm? Antworten auf diese Fragen erhielten wir aus der internen Evaluation mittels (Telefon-)Interviews, persönlichen Feedback-Gesprächen und schriftlichen Abschlussberichten (siehe auch Radiosendung vom 02.07.2018). So ist es der bewertungsfreie Austausch mit beruflich erfolgreichen Wissenschaftler*innen und auch mit gleichgesinnten Peers, der den Teilnehmerinnen Sicherheit und Ermutigung vermittelt. Der „Blick von außen“ wie auch die weitgehend bewertungsfreie Beziehung mit den Mentor*innen wird sehr geschätzt, denn vor allem, wenn es um Schwierigkeiten während der Dissertation, um Karriereplanung oder Familiengründung geht, ist es für die Nachwuchswissenschaftlerinnen oft leichter, sich mit dem Mentor*in auszutauschen.

Darüber hinaus profitiert auch die Hochschule von dieser Form der Vernetzung im Rahmen des MenTa-Programms, denn sie kann damit einerseits die Förderung ihrer Nachwuchskräfte bereichern. Andererseits bietet sich auch die Chance ihr Image als Pädagogische Hochschule  zu stärken, indem durch das Mentoring-Angebot die Sichtbarkeit ihrer besonderen Forschungsleistungen nach außen erhöht wird.

Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen mit dem Instrument Mentoring an der Pädagogischen Hochschule verfolgen wir eine Weiterführung und Etablierung bedarfsorientierter Mentoringangebote, um entsprechend dem 2017 aufgelegten Personalentwicklungskonzept zielgruppenspezifische Angebote zur Förderung und Qualifizierung von Masterstudierenden und hochqualifizierten (Nachwuchs-) Wissenschaftler*innen zu verankern.