Erfolgreiche Kombination aus Präsenz- und Onlineteilnahme bei der Tagung „Kleidung in Bewegung“

Für die Tagung „Kleidung in Bewegung. Bewegungsübertragungen von Körper zu Kleid und Kleid zu Körper“, welche als kombinierte Online- und Präsenzveranstaltung am 18. September 2020 an der Pädagogischen Hochschule unter der Leitung von Dr. Jutta Krauß und Prof. Dr. Anne-Marie Grundmeier stattfand, wurden unterschiedliche wissenschaftliche und künstlerische Perspektiven auf das Verhältnis von Körper und Kleidung in Bewegung eröffnet.

Kleid und Körper in Bewegung zu denken, bedeutet Bewegungsübertragungen von Körper zu Kleid und Kleid zu Körper zu fokussieren. Kleidung in Bewegung begegnet uns im Alltag, in der Kunst und im Sport. Dabei finden vielfältige Bewegungsübertragungen statt und unterschiedliche Denkweisen werden aufgerufen, dieses Verhältnis zu beleuchten.

An der Tagung nahmen insgesamt ca. 40 Personen teil – etwas mehr als die Hälfte der Teilnehmer*innen waren vor Ort, die weiteren Teilnehmer*innen konnten sich per Videokonferenz zuschalten. Zur Zielgruppe der Tagung zählten neben Wissenschaftler*innen und Künstler*innen aus unterschiedlichen Disziplinen auch Lehrkräfte. Die wechselseitige Beziehung zwischen Kleidung, Körper und Bewegung findet sich beispielsweise im Bekleidungsverhalten von Schüler*innen, welches im Fach Alltagskultur, Ernährung, Soziales (AES) reflektiert werden kann. Im Fach Bildende Kunst kann exemplarisch aufgezeigt werden, wie die Modefotografie Geschlechterbilder prägt oder umwandelt. Die literarische Darstellung von bekleideten Körpern in Bewegung kann im Fach Deutsch als Ausgangspunkt für Reflexionen von Bewegungsübertragungen, wie sie in der Sprache ihren Ausdruck finden, genommen werden. Welche Rolle der Rhythmus bei Bewegungsübertragungen zwischen Kleid und Körper einnimmt, kann im Fach Musik erfragt werden. Vorherrschende Kleidungsstrategien im Sport rufen zum Nachdenken über das Zusammenspiel von auf dem Körper getragenen Textilien und Bewegung auf.

Dr. Melanie Haller (Universität Paderborn) und Prof. Dr. Anne-Marie Grundmeier (Pädagogische Hochschule Freiburg) bei der Eröffnung der Tagung "Kleidung in Bewegung"
Dr. Melanie Haller (Universität Paderborn) und Prof. Dr. Anne-Marie Grundmeier (Pädagogische Hochschule Freiburg) bei der Eröffnung der Tagung „Kleidung in Bewegung“ (Foto: Petra Lang)

Keynote

Eröffnet wurde die Tagung mit dem Beitrag „Bewegende und bewegte Kleiderkörper – über Relationen zwischen Körpern, Kleidern und Bewegungen“ von Dr. Melanie Haller (Universität Paderborn). Ausgehend von der Rahmung der Konzepte Bewegung, Kleidung und Körper zeigte sie auf, wie Bewegungskulturen eng mit Körperkonzepten verwoben sind und Sportarten Körper bilden und ausformen. Zeithistorische Einblicke in die Sportkleidung gaben Auskunft über spezifische Körperformierungen und Bewegungsmöglichkeiten durch Kleidung.

Textile Materialien in Bewegung

Das Verhältnis von Körpern, Kleidobjekten und Bewegung veranschaulichten Hannah Kindler und Prof. Dr. Anne-Marie Grundmeier (Pädagogische Hochschule Freiburg) ausgehend von dem interdisziplinären Projekt „Fashionable Objects Made for Dancing“, welches im Wintersemester 2018/19 als Kooperation der Fachrichtungen Alltagskultur und Gesundheit mit Sportwissenschaft und Sport im Rahmen des Lehramtsstudiums durchgeführt und hochschulöffentlich präsentiert wurde. In ihrem Beitrag legten sie dar, wie Studierende bewegungseinschränkende Kleidobjekte kreierten. Dabei zielte das Projekt auf die Erarbeitung einer Choreografie und die Kreation von Objekten mit textilen Techniken.

Die Tanzwissenschaftlerin Dr. Jutta Krauß (Pädagogische Hochschule Freiburg) zeigte mit der Tänzerin Julia Galas die „Lecture-Performance: Bewegungsbilder zwischen Körper und Kostüm“. Dabei kamen gleichzeitig eine tanzwissenschaftliche Aussage und ein tänzerisches Ereignis auf die Bühne. Somit konnten anhand konkreter Verkörperungsprozesse Bewegungsübertragungen zwischen Körper und Kleid sowie Kleid und Körper in einer wissenschaftlichen Aussage gefasst werden. Die Betrachtungen des Philosophen Gilles Deleuze zu Kino-Ereignissen dienten dabei dazu, Bewegungs-Bilder aus dem Bühnenstück „mitteschön“ (Julia Galas/Steffi Sembdner 2019) zu identifizieren.

Tanzwissenschaftlerin Dr. Jutta Krauß (Pädagogische Hochschule Freiburg) mit der Tänzerin Julia Galas während der „Lecture-Performance: Bewegungsbilder zwischen Körper und Kostüm“
Tanzwissenschaftlerin Dr. Jutta Krauß (Pädagogische Hochschule Freiburg) mit der Tänzerin Julia Galas während der „Lecture-Performance: Bewegungsbilder zwischen Körper und Kostüm“ (Foto: Petra Lang)

Dr. Elna Matamoros (Zürcher Hochschule der Künste) stellte mit ihrem Beitrag „Dance Shoes and Gender Perspectives: Fragile Femininity versus Earthy Manhood“ gendertheoretische Fragen bezüglich der Tanzgeschichte vor. Ausgehend von Tanzschuhen und ihren tanzhistorischen Einordnungen warf sie einen Blick auf soziokulturelle Hintergründe und spezifische Deutungen von Männlichkeit und Weiblichkeit.

Im Zentrum des Vortrags „Bewegung von Körper und Material in Manda von Kreibigs Tanzgestaltungen“ lotete Dr. Claudia Fleischle-Braun (ehemalige wissenschaftliche Mitarbeiterin, Universität Stuttgart) die Bezugnahme von Tanzgestaltungen und Kostümgestaltungen aus. Ausgangspunkt ihrer Betrachtungen sind die Papier-Funktionstänze von Manda von Kreibigs Kreationen aus dem Jahre 1930. Anhand von Fotografien illustrierte sie, welche optischen Eindrücke diese Tänze erzeugen. Außerdem wurden von Kreibigs Tanzkreationen in den Kontext der Bauhausgeschichte eingebettet und stellen neben den berühmten Tänzen von Oskar Schlemmer eine kaum rezipierte Tanzgeschichte dar.

Aus der Perspektive der Fachdidaktik Design & Technik beleuchtete Prof.‘in Christine Rieder (Pädagogische Hochschule der FHNW, Basel) Phasen des Designprozesses. Die Lerneinheit „Kopfbedeckung – nur ein Accessoire?“, welche auch der Titel ihres Tagungsbeitrages war, wurde mit fachfremden Lehrpersonen in der Schweiz im Rahmen einer Weiterbildungsmaßnahme umgesetzt. Die Präsentation der gestalteten Kopfbedeckungen brachte zum Ausdruck, dass Kopfbedeckungen mehrere Funktionen erfüllen, ästhetisches Ausdrucksmittel sind und für eine gestalterische Auseinandersetzung in Schulen als besonders bedeutsam erachtet werden können.

Bewegungsübertragungen in Raum und Zeit

Eine soziokulturelle und historische Aufarbeitung von Reisekleidung zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahm Isabelle Berens (Doktorandin, Universität Paderborn) vor. In ihrem Beitrag „Auf großer Fahrt? Reisekleidung zu Beginn des 20. Jahrhunderts“ widmete sie sich den Bekleidungsstrategien der ersten Autofahrer*innen, indem sie die Staubmäntel, welche bei Autofahrten in den 1910er Jahren getragen wurden, in den Fokus nahm.

„Von der Antike zum modernen Kostüm: Zu Mode-als-Bewegtbild als kinematographischem Erfahrungsmodus“ lautete der Beitrag von Bianka-Isabell Scharmann (Doktorandin, Universität Amsterdam), in welchem sie filmische Modepräsentationen vergleichend betrachtete.

Gabriele Bauer-Feigel (Historikerin, Modemuseum Feigel) zeigte mit ihrem Beitrag am Beispiel eines Eislaufkostüms aus dem Jahre 1950 und eines Skianzuges aus dem Jahre 1929 die Wechselwirkungen zwischen Körpern und Sportbekleidung im historischen Wandel unter Berücksichtigung gendertheoretischer Fragestellungen auf.

Fazit

Die kombinierte Online-und Präsenzveranstaltung ermöglichte eine internationale Teilnahme von Referent*innen und Teilnehmer*innen. So war es möglich, dass ein breit gefächerter Blick auf das Thema geworfen werden konnte und alle Beteiligten – auch aus der Ferne – mitdiskutieren konnten. Unterstützt wurde die Tagung von der „Praxisvernetzung & Fort- und Weiterbildung“ der School of Education FACE sowie der Gleichstellungsstelle und der Genderkommission der Fakultät für Mathematik, Naturwissenschaften und Technik. Technisch unterstützt wurde diese hybride Tagung durch das ZIK und organisatorisch durch Mitarbeiterinnen des Instituts für Alltagskultur, Bewegung und Gesundheit.

Jutta Krauß
Anne-Marie Grundmeier

 

Aus der Evaluation

„Interdisziplinäre Ausrichtung“

„Interessante Vorträge“ ; „fächerübergreifend“ ; „unterschiedlicher wissenschaftlicher Hintergrund der Referentinnen“

„Eine anregende und interessante Tagung! Habe in der kurzen Zeit, in der ich teilnehmen konnte, viel mitgenommen.“

Weitere Informationen

Informationen zur Tagung auf der Webseite des „Zentrum für Lehrkräftefortbildung“ (ZELF)

Flyer zur Tagung