Ein Jahr „FACE – Berufliches Lehramt“: Positive Zwischenbilanz beim PH-internen Online-Vernetzungstreffen am 16. Juni 2021

Das zweite Vernetzungstreffen im Projekt „FACE – Berufliches Lehramt“ fand am 16. Juni 2021 online statt. Über den aktuellen Stand der Kernmaßnahmen wurde berichtet und Herausforderungen bei der Umsetzung benannt.

Am 1. März 2020 startete das Projekt „FACE: Strukturentwicklung und Rekrutierung im Beruflichen Lehramt (gewerblich-technische Mangelfächer)“, kurz: „FACE – Berufliches Lehramt“ an der Pädagogischen Hochschule Freiburg (PH). Es wird im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bis Ende 2023 gefördert. Ein erstes Vernetzungstreffen zu Beginn der Förderung fand im April 2020 im PH-internen Rahmen statt. Nun, nach einem Jahr, wurde es Zeit, den Stand der sechs Projektmaßnahmen gemeinsam mit den Professor*innen in den Blick zu nehmen und dabei auch die Herausforderungen bei der Umsetzung zu benennen. Dr. Martina von Gehlen organisierte zusammen mit ihrem Kollegen Dr. Christoph Hertrich (A4: Nachhaltige Zusammenarbeit mit allen Akteur*innen der Lehrerbildung) die zweite PH-interne Vernetzungsveranstaltung des Projekts für die Projektmitarbeitenden, assoziierten Professor*innen und Forschenden, die am 16. Juni 2021 online stattfand.

Foto 1: Teilnehmer*innen des PH-internen Online-Vernetzungstreffens (Projektteam, assoziierte Professor*innen und Forschende)

In ihren Aufgaben unterstützt werden Dr. von Gehlen und Dr. Hertrich von der wissenschaftlichen Hilfskraft Helena Mucha, die sich im Folgenden kurz vorstellt und auch im weiteren Blogpost ihre Eindrücke der Vernetzungsveranstaltung aus studentischer Sicht einfließen lassen wird:

Foto 2: Helena Mucha

Mein Name ist Helena Mucha, derzeit befinde ich mich im ersten Mastersemester des Studiengangs „M. Ed. Höheres Lehramt an Beruflichen Schulen – Ingenieurpädagogik (Medientechnik/Wirtschaft)“ an der Pädagogischen Hochschule Freiburg (PH) und der Hochschule Offenburg (HAW). Im März 2021 habe ich meinen Bachelor im Studiengang „B. Eng. Medientechnik/Wirtschaft plus“ erfolgreich abgeschlossen. Mit dem Masterstudiengang möchte ich nun meine fachlichen Kenntnisse und mich persönlich weiterentwickeln. Langfristig möchte ich damit meinen Berufswunsch als Lehrerin an einer beruflichen Schule verwirklichen.

Die Tätigkeit als wissenschaftliche Hilfskraft im Projekt „FACE – Berufliches Lehramt“, die ich seit Mitte Juni ausübe, begeisterte mich sofort, weil es sich hierbei um projektorientierte Arbeitsweisen sowie um einen hohen Anteil an praktischen Tätigkeiten handelt. Durch die Teilnahme am PH-internen Vernetzungstreffen bekam ich gleich einen guten Einstieg in alle wichtigen Themen des Projekts und konnte viele der Projektbeteiligten kennenlernen. Ich lasse nun das Treffen und meine Eindrücke in diesem Bericht Revue passieren.

Helena Mucha

Zur Begrüßung ordnete Prof. Dr. Ulrich Druwe (Rektor der PH Freiburg) die Projektziele in den hochschulpolitischen Kontext ein und Prof. Dr. Hans-Georg Kotthoff – Geschäftsführer der School of Education (SoE) FACE – erläuterte anschließend, wie das Projekt zu den zentralen Zielen der SoE FACE, der Kohärenz und Professionsorientierung, beiträgt. Anschließend stellten die Projektmitarbeiter*innen aus den Projektmaßnahmen A1 bis A4 (A – Strukturentwicklung) sowie B1 und B2 (B – Rekrutierung von Studierenden und Stabilisierung einschlägiger Studienentscheidungen bzw. Studienverläufe) in jeweils fünfminütigen Kurzberichten ihre Teilprojektziele und Umsetzungsschritte vor und gingen auf die vielfältigen Schnittstellen innerhalb der Projektteile sowie die aktuellen Herausforderungen ein. Da in der Kürze der Zeit nicht alle Fragen abschließend diskutiert werden konnten, wurden diese auf einem Padlet gesammelt und werden im weiteren Projektverlauf als Ausgangspunkt für weitere Klärungen dienen.

Ich freute mich, mehr über das Projekt, in dem ich nun mitarbeite, zu erfahren, als am 16.06.2021 die Vernetzungsveranstaltung von Dr. Martina von Gehlen und Dr. Christoph Hertrich eröffnet wurde. Einen Tag zuvor war mein erster Tag als wissenschaftliche Hilfskraft an der PH Freiburg. Ich hatte mir bereits einen Überblick über das Projekt verschafft und Dr. Martina von Gehlen gab mir eine kleine Einführung und einen ersten Einblick über meine Aufgaben und die Projektziele. Die Veranstaltung direkt zu Beginn meiner Tätigkeit hat mir die Einarbeitung erleichtert.

Helena Mucha

Im Folgenden werden die einzelnen Projektaspekte näher beleuchtet:

Hochschulpolitische Bedeutung des Projekts „FACE – Berufliches Lehramt“

Prof. Dr. Ulrich Druwe, Rektor der PH Freiburg und Projektleiter

Zu Beginn der Veranstaltung stellte Prof. Dr. Ulrich Druwe die hochschulpolitische Bedeutung des Projekts „FACE – Berufliches Lehramt“ heraus. Er erläuterte, dass sich aufgrund einer aktuellen Pensionierungswelle der Bedarf an Lehrkräften in beruflichen Schulen in den nächsten Jahren weiter erhöhen wird. Aktuell bilden in Baden-Württemberg zwei Universitäten und sechs Pädagogische Hochschulen Berufsschullehrkräfte aus, allerdings kann die Absolventen*innenzahl den Bedarf der beruflichen Schulen an grundständig ausgebildeten Lehrkräften nicht decken. Die PH Freiburg setzt sich schon seit vielen Jahren dafür ein, dass Berufsschullehrkräfte neben der geforderten fachlichen Expertise im Studium fundierte fachdidaktische Kompetenzen erlangen, um komplexe Fachinhalte der heterogenen Schülerschaft zielgruppenorientiert vermitteln zu können. Mit den Studienangeboten sollen mehr grundständig ausgebildete Lehrkräfte in Berufsschulen eingesetzt werden, bisher sind viele Lehrkräfte Quer- bzw. Seiteneinsteiger*innen. Prof. Dr. Druwe betonte, dass es hierzu nicht nur notwendig sei, neue Studierende für die kooperativen gewerblich-technischen Studiengänge der PH Freiburg und der HAW Offenburg zu gewinnen, sondern die aktuellen Studierenden und Referendar*innen auch auf ihrem Weg zu unterstützen und zu begleiten, da den Studierenden Angebote zu einer Karriere im Ingenieur*innenberuf in der Wirtschaft oft attraktiver erscheinen.

Bei den Worten von Prof. Dr. Ulrich Druwe horchte ich auf: Lehrkräfte an beruflichen Schulen werden also gesucht! Prima – dachte ich mir! In einem Jahr habe ich meinen Master im Studiengang „M. Ed. Höheres Lehramt an Beruflichen Schulen – Ingenieurpädagogik (Medientechnik/Wirtschaft)“ in der Tasche. Meine Kommilitonen höherer Semester erhalten derzeit von Schulen, an denen sie sich bewerben, teilweise die Rückmeldung, dass es leider im Fach Medientechnik im Moment dort nur einen geringen Bedarf gibt. In den gewerblich-technischen Fachrichtungen Elektro- und Metalltechnik ist jedoch der aktuelle und zukünftig prognostizierte Bedarf sehr hoch. Abgesehen davon kommt es ja auch darauf an, wo man gerne örtlich hin möchte und das ist etwas, worauf man sich als Lehrkraft auch einstellen muss, dass es zwar ein sicherer Beruf als Beamtin ist, man sich aber im öffentlichen Dienst nur bedingt den Ort und die Schule aussuchen kann.

Helena Mucha

Kurzüberblick über die Struktur und Bedeutung der SoE FACE mit Übersicht der Handlungsfelder sowie Einordnung des Projekts „FACE – Berufliches Lehramt“

Prof. Dr. Hans-Georg Kotthoff, Geschäftsführender Direktor SoE FACE

Prof. Dr. Hans-Georg Kotthoff stellte den Veranstaltungsteilnehmer*innen die SoE FACE als wissenschaftliche Einrichtung der lehrerbildenden Hochschulen in Freiburg vor. Im Rahmen der SoE FACE wurden eine Reihe von Projekten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (QLB I und QLB II), des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (Lehrerbildung in Baden-Württemberg) und der EU (Erasmus+ Strategische Partnerschaften) eingeworben und verwaltet, zu denen auch das Projekt „FACE – Berufliches Lehramt“ (QLB III) zählt. Das Thema der Rekrutierung hat inzwischen neben dem beruflichen auch im allgemeinbildenden Lehramt einen großen Stellenwert. Prof. Dr. Kotthoff stellte vor allem die Schnittstellen zwischen dem beruflichen Lehramt und der SoE FACE dar, die in einer weiteren Vernetzungsveranstaltung der SoE FACE am 16. Juli 2021 noch einmal genauer beleuchtet wurden.

Foto 3: Prof. Dr. Ulrich Druwe (li) und Prof. Dr. Hans-Georg Kotthoff (re)

Prof. Dr. Andy Richter, Studiengangs- und Projektleiter in „FACE – Berufliches Lehramt“, wies darauf hin, dass bereits im ersten Projektjahr die Vernetzung einen großen Stellenwert hatte und diese im Rahmen von rund 60 mittelgroßen Projekttreffen, 15 Jour fixe-Terminen, 30 maßnahmenübergreifenden Treffen und vier Treffen mit externen Partner*innen, bspw. der IHK und HWK, sowie sieben Koordinierungstreffen und rund 4.000 E-Mails stattgefunden hat.

A1: Stärkung der Professionsorientierung durch Herstellung von Kohärenz

Carsten Lange

Carsten Lange und Dr. Katharina Hellmann bearbeiten in A1 das Ziel, stärker abgestimmte Lehrprogramme für die gewerblich-technischen Fachrichtungen Metall- und Elektrotechnik zu gestalten. Im Sommer 2021 wird für diese Kernmaßnahme A1 ein abgeordneter Lehrer als weiterer, neuer Mitarbeiter eingestellt, womit es nach über einem Jahr der Stellenvakanz schlussendlich gelungen ist eine qualifizierte Person für diese anspruchsvolle und spannende Tätigkeit zu gewinnen. Prof. Dr. Andy Richter erläuterte, dass die Vorgabe des Projektträgers, in A1 und B1 ausschließlich Mitarbeiter*innen aus dem beruflichen Lehramt einzustellen, eine zusätzliche Hürde für die Stellenbesetzung war, die sich aber aller Voraussicht nach durch deren Systemkenntnis auszahlen wird.

Carsten Lange stellte hiernach das erarbeitete Struktur-Verlaufsmodell vor, das die kooperativen Studiengänge mit der HAW Offenburg veranschaulicht. Durch den Modellaufbau werden die drei Professionsdomänen (Fachwissenschaften, Bildungswissenschaften und Fachdidaktik) sowie die auf struktureller Ebene relevanten Akteure deutlich. Der Schwerpunkt liegt darin, bestehende oder benötigte Verzahnungen zwischen den Professionsdomänen aufzuzeigen und zu stärken. Die Analyse erfolgt über eine Studierendenbefragung sowie über eine Dokumentenanalyse bestehender Curricula unter Abgleich mit den Anforderungen der Ministerien sowie den Vorgaben der KMK für das berufliche Lehramt.

Foto 4: Carsten Lange stellt das Struktur-Verlaufsmodell der Kooperationsstudiengänge vor

Die Struktur und der Studienaufbau, die Herr Lange präsentierte, sind mir als Studentin im Masterstudium natürlich bekannt und ich konnte die einzelnen Phasen und Akteure, die in der Übersicht dargestellt waren, gut wiedererkennen.

Herr Lange sprach auch die Herausforderung an, dass die Module 2 und 3 der je drei- bzw. vierwöchigen Schulpraxisphasen in das Zeitfenster direkt zu Schulbeginn fallen: So finden diese Module direkt nach den Sommerferien statt. Dies ist für die begleitenden Lehrkräfte oft nur schwer mit den vielfältigen Aufgaben am Schuljahresanfang zu vereinbaren. Hier wird nach neuen Lösungen gesucht, was jedoch aufgrund von vielschichtigen Abstimmungsprozessen zwischen den Kooperationspartnern innerhalb der Studiengänge verständlicherweise Zeit in Anspruch nimmt.

Helena Mucha

A2: Etablierung von Heterogenität/Inklusion und Deutsch als Zweit- und Fremdsprache (DaZ/DaF)

Gunde Gassner-Keita & Prof.‘in Dr. Gabriele Kniffka

In den beiden Themenfeldern DaZ/DaF und Heterogenität/Inklusion werden durch die Mitarbeiter*innen neue Lehrmodule entwickelt, erprobt und evaluiert. Über die Zusammenarbeit dieser beiden Personen hinaus erfolgt auch eine enge Verzahnung mit den Professor*innen und Mitarbeiter*innen des Instituts für deutsche Sprache und Literatur/Abt. BA DaZ/DaF, dem Bereich Inklusion (Lehr-Forschungsprojekt „Freiburger Inklusive Schulbegleitforschung“ – FRISBI) und der Forschungsgruppe Inklusion – FINK) sowie Forschenden der Promotionskollegs der PH (Promotionskolleg DaZ „Vom fachsensiblen Sprachunterricht zum sprachsensiblen Fachunterricht“ und Promotionskolleg DIAKOM). Im SoSe 2021 wurden erste neu entwickelte Lehreinheiten von Marlene Meyer (DaZ/DaF) und Gunde Gassner-Keita (Heterogenität/Inklusion) in fachdidaktische Seminare eingebracht. Aktuell erfolgen die Evaluation der Veranstaltungen sowie Abstimmungsprozesse zu der Frage, wie die nachhaltige curriculare Verankerung der neuen Lehreinheiten in den Kooperationsstudiengängen erfolgen kann.

Da die für die Hochschullehre entwickelten Lehreinheiten im Rahmen von Professionellen Lerngemeinschaften (A4) auf den Schulunterricht übertragen werden sollen, erfolgten im SoSe 2021 erste konzeptionelle Abstimmungen mit dem Teilprojekt A4.

Foto 5: Gunde Gassner-Keita (li) und Prof’ín Dr. Gabriele Kniffka (re)

Im zweiten Vortrag ging es um die Etablierung von Lehrveranstaltungen zu Deutsch als Zweit- und Fremdsprache und Heterogenität/Inklusion in den Studiengängen. Im Rahmen des bildungswissenschaftlichen Teils des Masterstudiums besuchte ich die Veranstaltung „Transformationsprozesse in der beruflichen Bildung“, geleitet von Prof. Dr. Andy Richter. In den derzeit in der Erprobung befindlichen Seminarveranstaltungen zu den o. a. Querschnittskompetenzen wurde ich für die Bedeutung eines sprach- und inklusionssensiblen Unterrichts sensibilisiert und finde es sehr gut, wenn diese Themen bereits im Rahmen des Studiums vermittelt werden.

Helena Mucha

A3: Phasenübergreifende Curricula

Mandy Steinbach

Die Abstimmung über phasenübergreifende Curricula bildet ein Kriterium für die angestrebte Kohärenz zwischen den Phasen der Lehrkräfteausbildung. Insbesondere geht es darum, die Inhalte aufeinander aufbauend zu entwickeln und einen sinnvollen Theorie-Praxis-Bezug herzustellen. Im Fokus steht hierbei die Adaption der Begleitveranstaltungen im Schulpraxissemester und der fachdidaktischen Veranstaltungen der PH. Damit alle Beteiligten zu Wort kommen und ihre Einschätzung zu Aspekten wie Kohärenz und Kooperation in den einzelnen Ausbildungsphasen geben können, führt Mandy Steinbach leitfadengestützte Interviews mit Vertreter*innen beider Hochschulen und des (Staatlichen) Seminars für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte Freiburg (Berufliche Schulen) sowie mit Ausbildungslehrkräften und Referendaren sowie insbesondere mit Studierenden vor und nach den jeweiligen Modulen der Schulpraxis durch. Die Interviews dienen zur Erfassung einer realistischen Einschätzung derjenigen Aspekte, die bereits gut strukturiert sind und demzufolge beibehalten aber dennoch kritisch-konstruktiv weiterentwickelt werden oder eben auch solcher, in denen Optimierungsprozesse erst angestoßen werden sollten. Derzeit werden die Interviews transkribiert und ausgewertet. Im Herbst 2021 ist ein zweites Abstimmungstreffen mit dem Seminar für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte Freiburg (Berufliche Schulen) anvisiert, um erste Ergebnisse zu diskutieren und weitere Maßnahmen abzuleiten.

Foto 6: Mandy Steinbach (Schnittstellen mit Einzelprojektmaßnahmen)

A4: Nachhaltige Zusammenarbeit mit allen Akteur*innen

Dr. Martina von Gehlen & Dr. Christoph Hertrich

Dr. Martina von Gehlen hat zum 1. April 2021 ihre Stelle im Projekt „FACE – Berufliches Lehramt“ (QLB III) angetreten. Mit dem Ziel, das bereits bestehende Schulnetzwerk der Hochschulpartnerschaften mit allgemeinbildenden auf berufliche Schulen zu erweitern, konzipiert und organisiert sie in Zusammenarbeit mit der Maßnahme A2 sogenannte Professionelle Lerngemeinschaften (PLG) für einen sprach- und inklusionssensiblen Fachunterricht für Lehrkräfte der beruflichen Fachrichtungen Metall- und Elektrotechnik.

Dr. Christoph Hertrich ist im Projekt verantwortlich für die im Rahmen der Studiengangsentwicklung (vgl. B1) notwendigen Abstimmungen mit den Kammern (IHK und HWK). Außerdem gewinnt er Unternehmen für die Studierenden in den Betriebspraxisphasen und arbeitet diesbezüglich eng mit den Kolleg*innen zusammen. Auch im Rahmen der PLG-Entwicklung ist er mit Dr. Martina von Gehlen im engen Austausch. Erste Gespräche mit Kammervertreter*innen zur Entwicklung des integrierten Pilotstudiengangs stießen auf eine positive Resonanz.

Foto 7: Dr. Christoph Hertrich (li) und Dr. Martina von Gehlen (re)

B1: Integrierter Pilotstudiengang

Carsten Lange & Prof. Dr. Andy Richter

Ein Kernbereich des Projekts ist die Entwicklung eines integrierten Pilotstudiengangs, an dessen Ende die Studierenden eine Berufsabschlussprüfung ablegen und somit einen Facharbeiterbrief erhalten können. Durch die integrierte Berufsausbildung reduziert sich die Ausbildung von derzeit 7,5 Jahren (1 Jahr Betriebspraktikum, 3,5 Jahre Bachelor- und 1,5 Jahre Masterstudium sowie 1,5 Jahre Referendariat) auf 6,5 Jahre. Um diese Zielsetzung zu erreichen, ist eine intensive Abstimmung mit den zuständigen Kammern vor Ort erforderlich, die für Teile der betrieblichen Ausbildung zuständig sind. Carsten Lange stellte das erarbeitete Struktur-Verlaufsmodell des Studiengangs mit den bereits darin enthaltenen praktischen Anteilen in Form von Laboren und Anwendungsveranstaltungen des originären Studiums vor. Im Rahmen der bisherigen Abstimmungstreffen mit den Kammern ging es diesen vor allem darum, die inhaltliche Ausrichtung und den zeitlichen Umfang der fachwissenschaftlichen, fachdidaktischen und anwendungsorientierten Inhalte der hochschulischen Lehrveranstaltungen und des Ingenieurpraktikums im 5. Semester zu klären. Die bisherigen Gespräche waren vielversprechend, um im weiteren Verlauf zum angestrebten Ergebnis kommen zu können, was ein bundesweit einmaliges Modell darstellen würde.

Foto 8: Carsten Lange (Struktur-Verlaufsmodell der Kooperationsstudiengänge mit Laboren und anwendungsorientierten Lehrveranstaltungen auch in der Fachdidaktik)

WIE? 52-wöchiges Betriebspraktikum!

Ich erinnere mich noch, als ich mit meinen Mitstudierenden zusammengesessen habe und uns klar wurde, dass wir vor dem Beginn unseres Referendariats ein 52-wöchiges Betriebspraktikum auf Facharbeiterebene in der beruflichen Fachrichtung nachweisen müssen. Wer bereits eine einschlägige Berufsausbildung mitbringt, erfüllt die Bedingungen vollumfänglich. Insofern schlägt man mit dem integrierten Studiengang sozusagen „zwei Fliegen mit einer Klappe“: Man erfüllt die Bedingungen der 52-wöchigen Betriebspraxis und hat gleichzeitig noch einen vollwertigen Berufsabschluss in der Tasche. Der Ansatz des integrierten Pilotstudiengangs hat aus meiner Sicht aber nicht nur Vorteile. Sicherlich ist es ein deutlicher Mehraufwand, wesentliche Teile einer Berufsausbildung im Rahmen des Studiums zu absolvieren. Ich finde es auch wichtig, dass hier der Aspekt der Studienfinanzierung, den Carsten Lange in seinem Vortrag angesprochen hat, nicht in den Hintergrund gerät: So mache ich das auch und arbeite gerne in den Semesterferien. Ein eindeutiger Vorteil ist aus meiner Sicht, dass ich damit die 52 Wochen Betriebspraktikum schon weitestgehend „abgearbeitet“ habe und direkt nach meinem Master den Vorbereitungsdienst einsteigen kann.

Das gesamte Studium ist lang. Ganz schön lang.

Trotzdem verfolge ich mein Ziel, Lehrerin zu werden weiter, denn ich habe schon als Schülerin eines Wirtschaftsgymnasiums diesen Beruf als sehr attraktiv für mich wahrgenommen.

Helena Mucha

B2: Unterstützungsstrukturen: Technik-Erlebniswelt

Mandy Steinbach

Die Forschungen zur Berufs- und/oder Studienorientierung junger Menschen zeigen, dass die Berufs- bzw. Studienwahl nicht unbedingt ein punktuelles Ereignis im Lebenslauf darstellt, sondern die Eingrenzung im Verlauf des Schüler*innenlebens bereits früh erfolgt und durch kontinuierliche Angebote Interesse an Berufen und Themen gefördert werden kann. Die Technik-Erlebniswelt möchte deshalb sowohl für Technik begeistern als auch Studierende für das gewerblich-technische Lehramt rekrutieren. Im Fokus stehen zwei Zielgruppen: Fünftklässler*innen aller Schularten, die Freude am Umgang mit Technik erleben sollen und dieses Erlebnis weitertransportieren sowie Oberstufenschüler*innen, welche auf der einen Seite ebenfalls ein technisches Phänomen erfahren, andererseits aber besonders durch die didaktische Durchdringung einer spezifischen Aufgabe animiert werden sollen, ein Lehramtsstudium im gewerblich-technischen Bereich aufzunehmen. PH-Studierende im Fach Technik betreuen die Fünftklässler*innen, Studierende der gewerblich-technischen Kooperationsstudiengänge übernehmen die Betreuung der Oberstufenschüler*innen, so dass sich beide in der Lehrkraftrolle erleben können und in der Berufswahl wiederfinden.

Nach der forschungsbasierten Auswahl der Zielgruppe und einer ausführlichen Zielgruppenanalyse findet momentan die inhaltliche Planung der unterschiedlichen Module für die Klassenstufe 5 statt, u. a. in Kooperation mit FESTO Didactics.

Foto 9: Mandy Steinbach (Technik-Erlebniswelt)

B2: Marketing und Mentoring

Simone Judith Fesenmeier & Prof.‘in. Dr. Anne-Marie Grundmeier

Zahlreiche Marketingmaßnahmen gehen mit dem Projekt „FACE – Berufliches Lehramt“ einher: So hat Simone Judith Fesenmeier u. a. Werbematerialien entwickelt, die bei den geplanten Veranstaltungen an den beiden Hochschulen, in Schulen, Messen und Vernetzungstreffen der PLGn zum Einsatz kommen können. Frau Fesenmeier ist auch für die Außendarstellung auf der FACE-Webseite, der Institutswebseite und über soziale Medien zuständig. Auf Instagram und mit Flyern können sich interessierte Schüler*innen über die gewerblich-technischen Kooperationsstudiengänge der PH Freiburg und der HAW Offenburg informieren. Coronabedingt mussten Messebeteiligungen und Schulbesuche leider noch zurückstehen, werden aber sobald als möglich aufgenommen.

Einen großen Stellenwert im Projekt hat das Mentoring, in dem Simone Judith Fesenmeier im SoSe 2021 Masterstudierende mit Lehrkräften und Referendar*innen aus beruflichen Schulen vernetzt hat. Seit dem WiSe 2020/21 erhalten Bachelorstudierende Unterstützung beim Studienstart an der PH Freiburg. Dieses Kaskadenmodell ermöglicht es den Teilnehmenden, sich über Semester und Fachrichtungen hinweg zu vernetzen. Zusätzlich können diese an lehramtsspezifischen Workshops teilnehmen.

Foto 10: Simone Judith Fesenmeier (Mentoring und Marketing)

Im letzten Vortrag der Veranstaltung wurde auf das Marketing sowie auf das Mentoring und die Technik-Erlebniswelt eingegangen.

Ich bin derzeit Mentee und werde im kommenden Wintersemester Mentorin. Ich finde das Mentoringprogramm hervorragend.

Es bietet eine gute Vernetzung zwischen den Studierenden und Lehrkräften, dient aber auch dazu, sich mit anderen Studierenden auszutauschen.

Ich wurde bereits auf das Mentoringprogramm im Rahmen der Veranstaltung Fachdidaktik im Bachelor aufmerksam. Als ich mein Ingenieurpädagogik-Masterstudium im WiSe2021 als einzige mit der Fachrichtungskombination Medientechnik/Wirtschaft begonnen hatte, sah ich das Mentoring als Chance, Kontakte zu knüpfen. Das hat auch hervorragend funktioniert und so bekam ich den einen oder anderen Tipp von Studierenden aus den höheren Semestern.

Als Medientechnik-Studentin ist man auf Social Media unterwegs und mir ist der Account der PH natürlich bekannt. Ich denke, die Präsenz in den sozialen Medien ist besonders wichtig, um auch hierüber neue Studierende zu gewinnen.

Ich fand es aber auch spannend zu hören, dass die gewerblich-technischen Studiengänge bereits in Schulklassen der Sekundarstufe vorgestellt und beworben werden sollen.

Helena Mucha

Insgesamt hat die Vernetzungsveranstaltung das große Potenzial des Projekts für die Etablierung eines innovativen Studiengangs sowie der Theorie-Praxisvernetzung in PLG, Schulnetzwerk, curricularer Abstimmung der verschiedenen inhaltlichen Ebenen und Akteure sowie dem Mentoring deutlich gemacht. Jungen Menschen diesen Weg des Beruflichen Lehramts aufzuzeigen und ihre Berufs- und Studien(fach)wahl nach der Entscheidung für einen der gewerblich-technischen Lehramtsstudiengänge zu stabilisieren, trägt dazu bei, professionell ausgebildete Lehrkräfte für die beruflichen Schulen zu gewinnen und damit dem deutschlandweiten Mangel an qualifiziertem Lehrpersonal in diesem Bereich entgegenzuwirken.

Rundum war es eine sehr informative Veranstaltung und ich konnte sehr vieles Neues lernen. Ich habe mich gefreut, dass ich zu einigen Themen bereits eigene Erfahrungswerte sammeln konnte und freue mich darauf, diese weiter auszubauen und auch in meine Tätigkeit als wissenschaftliche Hilfskraft im Projekt einzubringen

Sehr gut kann ich mir vorstellen, künftig als Lehrerin zu arbeiten. Während der Schulpraxis sind zuerst verstärkt Zweifel aufgekommen, ob ich den Masterstudiengang antreten oder ob ich eine andere Richtung einschlagen sollte. Die Schulpraxis hat mir jedoch gezeigt, dass ich an meinem Berufswunsch festhalten werde. Gerade das bereits gute Gelingen meines selbstständigen Unterrichts und das positive Feedback der Lehrkräfte bestärkten mich erneut.

Helena Mucha

Fotos: SoE FACE

Weitere Informationen

Am 01.03.2020 ist die dritte Phase der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ mit dem Schwerpunkt „Berufliches Lehramt“ gestartet. Mithilfe der Förderung, welche die School of Education FACE einwerben konnte, werden am Standort Freiburg in den nächsten Jahren die beruflichen Lehramtsstudiengänge in den gewerblich-technischen Fachrichtungen der Pädagogischen Hochschule Freiburg und der Hochschule Offenburg weiterentwickelt. Durch gezielte Maßnahmen sollen Studierende unterstützt und weitere Studierende für die Fachrichtungen begeistert werden.

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